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Deutschland / Weltweit Geheimdienste befürchten Vergeltungsschläge der Taliban
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14:52 02.05.2009
Geldquelle der Taliban: Mohnfelder am Hindukusch
Geldquelle der Taliban: Mohnfelder am Hindukusch Quelle: Rachel Mukherjee/afp
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„Lasst die Finger von den Mohnfeldern“, haben die radikal-islamischen Taliban bei ihrer angekündigten Frühjahrsoffensive gegen die ISAF-Truppen wissen lassen, war aus Geheimdienstkreisen am Wochenende in der afghanischen Hauptstadt Kabul zu erfahren.

Ein Angehöriger des US-Geheimdienstes CIA wies jedoch ausdrücklich darauf hin, dass Washington versuchen werde, in den nächsten Monaten mit der massiven Truppenverstärkung in Afghanistan auch „nachhaltig mit militärischen Mitteln“ gegen die Opiumproduktion vorzugehen. „Nur auf diese Weise kann das Blatt am Hindukusch gewendet werden“, sagte der CIA-Vertreter. Sollte es nicht gelingen, den boomenden Anbau von Schlafmohn zu stoppen, „werden wir am Hindukusch Schiffbruch erleiden“, unterstrich der CIA-Mann.

Afghanistan ist weltweit der größte Produzent von Rohopium, dem Grundstoff für Heroin. Die Taliban finanzieren aus den Erträgen der Schlafmohnfelder ihre gesamten Aktivitäten gegen die ISAF-Schutztruppe. 90 Prozent der Weltopiumproduktion stammt nach den Schätzungen vom Hindukusch. Der verstärkte Anti-Drogeneinsatz war von den USA bereits auf dem NATO-Treffen im vergangenen Herbst in Budapest gefordert worden. Unter Geheimhaltung wurde vereinbart, dass jedes NATO-Land für sich entscheiden könne, ob es an der Ausweitung des Anti-Drogen-Kampfes teilnehmen wolle.

Den deutschen Soldaten ist das gezielte Vorgehen gegen Anbau und Handel von Drogen durch das Bundestagsmandat ausdrücklich untersagt. Diesen Standpunkt hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Wochenende im Zusammenhang mit den jüngsten schweren Anschlägen nahe Kundus, einem der nördlichen Stützpunkte der Bundeswehr in Afghanistan, noch einmal nachdrücklich betont.

Merkel lehnte es erneut ab, dass die Bundeswehr auch gegen den Drogenanbau in Afghanistan eingesetzt werde. Einen solchen Einsatz hatte vor einigen Tagen der für die Antidrogenpolitik in der afghanischen Regierung zuständige Minister, General Khodaidad, verlangt. Er hielt der Bundeswehr vor, sie tue nichts gegen den auswuchernden Ausbau der Mohnfelder und der Opiumproduktion in seinem Land. In Berlin wiesen Politiker und Parlamentarier die Vorwürfe zurück. Merkel hält es für wichtiger, dass afghanische Polizisten ausgebildet werden, die das Problem der Drogen lösen.

Im ISAF-Mandat sind die britischen Soldaten für die Drogenbekämpfung zuständig. Aber bisher ist es nach übereinstimmender Aussage der Militärs und der Geheimdienste in Kabul „nicht im entferntesten“ gelungen, den Drogenanbau zu stoppen. Die Taliban würden einen „derartigen Druck“ auf die vielen Opiumbauern ausüben, dass sie immer wieder den Mohn anbauen müssten. Außerdem würden die Bauern bei ihrem ohnehin kargen Unterhalt mit dem Anbau des Schlafmohns „tausendmal mehr verdienen als durch Weizen- oder andere Getreidesorten“, erklärte ein Experte eines zivilen Wiederaufbaudienstes.

Ein britischer Offizier verwies auf den Versuch vor geraumer Zeit, dem Drogenproblem mit „Alternativlösungen“ beizukommen. Die Briten zahlten den Bauern für jeden umgepflügten Mohnfeld-Hektar gut 1700 Dollar. Die Bauern pflügten um und kassierten, machten aber stillschweigend wenig später wieder mit dem Mohnanbau weiter.

Ende Februar hoben britische und afghanische Soldaten in der Provinz Helmand vier Drogenfabriken der Taliban aus. Dabei konnten Heroin und Chemikalien zur Herstellung von Drogen im Wert von rund 60 Millionen Euro beschlagnahmt werden. Es sei jedoch „im Kampf gegen die Drogen wieder nur ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen“, berichtete der britische Offizier. Bis jetzt verlaufe dieser Kampf „leider völlig aussichtslos“.

Für dieses Jahr wird in Afghanistan eine Rekordernte von Rohopium von über 9000 Tonnen erwartet. Der Gewinn dürfte sich auf mehrere Milliarden US-Dollar belaufen. 50 Prozent des Rauschgifts würden nach Europa gehen, 25 Prozent nach Russland und andere östliche Staaten und 25 Prozent nach Ostasien, erläuterte ein Geheimdienstler ddp in Kabul. Seit China im 19. Jahrhundert hat kein anderes Land Drogen in solchem Ausmaß produziert.

ddp