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Deutschland / Weltweit Guttenberg kein Doktor mehr: Merkel steht trotzdem zu ihm
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15:53 22.02.2011
Karl-Theodor zu Guttenberg.
Karl-Theodor zu Guttenberg. Quelle: dpa
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Auch nach seinem Verzicht auf den Doktortitel hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg die volle Rückendeckung von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Unionsfraktion sicherte dem angeschlagenen CSU-Star trotz der massiven Plagiatsvorwürfe ebenfalls „uneingeschränkte Unterstützung“ zu.

Die Solidaritätsfront bekam allerdings am Dienstag erste Risse. Bundestagspräsident Norbert Lammert scherte als erster Unionspolitiker aus und kritisierte Guttenbergs Krisenmanagement. Die SPD legte Merkel die Entlassung ihres Ministers nahe. Die Universität Bayreuth prüft Guttenbergs Dissertation weiter auf kopierte Stellen.

Guttenberg hatte in der vergangenen Woche bereits zwei Anläufe unternommen, die Affäre in den Griff zu bekommen. Zunächst bezeichnete er den Plagiatsvorwurf als „abstrus“ und schloss lediglich einzelne Unkorrektheiten nicht aus. Dann ließ er den Doktortitel bis zur Aufklärung der Vorwürfe vorübergehend ruhen. Auf einer CDU-Veranstaltung im hessischen Kelkheim erklärte er am Montag nun seinen endgültigen Verzicht auf den Titel.

Er habe sich die Arbeit am Wochenende noch einmal angeschaut und dabei „gravierende Fehler“ entdeckt, erklärte der Minister den Meinungswandel. Dazu zählten „besonders peinliche Beispiele“ wie der aus der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ abgeschriebene Beginn seiner Einleitung.

Zu der Frage, wie solch gravierende Pannen passieren können, sagte der Minister, er habe „an der einen oder anderen Stelle den Überblick über die Quellen verloren“. Er habe aber „nicht bewusst oder absichtlich in irgendeiner Form getäuscht“, beteuerte er. Guttenberg bekräftigte auch, dass er keinen Ghostwriter eingespannt hat: „Ich habe diese Arbeit selber geschrieben, (...) ich stehe auch zu dem Blödsinn, den ich da geschrieben habe.“

Guttenberg kam mit seinem Schritt einem Urteil der Universität Bayreuth über seine Dissertation zuvor. Die Hochschule hatte ihn um eine Stellungnahme bis zum 6. März gebeten. Das laufende Prüfungsverfahren will die Hochschule nun trotzdem fortsetzen.

Merkel blieb bei ihrer Unterstützung des Ministers. „Die Bundeskanzlerin findet die Entscheidung Karl-Theodor zu Guttenbergs, auf den Doktortitel zu verzichten, richtig“, sagte ihr Sprecher Steffen Seibert der Nachrichtenagentur dpa.

Die Kanzlerin hatte bereits am Montag noch vor Guttenbergs Rede signalisiert, ihn wegen der Plagiatsvorwürfe als Minister nicht einfach fallen lassen zu wollen: Sie habe Guttenberg nicht als wissenschaftlichen Assistenten oder Doktoranden ins Kabinett geholt.

Auch CDU/CSU-Fraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier plädierte weiterhin für eine Trennung der wissenschaftlichen Fehler und der politischen Arbeit Guttenbergs. Seine Fraktion stehe „in großer Geschlossenheit hinter der politischen Leistung des Ministers in diesen beiden Jahren“, betonte er. „Deshalb sage ich, und zwar in aller Deutlichkeit, dass es nach wie vor eine uneingeschränkte Unterstützung für die politische Arbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg durch die CDU/CSU-Bundestagsfraktion gibt. Punkt.“

Einen Abweichler von dieser Linie in der Union gibt es aber bereits. Lammert warf Guttenberg im WDR „Schlampigkeit“ beim wissenschaftlichen Arbeiten vor und kritisierte das Krisenmanagement in der vergangenen Woche: Es sei „kein überzeugender Beitrag zur Problembewältigung“ gewesen.

Lammert geht davon aus, dass sich der Ältestenrat des Bundestags mit den Vorwürfen beschäftigen werde, Guttenberg habe den Wissenschaftlichen Dienst des Bundestag für die Erstellung eines Teils seiner Doktorarbeit missbraucht.

Die Opposition will den Minister an diesem Mittwoch im Bundestag zur Rede stellen. An einer Fragestunde will Guttenberg zwar nicht teilnehmen, wahrscheinlich ergreift er aber in einer Debatte über das Thema das Wort. Der SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann hält die Entlassung Guttenbergs inzwischen für unausweichlich: „Jeder Soldat würde entlassen, jeder Schüler durch das Abitur fallen und jeder Student von der Hochschule verwiesen“, sagte er.

Ähnlich äußerte sich Linksfraktionschef Gregor Gysi: „Für die Politik, für die Demokratie wäre es am besten, er zöge schnell die Schlussfolgerung zurückzutreten.“

dpa

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Es war ein Empfang ganz nach dem Geschmack des eigenwilligen Freiherrn aus dem Fränkischen. Die hessische CDU begrüßte Karl-Theodor zu Guttenberg, den Stargast ihrer Veranstaltung am Montagabend in Kelkheim, mit dessen Lieblingsmusik von der Hardrock-Band AC/DC: „Hells bells“.

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Wegen der Plagiatsvorwürfe hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) die Universität Bayreuth gebeten, seinen Doktortitel zurückzunehmen. Zur Begründung habe er auf „gravierende, handwerkliche Fehler“ in seiner Dissertation hingewiesen, teilte die Universität am Montagabend mit. Sie sei aber dennoch verpflichtet, die Rechtmäßigkeit der Doktorarbeit zu prüfen.

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