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Deutschland / Weltweit Greenpeace-Aktivisten blockieren Castor-Gleise
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Greenpeace-Aktivisten blockieren Castor-Gleise
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21:25 15.02.2011
Am Dienstag blockierten zahlreiche Castor-Gegner die Gleise.
Am Dienstag blockierten zahlreiche Castor-Gegner die Gleise. Quelle: dpa
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Kurz vor dem Atommüll-Transport von Karlsruhe nach Vorpommern haben Greenpeace-Aktivisten die Gleise am Startort stundenlang blockiert. Der Transport ins Zwischenlager bei Lubmin nahe Greifswald sollte in der Nacht zu Mittwoch beginnen. Dort wurden die 56 Tonnen radioaktiven Abfalls aus der vor zwei Jahrzehnten stillgelegten Karlsruher Wiederaufarbeitungsanlage WAK am Donnerstag erwartet.

In Karlsruhe ketteten sich am Dienstagmorgen 10 der 35 Atomkraftgegner so gründlich an den Schienen fest, dass die Polizei sie nicht einfach losschneiden konnte. Die Beamten mussten die Gleise durchtrennen und die Aktivisten dann herausziehen. Die letzte Angekettete wurde erst nach mehr als neun Stunden weggebracht. Die Gleise wurden auf einer Länge von zehn Metern anschließend wieder verschweißt und festgeschraubt - rechtzeitig für den noch in der Nacht geplanten Transport der fünf Castoren.

Die Aktivisten hatten sich gegen 04.30 Uhr direkt hinter dem Zaun, außerhalb des Geländes der ehemaligen Wiederaufarbeitungsanlage WAK, einzeln unter den Gleisen festgekettet. Hände und Unterarme hatten sie in Stahlrohren verborgen. Mit der Rohrkonstruktion hatten sie sich so fest verankert, dass die Beamten sie nicht gefahrlos losschneiden konnten.

Weitere Atomgegner hatten sich zudem ans Tor der WAK-Anlage gekettet. Sie waren bereits zuvor losgeschnitten und von der Polizei in Gewahrsam genommen worden. Auch in zwei Bäumen links und rechts der Strecke hatten sich je zwei Atomkraft-Gegner platziert und ein großes dreieckiges Transparent aufgehängt. Sie mussten am frühen Nachmittag aufgeben.

Warum so kurz vor dem Atommüll-Transport ausgerechnet die Gleise am Anfang der Strecke nicht so bewacht waren, dass eine Besetzung nicht gelingen konnte, ist unklar. Greenpeace-Sprecher Jan Haase sagte: „Vor dem Tor stand nur ein leerer Polizeiwagen mit Kamera.“ Die Polizei sei erst zehn Minuten später angerückt. „Da waren wir aber schon in Position.“ Ein Polizeisprecher wollte keine Angaben zu den Kontrollen und zur Anzahl der daran beteiligten Polizisten machen. Den Blockierern drohen Strafverfahren - unter anderem wegen Verstoßes gegen das extra verhängte Versammlungsverbot.

dpa