Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Deutschland / Weltweit Gauck unterstreicht Entwicklung der Regionalzeitungen
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Gauck unterstreicht Entwicklung der Regionalzeitungen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:54 29.09.2012
Bundespräsident Joachim Gauck hat im Interview mit der Ostsee-Zeitung die Bedeutung von Regionalzeitungen hervorgehoben. Quelle: dpa
Anzeige
Rostock

„Regionale Medien sind näher an den Alltagsproblemen dran, können auch besser aktivieren und konkreter benennen, wo protestiert, aufgebaut oder Hilfe geleistet werden muss“, sagte Joachim Gauck im Interview mit der Ostsee-Zeitung. Das Leben und die Probleme der engen Nachbarschaft interessierten oft als erstes. Aber auch die nationalen und internationalen Themen würden in den Regionalzeitungen ernsthaft angeboten und vom Leser angenommen.

Er könnte gar nicht ohne Zeitungen sein, gestand Gauck. Selber lese er zwar eher überregionale Blätter, „aber oft suche ich zusätzlich die Zeitungen aus der Heimat“. Angesichts wirtschaftlicher Probleme sei es nicht selbstverständlich, dass es deutschlandweit nach wie vor „ganz hervorragend gemachte und immer noch erfolgreiche Regionalzeitungen“ gebe, betonte der Bundespräsident.

Anzeige

In dem Interview lobte Gauck auch die Entwicklung der ehemaligen Bezirks- und Regionalzeitungen aus DDR-Zeiten hin zu pluralen deutschen Regionalblättern. „Als sich 1989 die Menschen erhoben, mochten viele Journalisten nicht länger die Sklaven der Diktatoren sein“, sagte Gauck. Er erinnerte daran, dass es auch in den Redaktionen gebrodelt habe. Anstelle der ideologischen Hardliner sei die  faire Berichterstattung getreten. Dabei hätten die abonnentenstarken SED-Zeitungen überlebt, „weil sie starke Partner aus den westdeutschen Zeitungsverlagen fanden“, sagte Gauck. Die Ostsee-Zeitung wird von der Verlagsgesellschaft Madsack herausgegeben.

Der Bundespräsident, der zu DDR-Zeiten als Pastor in Rostock tätig war, erinnerte daran,  dass vor der Wiedervereinigung auf Staats- wie auf Bezirksebene die Dominanz der SED-Zeitungen staatlich festgelegt gewesen sei, auch durch Papierzuweisungen, durch staatlich festgesetzte Auflagenhöhe und so weiter. „Diese hatten die SED-Ansicht bis ins letzte Dorf zu tragen“, hob der Bundespräsident hervor. „Jeder suchte intensiv nach etwas Lesenswertem, besonders im Sport, im Lokalen. Wichtig: Im Anzeigenteil die Todesanzeigen“, so Gauck.

Das Staatsoberhaupt erinnerte sich daran, dass von den SED-Instanzen selbst Todesanzeigen zensiert worden seien. Er habe dies selbst erfahren. Als seine Großmutter gestorben sei, konnte er das Psalm-Wort „Meine Zeit steht in Deinen Händen“ nicht in der Anzeige unterbringen. „Der Verlagsleiter erklärte mir, man mache eine kommunistische Zeitung. Da sei ein solcher christlicher Text nicht möglich“, sagte Gauck. Viele DDR-Oppositionelle hätten die SED-Blätter als das gesehen, was sie sein sollten: Akteure im Klassenkampf. „Es ging nicht um Wahrheit, um Information, sondern um Prägung, um Einflussnahme zugunsten der herrschenden Macht. Wir kritischen Geister waren die Feinde dieser Zeitungsherren“, unterstrich der Bundespräsident.

Dieter Wonka

Mehr zum Thema
Deutschland / Weltweit Antrittsbesuch in Brüssel - Gauck fordert Ja zu Europa

Bundespräsident Joachim Gauck hat bei seinem Antrittsbesuch in Brüssel ein uneingeschränktes Ja zu Europa gefordert. Die Deutschen sollten sich wegen der Schuldenkrise nicht von Ängsten leiten lassen.

17.04.2012

Auf einer Vorstellungstour durch die Bundesländer will der gemeinsame Kandidat von Grünen und SPD, der ehemalige DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck, bis zum 30. Juni bei den Vertretern der Länder aus allen Parteien um Stimmen bei der Wahl des Bundespräsidenten werben.

08.06.2010

Bundespräsident Joachim Gauck ist am Montag zu einem mehrtägigen Staatsbesuch nach Israel abgeflogen. Dort wird er mit Präsident Schimon Peres und Regierungschef Benjamin Netanjahu zusammentreffen.

28.05.2012
Gabi Stief 29.09.2012
Reinhard Urschel 28.09.2012