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Deutschland / Weltweit Nieren aus dem Todestrakt
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Nieren aus dem Todestrakt
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21:19 27.08.2009
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Viele Chinesen und Ausländer, die ein „Spenderorgan“ erhalten haben, leben mit dem Körperteil eines Hingerichteten. Nach Schätzungen von Experten sind 65 Prozent der in der Volksrepublik verpflanzten Organe Exekutierten entnommen worden, berichtet die Zeitung „China Daily“.

Bereits im Juli 2006 hatte Peking nach internationalen Protesten Regeln erlassen, die den illegalen Organhandel eindämmen sollten. Doch offenbar hat sich an der Praxis, in den Todestrakten „Organspender“ zu rekrutieren, seither nichts geändert.

Im Jahr 2008 wurden laut amnesty international 1718 Menschen in China hingerichtet – das sind 70 Prozent der Exekutionen weltweit.Die Hinrichtung erfolgt in der Regel durch einen Schuss in den Hinterkopf oder gelegentlich auch durch die Giftspritze. Seit Jahren erheben Kritiker den Vorwurf, die Hinrichtungstermine richteten sich nach Operationszeitplänen.

Am Mittwoch nun erklärte Vizegesundheitsminister Huang Jiefu, Hinrichtungsopfer seien „definitiv keine angemessene Quelle für Organtransplantationen“. Er kündigte an, Chinas „langjährige Abhängigkeit“ von Exekutionen zu beenden.

Nach einer Studie der Shanghaier Tongji-Universität haben sich seit 2003 gerade einmal 130 Menschen als freiwillige Spender registrieren lassen. Nach offiziellen Angaben brauchen aber jährlich rund 1,5 Millionen Chinesen eine Transplantation, wegen des Mangels an Organen können nur etwa 10.000 Operationen vorgenommen werden.

Erst Mitte August hatte das Gesundheitsministerium eingestanden, dass der illegale Handel mit Organen in China blühe und Körperteile auch in großem Stil an Ausländer verkauft würden. Der illegale Organhandel soll nun gestoppt werden. Außerdem will Peking zusammen mit dem Roten Kreuz ein landesweites Spendersystem aufbauen. Allerdings: Bereits seit 2007 gilt ein Gesetz, wonach nur noch Organe freiwilliger Spender verwendet werden dürfen. Vizeminister Huang erklärte damals freimütig, dass die Organspenden von Exekutierten durchaus als freiwillig angesehen werden könnten. „Wenn einige Kriminelle sich bewusst werden, dass sie der Gesellschaft geschadet haben und das wieder gutmachen wollen, indem sie nach ihrem Tod ihre Organe spenden, sollte man das ermutigen, nicht ablehnen,“ schrieb er im internationalen Fachmagazin „Liver Transplantation“.

von Bernhard Bartsch