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Deutschland / Weltweit Noch hunderte NS-Täter in Freiheit
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16:49 14.12.2011
Knapp 70 Jahre nach dem Holocaust könnten noch hunderte NS-Verbrecher zur Rechenschaft gezogen werden. Quelle: dpa
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Berlin

Weitere 1300 Fälle seien seitdem hinzugekommen, sagte der „Nazijäger“ Efraim Zuroff am Mittwoch in Berlin. Selbst wenn nur eine kleine Zahl von ihnen verurteilt würde, wäre das ein großer Erfolg.

Mit der „Operation Last Chance II“ will das Wiesenthal-Zentrum nun die Suche nach Mitgliedern der sogenannten Einsatzgruppen sowie des Wach- und Dienstpersonals der Vernichtungslager verschärfen. Für Hinweise, die zur Verurteilung von Tätern führen, hat das Zentrum eine Belohnung von 25 000 Euro ausgesetzt. „Die Zeit läuft uns davon“, sagte Zuroff vor Journalisten. Das hohe Alter der Täter sollte kein Grund sein, die Strafverfolgung einzustellen. „Das macht ihre Schuld nicht geringer.“

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Auf der Liste der meistgesuchten NS-Verbrecher stehen neben Alois Brunner, dem engen Vertrauten des Holocaust-Organisators Adolf Eichmann, und dem KZ-Arzt Aribert Heim zehn weitere Namen. Dazu gehören Klaas Carl Faber, der in den Niederlanden für den Tod von Gefangenen im Transitlager Westerbork und dem Gefängnis von Groningen 1944 zum Tode verurteilt wurde. Seit seiner Flucht aus dem Gefängnis 1952 lebt er in Deutschland.

Zuroff würdigte die Rolle der Bundesrepublik bei der NS-Verfolgung. Die Verurteilung des KZ-Wachmanns des Vernichtungslagers Sobibor, John Demjanjuk, habe einen wichtigen Präzedenzfall geschaffen. Es gebe nun die Möglichkeit, NS-Täter auch ohne den Nachweis einer Beteiligung an einzelnen Verbrechen zu verurteilen. Dagegen kritisierte Zuroff Österreich. Es sei beschämend, dass seit drei Jahrzehnten dort kein einziger Beteiligter an den Judenmorden verurteilt worden sei.

frx/dpa