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Deutschland / Weltweit Junger Oberleutnant wird Generalsekretär der FDP
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22:07 14.12.2009
Von Alexander Dahl
Christian Lindner
Christian Lindner Quelle: ddp
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In Nordrhein-Westfalen ist er lange Zeit der jüngste Landtagsabgeordnete gewesen, seit Montag ist er für seine Partei, die FDP, der jüngste Generalsekretär, den die Liberalen je hatten: Christian Lindner, 30 Jahre alt, soll mit seiner „frischen, dynamischen Art“, wie Parteichef Guido Westerwelle findet, das Tagesgeschäft der Partei führen und die Programmdiskussion lebendig halten.

Es gebe wenige, die sich in so jungen Jahren schon so bewährt hätten, sagte Westerwelle, nachdem der Parteivorstand in Berlin seinen Personalvorschlag einstimmig gebilligt hatte. Tatsächlich kann Lindner schon auf eine langjährige Parlaments- und Parteierfahrung zurückblicken. Von 2000 bis zum Herbst 2009 war er Abgeordneter im Düsseldorfer Landtag; seither ist er Bundestagsabgeordneter. Im Jahr 2004, da war er gerade 25 Jahre alt, wurde er Generalsekretär der NRW-FDP; 2007 schaffte er gar den Sprung ins FDP-Bundespräsidium. Parteimitglied ist er schon seit fast 15 Jahren. Lindner sei die Kombination aus Frische und Erfahrung, lobte Westerwelle ihn am Montag und merkte zudem an, dass die FDP eben „ein Talentschuppen für junge Leute“ sei, was zwar auf den erst 36-jährigen Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) zielte, aber auch als Hinweis auf die eigene Karriere verstanden werden konnte. Schließlich war Westerwelle auch erst 33 Jahre alt, als er 1994 FDP-Generalsekretär im Bund wurde.

Lindner will im neuen Amt eine programmatische Debatte der FDP anstoßen, die die Revision des Wiesbadener Programms von 1997 zum Ziel hat. „Grundsätze, die mindestens ein Jahrzehnt halten“, hat sich Lindner vorgenommen. Was er sich vorstellt, bleibt vorerst unklar; auch das mit Rösler Anfang des Jahres verfasste Buch „Freiheit: gefühlt – gedacht – gelebt“ gibt nur wenig Aufschluss, schließlich enthält es nach dem Willen der beiden Autoren keine neuen Konzepte, sondern „positive politische Erzählungen, die das Lebensgefühl der Menschen treffen“.

Im Bundestagswahlkampf kam das Buch der Parteispitze dennoch ungelegen. Jetzt aber, die Regierungsbeteiligung im Bund ist erreicht, soll mit Lindner die Partei lebendig und beliebt bleiben. Die Regierung mache Kompromisse, der Generalsekretär gebe die klare Linie vor, bemerkte Westerwelle etwas bissig. Schließlich hat sich nach dem Stolperstart von Schwarz-Gelb der Reiz des Neuen verflüchtigt. Das Mantra vergangener Jahre – ein einfacheres, niedrigeres und gerechteres Steuersystem –, das ist Westerwelle und Lindner klar, hält die FDP nicht auf Dauer attraktiv.

Auf sein junges Alter lässt sich Lindner nicht gern ansprechen. Er sei nicht Jugendbeauftragter seiner Partei, sagt er. Ungern hört er daher auch seinen alten Spitznamen „Bambi“, den ihm sein einstiger Ziehvater, der umstrittene FDP-Politiker Jürgen W. Möllemann, verpasste. Im Bundestag gehört der Luftwaffenoberleutnant der Reserve dem Verteidigungsausschuss an, und auch privat mag es der studierte Politologe gern etwas härter: elektronische Musik, den US-Schauspieler Steve McQueen und PS-starke Sportwagen. Mit einem Internetunternehmen hatte er als Unternehmer keinen Erfolg, mit einer eigenen Werbeagentur umso mehr. Für den Job des FDP-Generals eine gute Voraussetzung.