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Deutschland / Weltweit Länder wollen "Hygiene-Ampel" für Lokale
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Länder wollen "Hygiene-Ampel" für Lokale
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13:04 19.05.2011
Die "Hygiene-Ampel" soll Verbrauchern beim Restaurantbesuch helfen, saubere Lokale zu erkennen. Quelle: dpa
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Die Bon-Maschine spuckt im Minutentakt neue Bestellungen aus. Spargel, Flammkuchen, Salat, Schnitzel. Im Bremer Rathauskeller gehen um die Mittagszeit die Gerichte fast wie am Fließband raus, jeder Handgriff muss sitzen. „Mehr Gemüsespalten, bitte“, ruft Sous-Chef Oliver Wichmann. Sorgsam dekoriert er Pannfisch und Beilagen in einer Pfanne, ein dicker Klecks Soße landet auf der Anrichte. Sofort wischt Wichmann mit einem Tuch hinterher.

Trotz Hektik hat Sauberkeit oberste Priorität in der Küche des Ratskellers - und ob sich die Mitarbeiter dran halten, überprüft Küchendirektor Arnd Feye mit strengem Blick. Doch nicht in allen Restaurants geht es so ordentlich zu. Im vergangenen Jahr haben Bremer Kontrolleure 3800 Lebensmittelbetriebe unter die Lupe genommen. Bei mehr als zehn Prozent bestanden größere Mängel. In Nordrhein-Westfalen beanstandeten die Experten sogar jedes drittes Lokal.

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Abgelaufene Lebensmittel, schmutzige Arbeitsflächen, nachlässiges Personal - wie unappetitlich es in manchen Küchen zugeht, bekommen die Gäste selten mit. Das wollen die Verbraucherschutzminister der Länder nun ändern. Eine „Hygiene“-Ampel soll möglichst schon vom 1. Januar 2012 an sichtbar am Eingang von Gaststätten hängen. Sie zeigt das Ergebnis der letzten Lebensmittelkontrollen an. Steht die Skala auf Grün kann man bedenkenlos speisen, bei Gelb sind Zweifel angesagt, und bei Rot gab es schwerwiegende Mängel. Später sollen auch Bäcker, Fleischer, Händler, Großküchen und Wochenmärkte dazukommen. Im Internet wird die Bewertung ebenfalls abrufbar sein.

Auf einer Sondersitzung in Bremen wollen die Minister das Konzept bis Donnerstagnachmittag beschließen. Und Feye ist quasi ganz nah dran. Sein Restaurant übernimmt regelmäßig das Catering fürs Rathaus, diesmal ist auch die Ministerkonferenz dabei. Als der 49-Jährige zum ersten Mal von der „Ampel“ hörte, dachte er: „Kein Problem.“ Schließlich hatten die Lebensmittelkontrolleure in seinem Haus bis auf Kleinigkeiten wie abgeblätterte Farbe nie etwas zu kritisieren. Das grüne Licht neben der Eingangstür wäre also ein gutes Aushängeschild.

Doch umso länger Feye über das geplante System nachdachte, desto differenzierter sah er es. „Das Ganze ist nur eine Momentaufnahme. Es gibt keine Branche, in der so viel Fluktuation herrscht wie in der Gastronomie - mal ist es ein guter Pächter, mal ein schlechter.“ Doch was passiert bei einem Betreiberwechsel? Bleibt die „Ampel“ hängen? Oder wird sie abgenommen, bis ein Kontrolleur den Betrieb besucht hat. „Doch bis dahin wundern sich die Gäste, wieso der keine „Ampel“ hat.“ Feye befürchtet, dass das System am Ende nicht für mehr Transparenz sorgt, sondern diese den Gästen nur vorgaukelt.

Dafür sprechen auch die Zahlen. Bundesweit gibt es zurzeit 2500 Lebensmittelkontrolleure und damit 1200 zu wenig, wie der Vorsitzende des Bundesverbandes, Martin Müller, erläutert. „Nicht jeder Betrieb kann zur rechten Zeit kontrolliert werden.“ Dadurch könnte die „Ampel“ das Bild verzerren, fürchtet er. Deshalb müssten Länder und Kommunen dringend mehr Personal für diese Aufgabe einstellen. Denn generell befürwortet Müller die bunte Farbskala. „Wir hoffen, dass dadurch ein Wettbewerb in der Hygiene entsteht.“

Beim Hotel- und Gaststättenverband kommt die Idee der Minister dagegen gar nicht gut an. Nicht, weil man schwarze Schafe decken wolle, versichert Sprecherin Stefanie Heckel. „Wir sehen vor allem das Problem der Wettbewerbsverzerrung.“ Auch Bäcker und Fleischer würden inzwischen Salate und teilweise sogar warme Gerichte anbieten. Die „Hygiene-Ampel“ müssten sie aber erst später als die Gaststätten einführen.

Ob das Kontrollbarometer überhaupt was bringt, sieht der Verband skeptisch. Schließlich gebe es schon festgelegte Hygienestandards. Doch Verstöße würden wegen der fehlenden Kontrolleure nicht immer auffliegen, geschweige denn geahndet werden.

dpa