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Deutschland / Weltweit In ganz Deutschland versammeln sich die Menschen zu Anti-Atom-Demos
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13:37 26.03.2011
In kreativen Kostümen forderten tausende Atom-Gegner in ganz Deutschland den Aussieg aus der Kernenergie. Quelle: dpa
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Angesichts des drohenden Super-GAUs in Fukushima haben sich am Samstag tausende Menschen in mehreren deutschen Großstädten zu Massendemonstrationen gegen die Atomkraft versammelt. In Berlin, Hamburg, Köln und München sollte auf den Kundgebungen das Abschalten aller Atomkraftwerke gefordert werden. In Berlin wird der Unmut in der Koalition über das Atommoratorium derweil größer. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die vorübergehende Abschaltung der sieben ältesten AKW angeordnet.

Redner warnten auf den Demonstrationen vor die Gefahren der Atomkraft. Die Technik sei nicht beherrschbar. Das Motto lautete: "Fukushima mahnt: Alle AKWs abschalten." Auch Gewerkschaften, Oppositionsparteien und Kirchen unterstützten die Proteste. Organisator Jochen Stay von der Organisation "ausgestrahlt" sagte: "Wir werden jetzt nicht mehr locker lassen, bis die Atomkraftwerke endgültig stillgelegt werden."

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Unmittelbar vor den Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zeigte sich die Koalition uneins. Der CDU-Politiker und "Stuttgart 21"-Schlichter Heiner Geißler attackierte im Magazin "Focus" Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP), der das Atommoratorium vor Industrievertretern als dem Wahlkampf geschuldet gewertet haben soll. Zum Atomausstieg gebe es keine vernünftige Alternative, sagte Geißler, "höchstens eine Brüderle-FDP-Alternative". Geißler forderte eine Volksabstimmung über den Atomausstieg.

In den Koalitionsfraktionen stößt Merkels Kurs auf Widerstand. Der CDU-Energiepolitiker Thomas Bareiß sagte laut "Spiegel": "In der Atomfrage wurde überhitzt eine Entscheidung getroffen, die unsere Glaubwürdigkeit infrage stellt." Fraktionsvize Michael Fuchs (CDU) warnte, ohne die sieben jetzt abgeschalteten Meiler würden die Klimaschutzziele nicht erreicht. Der CDU-Wirtschaftspolitiker Joachim Pfeiffer warnte, "dass die stromintensiven Industrien (...) aus Deutschland weggehen".

Der FDP-Wirtschaftspolitiker Martin Lindner wertete das Moratorium laut "Spiegel" als "Hauruck-Entscheidung". Der FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms sagte, durch das Abschalten sei "der falsche Eindruck entstanden, die Überprüfung sei nicht ergebnisoffen". Merkel-Kritiker wollen dem Nachrichtenmagazin zufolge ein eigenes Beratungsgremium zur Kernenergie aufstellen. Die Kanzlerin hatte eine Ethik-Kommission berufen. Dort will BASF-Chef Jürgen Hambrecht für die Kernenergie werben. "Wir können doch nicht einfach aussteigen und uns den Strom aus dem Ausland holen, der dort mit Kernkraft erzeugt wird und uns dabei wohlfühlen", sagte er in der Samstagsausgabe der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Samstag).

dpa

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