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Deutschland / Weltweit Käßmann bekräftigt Afghanistan-Kritik
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Käßmann bekräftigt Afghanistan-Kritik
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17:38 17.03.2010
Hannovers Exbischöfin Margot Käßmann Quelle: Ralf Decker (Archivbild)
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Darin erneuert sie ihre Forderung nach mehr zivilem Engagement in Afghanistan. Sie stärkt aber auch den deutschen Soldaten den Rücken, deren Schicksal in der Heimat viele nicht interessiere. Auch Oberst Georg Klein, der den Angriff auf zwei Tanklastwagen befohlen hatte, fühle sich alleingelassen mit seiner Entscheidung. „Aber er hatte sie zu treffen, er befand sich mitten in einer militärischen Auseinandersetzung“, schreibt Käßmann. „Das wollten wir allzu lange schlicht nicht wahrhaben.“

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So sei ein junger Soldat in ihre Kanzlei gekommen, dessen zwei Kameraden bei einem Anschlag in Afghanistan verbrannt seien. „Inzwischen sieht er sich völlig ausgegrenzt, weil niemand seine Geschichte wirklich hören will und er sich fragt, wofür die beiden anderen gestorben sind.“ Auch die Witwe eines getöteten Soldaten habe geklagt, sie habe für Nationaltorhüter Robert Enke eine Andacht gehalten - als ihr Mann in einem Zinksarg zurückkam, sei sie indes alleine gewesen, da seien keine Fans gewesen.

In dem Buch setzt Käßmann sich gegen Kritik an ihren Afghanistan-Äußerungen von politischer Seite zur Wehr. Sie vertraue darauf, dass die Politiker, die die deutschen Soldaten nach Afghanistan geschickt hätten, mit ihrer Verantwortung nicht fahrlässig umgingen. „Aber die politisch Verantwortlichen werden auch akzeptieren, dass Fragen gestellt und Sorgen benannt werden, die es vielerorts gibt. Das ist nicht Populismus. Das ist Demokratie!“

Käßmann war am 24. Februar als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und als Bischöfin von Hannover zurückgetreten. Sie zog damit die Konsequenz aus einer Trunkenheitsfahrt. Nach dem Überfahren einer roten Ampel war sie mit 1,54 Promille Alkohol im Blut am Steuer ihres Dienstwagens gestoppt worden. Ihr neues Buch hatte sie kurz zuvor fertiggestellt.

dpa