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Deutschland / Weltweit „Gorch Fock“ wird zum Millionengrab
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit „Gorch Fock“ wird zum Millionengrab
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22:59 02.07.2012
Von Klaus von der Brelie
Offiziersanwärter aus der Marineschule in Mürwik werden wohl erst im kommenden Frühjahr auf die „Gorch Fock“ zurückkehren. Quelle: dpa
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Hannover

Niemand in der Marineführung ist derzeit gut auf das Schiff zu sprechen, und das hat seinen Grund: Nach der jüngsten Ausbildungsreise, die wegen ­eines tödlichen Sturzes aus der Takelage abgebrochen worden war, machte die „Gorch Fock“ im Oktober vergangenen Jahres in der Elsflether Werft für eine routinemäßige Wartung fest. Der vereinbarte Preis: rund 500 000 Euro. Jemand muss sich damals verkalkuliert haben – oder der Marine war der tatsächliche Zustand der „Weißen Lady“ nicht bekannt. Denn inzwischen gibt das zuständige Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) in Koblenz die Reparaturkosten mit acht Millionen Euro an. Es könnten aber auch neun Millionen werden, ist im Heimathafen Kiel zu hören.

Zur Erinnerung: Im April hieß es noch offiziell, man werde mit 4,4 Millionen Euro auskommen. „Es sind größere Rostschäden entdeckt worden“, antwortet das BWB auf die Frage, wie es zu der Kostensteigerung um das 16-Fache kommen konnte. Das Schiff sei mittlerweile 54 Jahre alt, da könne es schon mal Überraschungen geben, wenn die Außenhaut an bestimmten Stellen zum ersten Mal geöffnet werde. Der Bau des Schiffes hat einst 850 000 D-Mark gekostet.

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Im unteren Bereich der Bark stellten Bremerhavener Ingenieure jetzt fest, dass der Stahl statt der vorgesehenen zwölf Millimeter nur noch sechs Millimeter dick ist. Also muss er erneuert werden. Diese Arbeiten sollen bis Mitte des Monats erledigt sein. Dann erhält das Schiff einen neuen weißen Außenanstrich. Anschließend soll die Takelage in Elsfleth wieder komplettiert werden.

An eine Wiederinbetriebnahme als Schulschiff ist dann aber noch längst nicht zu denken. Zuvor wird das Marinearsenal in Wilhelmshaven das Schiff auf Herz und Nieren prüfen, um eine neue Seezulassung zu erteilen. Frühestens Ende September könnte die „Gorch Fock“ in ihren Heimathafen nach Kiel zurückkehren.

Dort wundern sich die Experten über die vielen Hiobsbotschaften. „Vor ihrer jüngsten Weltumseglung ist die ,Gorch Fock‘ im Jahr 2010 von der Elsflether Werft komplett generalüberholt worden“, sagt Rainer Kersten vom Steuerzahlerbund, „da hätte man schon erkennen müssen, wie marode der Rumpf ist.“

Offiziersanwärter aus der Marineschule in Mürwik werden wohl erst im kommenden Frühjahr auf die „Gorch Fock“ zurückkehren. Einstweilen trainieren sie das Aufentern und Arbeiten in der Takelage in einem Übungsmast. Er wurde vorsorglich an Land aufgestellt. Die Kosten: 1,4 Millionen Euro.