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Deutschland / Weltweit "Kim Jong Un ist gefährlich"
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12:24 04.04.2013
Im Kreise seiner Generäle: Kim Jong Un. Quelle: dpa
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Peking

China ist höchst beunruhigt über die Eskalation auf der koreanischen Halbinsel. "Die Generäle machen sich große Sorgen", sagt eine Quelle mit langjährigen, persönlichen Beziehungen zu hohen Militärs. Angesichts des Säbelrasselns des jungen Militärführers Kim Jong Un und der großen Spannungen werde befürchtet, dass ein dummer Zufall eine Konfrontation auslösen könnte "und Nordkorea in Flammen steht". Für diesen Fall gebe es Planungen, sagt die Quelle der Nachrichtenagentur dpa in Peking: Chinesische Streitkräfte sollten schnell versuchen, die nuklearen Anlagen in Nordkorea unter Kontrolle zu bringen und zu sichern, um Schlimmeres zu verhindern. "Niemand spricht von der Gefahr, dass in Nordkorea so etwas wie in Fukushima passieren könnte", habe einer der Generäle jüngst in einem vertraulichen Gespräch gewarnt.

China fordert Zurückhaltung

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Die chinesischen Streitkräfte bereiten sich nach seinen Angaben auch darauf vor, größere Flüchtlingsströme an der koreanisch-chinesischen Grenze zu bewältigen. Nichts davon wird allerdings offiziell bestätigt. Fast gebetsmühlenartig ruft Chinas Regierung nur alle Parteien zur Zurückhaltung und zum Dialog auf. "Die Situation auf der Halbinsel ist derzeit heikel und schwierig", sagt der Sprecher des Außenministeriums, Hong Lei. Alle rätseln: Lässt der junge nordkoreanische Führer seinen Drohungen auch Taten folgen - oder blufft er nur? "Kim Jong Un ist gefährlich", warnt Kim Heung-kyu, Professor an der Sungshin Universität in Seoul und Experte für die Beziehungen zwischen China und Nordkorea in Peking. "Er ist jung, unerfahren, und es drängt ihn, seinem Volk zu zeigen, was für ein großer Führer er ist."

Der Professor sieht hinter dem Kriegsgetrommel vor allem innenpolitische Gründe. Der neue Militärführer müsse seine Macht in der nur rund 200 Mitglieder zählenden Führungselite in Pjöngjang konsolidieren. Wie andere Experten auch hält Kim Heung-kyu zwar einen großen Schlag gegen die USA mit Langstreckenraketen nicht für möglich, wohl aber militärische Provokationen gegen Südkorea oder dort stationierte US-Streitkräfte. "Sie werden auf Militäranlagen oder wissenschaftliche Einrichtungen zielen, was enormen Ärger auslösen wird", glaubt der Professor.

Nordkorea fühlt sich provoziert

Die beinahe täglichen Drohungen heben sich nach Einschätzung ausländischer Experten auch von denen früherer Krisen ab. Es habe "eine neue Qualität", berichtet der parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Manfred Grund, der gerade Nordkoreas Hauptstadt besucht hat. "Alle sagen, die Gefahr sei groß", fasst er in Peking seine Gespräche zusammen. "Soweit sei es noch nie eskaliert." Auch die offizielle "Verteidigungsbereitschaft" sei früher nie ausgerufen worden, egal wie angespannt die Lage gewesen sei. Aus seinen Gesprächen in Pjöngjang hat der Politiker den Eindruck mitgenommen, dass die Lage auf nordkoreanischer Seite "nicht mehr rational gesehen wird".

Nordkorea sei verärgert über China und Südkorea, aber rege sich vor allem über die USA auf. Die vorherrschende Lesart sei: "Die USA haben die ganze Welt und den UN-Sicherheitsrat aufgehetzt", zitiert Grund, der im Auswärtigen Ausschuss des Bundestages sitzt. "Sie sehen nicht, dass sie allein auf der Gegenfahrbahn sind." Die Militärmanöver der USA mit Südkorea würden als große Provokation empfunden. "Das rote Tuch sind die amerikanischen B52-Bomber."

Grund beschreibt die Nordkoreaner als Opfer ihrer eigenen Propaganda. Sie wähnten sich "in einem Heiligen Krieg" und glaubten, die USA wollten ihre Wirtschaftskrise "durch die Entfesselung eines neuen Koreakriegs lösen", zitiert er. "Sie haben das Gefühl, sie stünden unmittelbar vor einem Nuklearkrieg." Er sei in Pjöngjang bei nordkoreanischen Gesprächspartnern auf eine völlig verhärtete Haltung gestoßen - selbst bei solchen, die sonst viel differenzierter seien. "Sie sind felsenfest von dem überzeugt, was sie tun", sagt Grund. "Ich habe das Gefühl, dass die Nordkoreaner von dieser Stufe der Eskalation nicht mehr herunterkommen."

dpa

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