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Deutschland / Weltweit Wer übernimmt die Grünen-Spitze?
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08:43 27.09.2013
Die Wirtschaftsexpertin Kerstin Andreae. Quelle: dpa
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Berlin

Andreae hat sich nach dem bayerischen Verkehrsexperten Anton Hofreiter und der ehemaligen Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt als Fraktionschefin beworben. Bisher war sie Vize-Chefin der Fraktion und zählt wie Göring-Eckardt zum Realo-Flügel der Partei. In einem Schreiben an die Parteimitglieder kündigte Andreae an, „neue Brücken zur Wirtschaft und in die Gesellschaft zu schlagen“ und Arbeitnehmerinnen, Handwerker und Unternehmerinnen für die „Idee einer grünen Ökonomie zu gewinnen“. Zudem müsse sich die Fraktion selbstkritisch hinterfragen und Fehler korrigieren. Andreae hatte in Bezug auf das umstrittene Steuerkonzept der Grünen noch während des Wahlkampfes gemahnt, am Ende müsse man die Gesamtbelastung im Blick behalten.

Welche Kandidatin sich bei der Wahl zum Fraktionsvorsitz am 8. Oktober durchsetzt, ist völlig offen. Andreae gilt dem linken Flügel als zu wirtschaftsfreundlich. Ihr Vorteil ist, dass sie mit den baden-württembergischen Realos um Ministerpräsident Winfried Kretschmann einen starken Rückhalt hat. Katrin Göring-Eckardt dagegen genießt breitere Unterstützung, wird aber wegen ihres eher blassen Wahlkampfes hinter vorgehaltener Hand kritisiert.

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Dass die eigentlich wertkonservative Spitzenkandidatin in den vergangenen Wochen erst einen „Linksruck“ vollführte und dann nicht wie Jürgen Trittin die persönliche Verantwortung für das schlechte Wahlergebnis übernahm und darüber hinaus nun die Fraktion führen will, wird auch in Realo-Parteikreisen als „eine Wendung zu viel“ wahrgenommen. Gestern erklärte Göring-Eckardt dann übrigens doch noch einen Rücktritt: Mit sofortiger Wirkung legte sie ihr Amt als Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) nieder. Der Grund: Die 47-Jährige will sich „mit ganzer Kraft“ der Partei widmen.

Als Nachfolger für den bisherigen zweiten Fraktionschef Jürgen Trittin hat sich bislang Anton Hofreiter beworben.  Der Parteilinke hat noch keinen Gegenkandidaten. Weniger heftig dürfte das Gerangel um den Parteivorsitz werden. Hierfür hat Simone Peter, ehemalige Umweltministerin im Saarland in der „Jamaika-Koalition“ aus CDU, Grünen und FDP, gestern ihren Hut in den Ring geworfen. Die Vertreterin des linken Flügels will Claudia Roth beerben. Sie wolle „mit grünen Leitthemen Zukunft gestalten“, schreibt die promovierte Mikrobiologin auf ihrer Homepage und kündigte ihre Kandidatur für den Parteitag im November an.

Dort wird auch der bisherige Ko-Vorsitzende Cem Özdemir erneut für den Vorsitz kandidieren. Dass Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke gleichfalls das Amt anstrebt, ist dagegen mit der Kandidatur Peters unwahrscheinlicher geworden. Nach Informationen der HAZ haben sich beide abgesprochen. Peter und Özdemir werden gute Chancen für flügelübergreifende Mehrheiten bei der Abstimmung eingeräumt.

Diese Grünen rangeln um Spitzenämter

Katrin Göring-Eckardt war Spitzenkandidatin der Grünen und wird verantwortlich gemacht für den vermurksten Wahlkampf. Die 47-Jährige, von Haus aus wertkonservativ, trat im Wahlkampf für Umverteilung ein.

Kerstin Andreae ist führende Fachfrau für Wirtschaft in der Grünen-Fraktion. Die 44-jährige studierte Volkswirtschafterin war Gemeinderätin in Freiburg und ist passionierte Pfadfinderin.

Anton Hofreiter ist Verkehrspolitiker. Sein Führungsanspruch wurde lange unterschätzt. Der 43-jährige Oberbayer, studierter Biologe, will das Kernthema Ökologie stärken. Er gilt als individualistisch.  

Simone Peter gilt als Energieexpertin. Der Sachverstand der früheren Saar-Umweltministerin wird geschätzt. Die 44-Jährige aus Quierschied hat Regierungserfahrung mit der CDU in einer schwierigen Ampelkoalition.

Von Patrick Tiede

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