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Deutschland / Weltweit Koalition prüft AKW-Laufzeiten bis zu 60 Jahren
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Koalition prüft AKW-Laufzeiten bis zu 60 Jahren
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12:18 26.03.2010
Laut „Süddeutscher Zeitung“ haben sich Umwelt- und Wirtschaftsministerium sowie das Kanzleramt darauf verständigt, auch eine Laufzeitverlängerung um 28 Jahre förmlich prüfen zu lassen. Quelle: dpa
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Die Bundesregierung erwägt offenbar, Atomkraftwerke bis zu 60 Jahre am Netz zu lassen. Für den SPD-Vorsitzenden und früheren Umweltminister Sigmar Gabriel ist die Bundesregierung trotzdem „von allen guten Geistern verlassen“.

Laut „Süddeutscher Zeitung“ haben sich Umwelt- und Wirtschaftsministerium sowie das Kanzleramt darauf verständigt, auch eine Laufzeitverlängerung um 28 Jahre förmlich prüfen zu lassen. Röttgen hatte zuvor erklärt, er lasse die volkswirtschaftlichen Auswirkungen einer Laufzeitverlängerung von null bis 20 Jahren berechnen.

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Nach dem bisher geltenden Atomausstieg müssen die Reaktoren abgeschaltet werden, sobald sie eine Strommenge erzeugt haben, die 32 Jahren Betrieb entspricht. Nun will die Koalition zwar weiterhin vier Szenarien errechnen lassen, nun aber für vier, zwölf, 20 und 28 Jahre. Das hätte laut „Süddeutscher Zeitung“ zur Folge, dass der letzte deutsche Reaktor erst nach 2050 abgeschaltet würde.

Altmaier gegen „Fantasiezahlen“

SPD-Chef Gabriel sagte im Deutschlandradio Kultur, die mögliche Verlängerung der Reaktorlaufzeiten auf insgesamt 60 Jahre mache ihm Angst. Es sei unverständlich, wie man “älteste Schrottmeiler“ wie Biblis, Krümmel oder Brunsbüttel weiterlaufen lassen könne. Es gehe in der Diskussion über die Laufzeitverlängerung vor allem darum, „dass Kraftwerksbetreiber mit einem alten, abgeschriebenen Atomkraftwerk eine Million Euro am Tag verdienen“ könnten.

Unionsfraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier sagte der „Leipziger Volkszeitung“: „Ich glaube, dass es auch eine Frage der Verantwortung ist, die man gegenüber der Öffentlichkeit hat, dass man jetzt nicht irgendwelche Fantasiezahlen in die Welt setzt.“ Für welches Szenario die Bundesregierung die besten Argumente habe, werde momentan durch die Berechnung verschiedener Laufzeit-Szenarien ermittelt. In der Regierung sei vereinbart, jetzt keine Laufzeit-Prognose abzugeben. Zunächst müsse „ein verlässliches Gerüst an Zahlen“ erarbeitet werden.

Union hält Gorleben-Ausschuss für überflüssig
Am Nachmittag will der Bundestag einen Untersuchungsausschuss zum geplanten Atommüllendlager Gorleben einsetzen. Dafür ist eine Mehrheit von 25 Prozent der Stimmen nötig. SPD, Linke und Grüne befürworten den Ausschuss und stellen deutlich mehr als ein Viertel der Abgeordneten. Der Ausschuss soll klären, ob die Regierung Kohl in den 80er Jahren bei der Vorauswahl eines Endlagerstandortes so Druck ausgeübt hat, dass die Wahl auf den Salzstock in Niedersachsen fiel.

Der CDU-Politiker Reinhard Grindel sagte im Südwestrundfunk, der Behauptung, die damalige Regierung habe Gutachten aus dem Jahr 1983 beeinflusst, hätten beteiligte Wissenschaftler widersprochen. Insgesamt habe er keinen Zweifel, dass alle Entscheidungen zur Erkundung „korrekt vonstattengegangen“ seien.

Regierung dementiert 28 Jahre längere Atomlaufzeit

Die Bundesregierung hat angebliche Pläne einer Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken um 28 Jahre dementiert. Hierbei handele es sich bislang nur um ein Rechenmodell, betonte Vize-Regierungssprecher Christoph Steegmans am Freitag in Berlin. Es gebe bei den verschiedenen Modellrechnungen bisher auch „keine Präferenzen“.

Ähnlich äußerte sich ein Sprecher des Bundesumweltministeriums. Die vier geplanten Modellvergleiche zur Ermittlung des künftigen Strombedarfs und der Produktion im Rahmen des geplanten Energiekonzepts bezögen sich jetzt auf alternative theoretische Verlängerungs-Zeiträume von 4, 12, 20 und 28 Jahren. Darauf hätten sich Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP), Umweltminister Norbert Röttgen und Kanzleramtschef Ronald Pofalla (beide CDU) telefonisch verständigt.

apd/dpa