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Deutschland / Weltweit Hollywood-Stars bitten Görlitzer vor Bürgermeisterwahl: Wählt nicht AfD!
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Hollywood-Stars bitten Görlitzer vor Bürgermeisterwahl: Wählt nicht AfD!
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19:48 06.06.2019
Alice Weidel (M), Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag, während einer Wahlkampfveranstaltung in Görlitz. Quelle: Sebastian Kahnert/dpa
Görlitz

Innerhalb kurzer Zeit hat sich Görlitz den Ruf als Eldorado des internationalen Films erarbeitet. Hollywood-Größen wie Kate Winslet, Emma Thompson oder Georg Clooney drehten in der Stadt an der Neiße, die sich selbst auch gern „Görliwood“ nennt. Immerhin entstanden hier schon mehr als hundert Filme.

Doch damit könnte es bald vorbei sein. Internationale Schauspieler, Oscar-Preisträger, Filmemacher und Autoren rufen die Görlitzer vor der Oberbürgermeisterwahl am 16. Juni 2019 in einem Offenen Brief auf: „Gebt euch nicht Hass und Feindseligkeit, Zweitracht und Ausgrenzung hin.“

Brühl, Daldry, Bruch – täglich werden es mehr Unterstützer

Zu den Erstunterzeichnern des Schreibens, das am Pfingstmontag veröffentlicht werden soll und das der Leipziger Volkszeitung (LVZ) bereits vorliegt, gehören die Oscar-Preisträger Stephen Daldry und Brigitte Broch, die Schauspieler Daniel Brühl („Jeder stirbt für sich allein“), Jana Pallaske („Inglourious Basterds“), Burghart Klaußner („Das Weiße Band“) und Volker Bruch („Babylon Berlin“) sowie die Autoren Daniel Kehlmann („Die Vermessung der Welt“) und Bernhard Schlink („Der Vorleser“).

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Sie eint die Liebe zu Görlitz: Alle haben bereits in der Stadt mit ihren mehr als 4000 Baudenkmälern aus 500 Jahren gedreht. „Alle Hollywood-Agenturen sind auf unserer Seite – es werden noch einige sehr prominente Unterstützer folgen“, sagt Michael Simon de Normier der LVZ. Der Filmproduzent („Der Vorleser“) ist Mitinitiator des Offenen Briefs.

AfD-Kandidat hat ersten Wahlgang gewonnen

Hintergrund ist die Oberbürgermeister-Wahl in Görlitz: Im ersten Wahlgang hatte am 26. Mai der AfD-Kandidat Sebastian Wippel mit 36,4 Prozent die meisten Stimmen erhalten – würde er bei der entscheidenden Abstimmung am 16. Juni erneut auf dem ersten Platz einkommen, wäre Wippel der erste AfD-Oberbürgermeister Deutschlands. In einer Stichwahl tritt Octavian Ursu (CDU), der vor knapp zwei Wochen 30,3 Prozent erreicht hatte, gegen ihn an.

Die Grünen-Politikerin Franziska Schubert (27,9 Prozent) und die Linke-Kandidatin Jana Lübeck (5,5) haben bereits ihren Verzicht erklärt – und zur Wahl des CDU-Mannes aufgerufen, auch wenn sie dafür „über ihren Schatten springen“ mussten. Die AfD wähnt sich hingegen „auf dem besten Weg, in Görlitz Geschichte zu schreiben“, sagt der aus Görlitz stammende AfD-Bundestagsfraktionsvize Tino Chrupalla, der nach dem Rückzug von Schubert und Lübeck ein enges Rennen erwartet.

Offener Brief: Görlitz ist Symbol des Friedens

Genau in diese Gemengelage stoßen nun die internationalen Künstler: „Als Gäste fanden wir Freunde und Freundschaft, großzügige Gastgeber und Gastfreundschaft wohin das Auge reicht“, schreiben sie in dem Offenen Brief. Görlitz sei für die Unterzeichner ein lebendiges Symbol des Friedens: Die Stadt wurde über Jahrhunderte vom Krieg verschont. „Der Stoff, aus dem Frieden ist, heißt Toleranz. Freiheit ist das Ergebnis“, appellieren sie an die Görlitzer vor der Wahl.

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Und: „Es gilt Probleme zu lösen und die Zukunft überall auf der Welt kann einem manchmal verdammt viel Angst einjagen. Umso mehr: Bitte wählt weise, wenn die Wahl an euch ist, liebe Bürgerinnen und Bürger und Freunde in Görlitz! Verratet nicht eure Überzeugungen, sobald jemand behauptet, er könne die Probleme für euch lösen!“

Filmstars spielen auf eigene Erlebnisse an

Damit spielen die Stars auch auf ihre Erlebnisse in der Stadt an der Neiße, die mit der polnischen Seite stark verbunden ist, an. Schließlich sind die Kameras für die Görlitzer wohl schon ein gewohnter Anblick und nicht wenige von ihnen haben selbst schon als Statisten im Film mitgewirkt.

Nahezu jeder Einheimische weiß zum Beispiel, wo Jeff Goldblum abends noch etwas trinken gewesen, wo sich Kate Winslet ihre neuen Schuhe gekauft oder in welchem Fitnessstudio Owen Wilson trainiert hat. In der Stadt gibt es unter anderem Touren zu Drehorten von „The Grand Budapest Hotel“, „Die Bücherdiebin“, „Der Vorleser”, „Es war einmal in Deutschland“, „Inglourious Basterds“ und „Monuments Men“.

Bislang profitiert die Region Görlitz wirtschaftlich von Filmdrehs

Wie sehr Görlitz von diesem Promiauflauf und der Kulisse, die ihr 2017 den Titel Europäische Filmstadt des Jahrzehnts einbrachte, profitiert, ist der Stadtverwaltung durchaus bewusst: „Nicht zuletzt sind die Filmdrehs auch ein wichtiger Aspekt für die Wirtschaft, profitieren doch Hotels, Pensionen und Gaststätten von der Anwesenheit der Filmcrews.“

Touristen werden auf der Internetseite „Filmstadt“ folgendermaßen angelockt: „Die Wahrscheinlichkeit, einen Promi beim Abendessen zu treffen ist hoch und lockt viele Gäste an.“ Zudem würden Handwerker, Händler und Dienstleister vor Ort Spezialaufträge von den Produktionsfirmen erhalten und somit zum Erfolg der Filme beitragen, heißt bei der Stadt.

Produzent: Aktuelle Entwicklungen werden sehr ernst genommen

Görlitz ist in Hollywood ein Begriff. Die aktuellen Entwicklungen werden sehr ernst genommen“, erklärt Michael Simon de Normier das große Interesse jenseits des Atlantiks. Er sehe „für die Zukunft große Bedrohungen“ – die Auswirkungen ihrer Wahl seien vielen Görlitzern offenbar noch nicht bewusst. „Wenn der Eindruck entsteht, dass eine Mehrheit in der Stadt fremdenfeindlich ist, wird das weltweit wahrgenommen und wird wohl auch Konsequenzen haben.“

Deshalb wollten die Künstler vor der OBM-Wahl „ein Signal“ setzen, sagt der Mitinitiator des Offenen Briefes. Ein weiterer Protagonist, der sich momentan in den Vereinigten Staaten engagiert, ist der mehrfach Oscar- und Golden-Globe-nominierte Stephen Daldry, der auch 2012 ausführender Produzent und Regisseur der Eröffnungs- und Abschlussfeier der Olympischen Spiele in London war.

Aufruf wird Montag offiziell veröffentlicht

Sascha Kodytek von dem Netzwerk „Zukunft Sachsen“, wo die Erklärungen der Hollywood-Größen am Pfingstmontag offiziell veröffentlicht werden sollen, stellt klar: „Es ist keine vordergründige Wahlempfehlung, auch wenn die Ablehnung der AfD natürlich klar ist.“

Vielmehr gehe es um die Botschaft, „sich nicht alles kaputt machen zu lassen“ und über gemeinsame Werte nachzudenken. „Es ist ein Zeichen von Menschen, die sich in Stadt und Leute verliebt haben – die Bitte lautet: Überlegt, was gut für euch alle ist.“ In der nächsten Woche sei auch noch ein Bürgerforum in Görlitz geplant, bei dem man ins Gespräch kommen wolle.

Von Andreas Debski/LVZ

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