Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Deutschland / Weltweit Obama ruft zum Jahrestag von 9/11 zu religiöser Toleranz auf
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Obama ruft zum Jahrestag von 9/11 zu religiöser Toleranz auf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:31 12.09.2010
"Die USA wurden nicht vom Islam, sondern von El Kaida angegriffen": US-Präsident Barack  Obama.
"Die USA wurden nicht vom Islam, sondern von El Kaida angegriffen": US-Präsident Barack Obama. Quelle: ap
Anzeige

In New York demonstrierten wenige Stunden nach der Trauerfeier für die Opfer der Anschläge Tausende für oder gegen den umstrittenen Bau einer Moschee am Ground Zero.

„Es war keine Religion, die uns an diesem Septembertag angegriffen hat. Es war El Kaida, eine jämmerliche Bande von Männern, die Religion pervertiert“, sagte Obama im Verteidigungministerium, in das die Terroristen vor neun Jahren eines der entführten Flugzeuge gesteuert hatten. Auch wenn es der Wunsch der Attentäter gewesen sei, das Land zu spalten, würden die USA „Hass und Vorurteilen“ nicht nachgeben: „Als Amerikaner werden wir niemals im Krieg mit dem Islam sein.“ In einer Schweigeminute im Weißen Haus gedachte der Präsident um 08.46 Uhr (Ortszeit, 14.46 Uhr MESZ) wie viele US-Bürger der Opfer der Anschläge. Um diese Uhrzeit hatten die Terroristen das erste entführte Flugzeug in einen der beiden Türme des World Trade Centers gesteuert.

Bei einer Gedenkveranstaltung am New Yorker Ground Zero wurden feierlich die Namen der rund 3000 Opfer der Terroranschläge verlesen. Teilnehmer hielten Fotos ihrer ums Leben gekommenen Angehörigen in die Höhe und warfen Blumen in einen Brunnen, der an der Stelle der eingestürzten Zwillingstürme steht.

First Lady Michelle Obama nahm gemeinsam mit ihrer Vorgängerin Laura Bush in Pennsylvania an einer Gedenkfeier teil. Dort lobte sie den „Heldenmut“ der Passagiere des vierten entführten Flugzeugs, das nur 20 Flugminuten von Washington entfernt auf ein Feld gestürzt war, nachdem die Insassen versucht hatten, das Cockpit zu stürmen.

Nach Ende der Trauerfeiern versammelten sich in New York rund 1500 Befürworter des Baus des muslimischen Gemeindezentrums mit Moschee. Später kamen in unmittelbarer Nähe rund 2000 Demonstranten zusammen, um gegen den Bau zu protestieren. An der Demonstration der Moschee-Gegner beteiligte sich auch der niederländische Rechtspopulist und Islamgegner Geert Wilders. „Wir dürfen denen, die uns unterwerfen wollen, nie die Gelegenheit dazu geben“, sagte er in einer Ansprache. New York dürfe nicht ein „neues Mekka“ werden. Ein massives Polizeiaufgebot sorgte dafür, dass sich beide Gruppen nicht zu nahe kamen.

Die ursprünglich vom fundamentalistischen Pastor Terry Jones angekündigte Koran-Verbrennung fand nicht statt. Dem Sender NBC sagt Jones in New York, die Verbrennung werde auch „niemals“ stattfinden. Die Pläne hatten weltweit für Empörung gesorgt und Befürchtungen vor Racheaktionen gegen US-Soldaten im Ausland geschürt. Am Sitz der evangelikalen Gruppe in Gainesville in Florida versammelten sich zahlreiche Anhänger und Gegner der Aktion. Zahlreiche Polizisten waren im Einsatz, kontrollierten jedes Fahrzeug, das sich näherte, und hinderten einen Aktivisten daran, einen Koran mit einem Feuerzeug anzuzünden.

In Washington zerriss indes eine kleine Gruppe von Christen Koran-Seiten vor dem Weißen Haus. Die sechs Christen wollten mit ihrer Aktion nach eigenen Angaben „Unwahrheiten über den Islam“ anprangern. So sei es eine Lüge, dass der Islam eine friedliche Religion sei, sagte einer von ihnen.

afp