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Deutschland / Weltweit Greta Thunberg in Berlin: „Wir wollen eine Zukunft, ist das zu viel verlangt?“
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Greta Thunberg in Berlin: „Wir wollen eine Zukunft, ist das zu viel verlangt?“
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18:30 29.03.2019
Die schwedische Schülerin Greta Thunberg spricht bei der Klimademonstration "Fridays for Future" während der Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor. Quelle: Michael Kappeler/dpa
Berlin

„Ich kann sie sehen, ich kann sie sehen!“, das Geschrei schwillt an, wildes Kamera-Klicken, die Menge drängt zum großen weißen Banner mit der Aufschrift: „This House is on Fire“. Dort in der Mitte erscheinen die wohl berühmtesten Zöpfe der Welt: Greta Thunberg, die Initiatorin der Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“ ist für eine Demonstration nach Berlin gekommen. Sie wird empfangen wie ein Popstar.

Skeptisch blickt die 16-Jährige der Reportertraube entgegen – der Trubel scheint ihr unangenehm. Ganz anders ihre Nebenleute: Luisa Neubauer und Jakob Blasel, die deutschen Gesichter von „Fridays for Future.

Inbrünstig schreien sie die in den letzten Wochen durch unzählige Städte gehallten Schlachtrufe hinaus: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut.“ Zwischendurch wird eifrig auf dem Handy getippt. Greta murmelt die Parolen eher mit, dann hebt sie das Plakat in die Höhe, mit dem alles angefangen hat: „Skolstrejk för Klimatet“.

Festival-Stimmung im Invalidenpark

Wie bereits während des Höhepunkts der Proteste am 15. März, dem weltweiten Aktionstag der Bewegung, haben Tausende Schüler den Unterricht an diesem Freitag geschwänzt, um ihren Unmut über die derzeitige Klimapolitik deutlich zu machen. Für die Mobilisierung reicht dieses Mal allein die Ankündigung, dass Greta kommt.

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg ist zur Demo in Berlin. Quelle: imago images / photothekimago images / photothek

Bereits zwei Stunden vor dem Start der Demo herrscht im Berliner Invalidenpark Festival-Stimmung: Bands spielen, ein Schildermeer aus selbst gebastelten Protestplakaten wogt zum Takt, Seifenblasen fliegen durch die Luft. Von allen Seiten ströme Jugendliche hinzu, bald leitet die Polizei die Neuankömmlinge wegen Überfüllung am Platz vorbei.

Euphorisches Publikum

Auf der Bühne in der Mitte des Parks übernimmt als erstes Luisa Neubauer das Mikro – selbst ihr, die in den letzten Wochen wegen ihres selbstbewussten Auftretens in den Medien beeindruckte, merkt man heute Aufregung an. „Mega, mega cool“ und „krass“ sei es, dass so viele Leute gekommen seien. „Wir müssen laut sein, damit wir eine Zukunft haben!“, ruft sie laut, ihr Kompagnon Jakob Blasel brüllt: „Wir machen die Europawahl zur Klimawahl!“

Tausende Schüler sind zum Brandenburger Tor gekommen. Quelle: Michael Kappeler/dpa

Die Menge johlt, die Euphorie ist spürbar. Zwischen Reden weiterer Aktivisten gibt es Animationsprogramm für die wartenden Protestler. Ein Kanon gegen Braunkohle missglückt, besser funktioniert „Wer nicht hüpft, der ist für Kohle“.

Lesen sie auch: Bewusster Konsum und weniger Flugreisen – Verzicht gehört für die jungen „Fridays for Future“-Demonstranten zum Klimaschutz dazu, wie eine Studie feststellte.

Kritische Stimmen zum Personenkult

Und zwischendurch immer wieder die Frage: Wo ist Greta? Die Stimmung erinnert an Personenkult – das ist nicht allen Recht. „Fridays for Future ist nicht nur Greta“, sagt die 16-Jährige Hanna, die zusammen mit 18 weiteren Mitstreitern den Fridays-for-Future-Protest in Berlin organisiert. In den vergangenen zwei Wochen haben sie den heutigen Protest vorbereitet – abends nach der Schule. „Natürlich ist es eine Ehre, dass sie heute kommt“, beeilt sich Hanna zu sagen. „Aber alle die hier sind, sind nicht weniger Fridays for Future als sie. Wir wollen keinen neuen Teenie-Star.“

Dieses Etikett würde auch nicht zu der schüchternen Thunberg passen. In Trippelschritten kommt die Demonstration voran, eine Menschenkette von Helfern schützt die Speerspitze des Protestzuges, über ihre Schultern hinweg versuchen Passanten und Journalisten einen Blick auf die schwedische Schülerin zu erhaschen. Ruhig, in sich gekehrt zieht sie mit der Masse zum Brandenburger Tor – während alle um sie herum durchdrehen.

Eine Rede von etwa zwei Minuten

Einige kürzen den Weg zur Demonstration ab, um am Brandenburger Tor, dem Ende des Weges, ganz vorne zu stehen. Denn dort soll Thunberg sprechen. Das Gedränge um die Bühne herum wird schon eine Stunde vor ihrem Auftritt stärker.

Bis sie ans Mikrofon tritt, erzählen Jugendliche aus Frankreich, Dänemark und Belgien, warum sie sich in ihren Ländern für mehr Klimaschutz einsetzen. Als Luisa Neubauer den „letzten europäischen Gast“ ankündigt, wird es laut. Schlagartig sind sämtliche Handys über den Köpfen, um einzufangen, was man von unten kaum sehen kann: Greta Thunbergs Rede.

Greta Thunberg: „Sie tätscheln unsere Köpfe“

„Die älteren Generationen haben bei der größten Krise, der die Menschheit jemand ausgesetzt war, versagt“, verkündet Thunberg. „Wenn wir ihnen sagen, dass wir uns Sorgen um die Zukunft unserer Zivilisation machen, tätscheln sie nur unsere Köpfe und sagen: Alles wird gut, macht euch keine Sorgen.“

Sie lässt zwischen jedem ihrer Sätze eine Pause entstehen, in der die Menge zustimmend kreischt. „Aber wir sollten uns Sorgen machen. Wir sollten in Panik geraten. Und damit meine ich nicht, herumzurennen und zu schreien. Ich meine damit, unsere Komfortzonen zu verlassen. Denn wenn man in einer Krise ist, ändert man sein Verhalten.“ Während sie auf eine Menge aus mehreren Tausend Menschen blickt, sagt Thunberg, sie habe bisher noch keine Veränderung erkennen können. „Das ist nur der Anfang vom Anfang. Vertraut mir.“

Greta Thunberg im Potsdamer Klima-Institut

Nach ihrer Rede in Berlin fährt Greta Thunberg mit einem kleinen Kreis, darunter Luisa Neubauer von der deutschen „Fridays for Future“-Bewegung, zum Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Der Besuch findet ohne Presse statt. Dem RND sagt Neubauer danach, PIK-Wissenschaftler um Institutsleiter Johan Rockström hätten der Gruppe neue Forschungsergebnisse zur Veränderung der Erdsysteme vorgestellt. „Es ging um neue Erkenntnisse zur Klimakrise“, sagt Neubauer nach dem rund zweistündigen Treffen.

Thunberg und Institutsdirektor Johan Rockström, der ebenfalls aus Schweden kommt, hatten sich nach Angaben des PIK auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos getroffen. Thunberg habe dort den Wunsch geäußert, das Institut auf ihrer Deutschlandreise zu besuchen.

Von Maximilian König und Elena Butz/RND

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