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Deutschland / Weltweit AfD außer Kontrolle
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16:45 07.07.2019
AfD-Partei- und Fraktionschef Alexander Gauland führte die Partei im Stil eines Anarcho-Opas. Quelle: Christoph Soeder/dpa
Berlin

AfD-Seniorchef Alexander Gauland ruft die Radikalen in der Partei auf, sich verbal zu mäßigen. Um an die Macht zu kommen und „unser Land wieder in Ordnung zu bringen“, könne man sich „ruhig einmal auf die Lippe beißen“. Dieser Satz auf dem „Kyffhäusertreffen“ ist aus zwei Gründen hochspannend.

Erstens ruft Gauland die Höckes, Sayn-Wittgensteins und sonstigen Rechtsradikalen in der AfD nicht dazu auf, ihre Positionen zu mäßigen, nur ihre Sprache. Zu viel verbaler Radikalismus mindert eben die Chancen der Rechtspartei, jemals Verantwortung zu übernehmen. Dass die AfD ein anderes Deutschland will, bestätigt er mit diesen Sätzen ganz nebenbei.

Zweitens zeigt Gaulands Rede, wie ernst es um die chronisch zerrissene Partei steht. Der Patriarch aus Potsdam, der so gerne auf das Erbe der Achtundsechziger schimpft, führte die Partei im Stile eines Anarcho-Opas. Sollten die jungen Wilden in der Partei – Gaulands einstige Ziehsöhne Höcke und Kalbitz vorneweg – doch hetzen, streiten und kloppen. Irgendwann, so das Kalkül, wachse sich das aus.

Im Norden setzten sich trotzdem die Radikalen durch

Noch am vergangenen Wochenende blieb Gauland absichtlich dem Landesparteitag in Schleswig-Holstein fern. Er versuchte nicht zu verhindern, dass die mit einem Parteiausschlussverfahren belegte Doris von Sayn-Wittgenstein ein Comeback hinlegt. Gauland fürchtete, dass eine klare Ansage zu einer Trotzreaktion führen würde.

Dennoch setzten sich die Radikalen durch. Sayn-Wittgenstein, der vorgeworfen wird, Fördermitglied eines rechtsextremen Vereins zu sein und die Rückkehr der ehemals deutschen Ostgebiete zu fordern, ist wieder Chefin im Norden. Die Bundesspitze ist düpiert.

Plötzlich sagt Gauland, die Partei habe keine Zeit mehr, als „gäriger Haufen“ herumzugammeln. Er irrt sich. Für die AfD ist es bereits zu spät. Sie ist unrettbar zerrissen zwischen West und Ost, den letzten Bürgerlichen und den immer radikaler werdenden Rechten, zwischen Verschwörungstheoretikern und Postenjägern.

Sachpolitik, ja, überhaupt Politik ist von ihr nicht zu erwarten. Das ist ein Problem für Deutschland. Denn der Schatten der AfD und ihrer Wut-Wähler fällt über das ganze politische System, er lähmt jede konstruktive Auseinandersetzung, jeden Streit um die Sache, um das Land. Eine politisch reifere AfD könnte von Nutzen sein – für die anderen, die sich an ihr abarbeiten. Aber diese Partei wird nicht mehr erwachsen.

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Von Jan Sternberg/RND

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