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Deutschland / Weltweit Neuer DGB-Chef erringt 93,1 Prozent
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00:18 15.05.2014
Foto: Der neue DGB-Chef Reiner Hoffmann erntete 91,3 Prozent der Stimmen.
Der neue DGB-Chef Reiner Hoffmann erntete 91,3 Prozent der Stimmen. Quelle: Rainer Jensen
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Berlin

Es gab ein glänzendes Wahlergebnis von 93,1 Prozent für Sommers Nachfolger, den neuen Vorsitzenden der gewerkschaftlichen Dachorganisation, Reiner Hoffmann. Der europaerfahrene Gewerkschafter – 16 Jahre arbeitete er für Gewerkschaften in Brüssel – steht dem DGB nun vier Jahre vor. Der 58-jährige Hoffmann umriss gleich nach der Wahl in kurzen Worten sein politisches Credo. Dazu gehöre, eine breite gesellschaftliche Debatte über den Wert und die Zukunft von Arbeit zu führen. Es dürfe dabei nicht vergessen werden, dass über drei Millionen Menschen in Deutschland ganz ohne Arbeit und eine Million junge Leute ohne Ausbildung seien. Der geplante Mindestlohn von 8,50 Euro sei zwar eine Forderung des DGB gewesen, doch mit den Ausnahmen, etwa für Langzeitarbeitslose oder Beschäftigte unter 18 Jahre, würden sich die Gewerkschaften nicht abfinden. Und spätestens 2017, nicht erst 2018, müsse der Mindestlohn erhöht werden. Auch bei der angepeilten Rente mit 63 bei 45 Versicherungsjahren wollen die Gewerkschaften weiter Druck machen. Hoffmann, der seit 1972 Mitglied der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) ist, zeigte sich allerdings offen für flexiblere Übergänge in die Rente.

Zu den politischen Wegmarken des neuen DGB-Chefs zählt auch, mehr Druck für berufliche Bildung und Weiterbildung zu machen. Die wiedergewählte DGB-Vizevorsitzende Elke Hannack (52) sprach vom „Armutszeugnis“ für die Wirtschaft, weil nur noch 21,3 Prozent der Betriebe ausbildeten. Mit Ausnahme des Zentralverbands des Handwerks seien Arbeitgeberverbände nicht bereit, die Quote zu erhöhen. Rückenwind für die Gewerkschaftsforderung nach Tarifeinheit – ein Betrieb, ein Tarifvertrag – erhielt der DGB von Bundespräsident Joachim Gauck, der vor einer „Entsolidarisierung“ in Unternehmen warnte, wenn einzelne Berufsgruppen ihre Schlüsselstellung missbrauchten, um Eigeninteressen durchzusetzen. Hoffmann kritisierte zudem die „Tarifflucht“ von Firmen.

Weiterhin stehen auf der Agenda des neuen DGB-Chefs die Forderungen nach Verkürzung der Arbeitszeit sowie die nach mehr Souveränität der Beschäftigten über ihre Arbeitszeit. Und damit Arbeitnehmer mehr Netto in der Tasche haben, müsse die kalte Steuerprogression abgebaut werden. Zur Gegenfinanzierung schlug Hoffmann eine stärkere Besteuerung hoher Einkommen sowie großer Vermögen und Erbschaften vor. Hoffmann, der in seiner knappen Freizeit joggt und segelt, kündigte an: „Wir werden die Koalition treiben.“ In die DGB-Spitze wurden am Montag erneut die Sozialexpertin Annelie Buntenbach (59) sowie der DGB-Bezirksvorsitzende von Hessen-Thüringen, Stefan Körzell (51), gewählt.

Von Reinhard Zweigler

Michael B. Berger 15.05.2014