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Deutschland / Weltweit Gauck trifft tschechischen Präsidenten in Prag
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14:34 10.10.2012
 Bundespräsident Joachim Gauck (l) traf am Mittwoch in Prag auf den tschechischen Präsidenten Vaclav Klaus. Quelle: dpa
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Prag

Bundespräsident Joachim Gauck hat bei seinem Antrittsbesuch in Tschechien die historische Verantwortung für die Verbrechen des Nationalsozialismus hervorgehoben. Gleichzeitig warnte er am Mittwoch in Prag davor, die deutsche Schuld mit dem Thema der Vertreibung zu vermischen. Gauck erinnerte an das „Schicksal der unschuldigen Menschen, die nach dem Krieg vertrieben wurden“. Dies sei aber bei seinem Treffen mit dem tschechischen Präsidenten Vaclav Klaus nicht erörtert worden, sagte Gauck auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Klaus.

„Wir Deutschen wissen um die tiefen Wunden, die die Besatzung in Ihrem Land hinterlassen hat“, sagte Gauck in einer Tischrede. „Wir fühlen mit den Opfern. Und wir ehren die mutigen Tschechen, die Widerstand gegen brutale Unterdrückung leisteten“.

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Am Nachmittag wollten Gauck und Klaus zusammen in Lidice bei Prag der Opfer eines Massakers deutscher Nationalsozialisten an der Bevölkerung des Dorfes gedenken. Am 10. Juni 1942 sprengten Angehörige der Gestapo und des Sicherheitsdienstes in Lidice alle Häuser. Etwa 170 Männer wurden als Vergeltung für den Tod des „Stellvertretenden Reichsprotektors“ Reinhard Heydrich erschossen, fast 300 Frauen und Kinder verschleppt. Viele von ihnen kamen in Konzentrationslagern ums Leben.

Klaus betonte, schwerwiegende Probleme zwischen beiden Ländern seien nicht zu erkennen. Einziges Streitthema war anscheinend die Europapolitik in der Schuldenkrise. Gauck habe bei dem Meinungsaustausch vom Hoffnungspotenzial gesprochen, er nenne das lieber Wunschdenken, sagte der bekannte Euroskeptiker. „Wir respektieren uns gegenseitig so sehr, dass wir nicht versuchen, den jeweils anderen zu überreden“, konstatierte Klaus.

Gauck sagte zur Europapolitik, die Lösung der gegenwärtigen Krise werde nur gemeinsam gelingen. Über den richtigen Weg müsse diskutiert werden. „Ebenso wichtig ist es aber, dass wir den Zauber des „Wunders Europa“ bewahren.“

Am Nachmittag besuchte Gauck die Deutsche Botschaft in Prag und erinnerte auf dem Balkon des Gebäudes an die Monate vor dem Mauerfall. Am 30. September 1989 hatte der damalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher dort Tausende DDR-Bürger darüber informiert, dass sie in die Bundesrepublik ausreisen dürfen. Auch ein Treffen Gaucks mit dem tschechischen Ministerpräsidenten Petr Necas war vorgesehen.

In einem Zeitungsinterview würdigte Gauck die Verdienste des im Dezember gestorbenen Ex-Präsidenten Vaclav Havel. Er sei ein großer Kämpfer für die Freiheit gewesen. Havel habe immer wieder betont, dass man die Freiheit nicht fürchten dürfe, sagte er der Zeitung „MF Dnes“. Erst als im Osten Europas die Angst überwunden werden konnte, seien die Mauern und Grenzen in Europa gefallen.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.