Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Deutschland / Weltweit Obamas Stabschef steigt aus - Ruhiger Strippenzieher folgt
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Obamas Stabschef steigt aus - Ruhiger Strippenzieher folgt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:50 01.10.2010
US-Präsident Barack Obama (links) mit Rahm Emanuel am Freitag.
US-Präsident Barack Obama (links) mit Rahm Emanuel am Freitag. Quelle: dpa
Anzeige

US-Präsident Barack Obama muss auf einen weiteren engen Berater verzichten. Stabschef Rahm Emanuel (50) tritt von seinem Posten zurück, um für das Bürgermeisteramt von Chicago zu kandidieren. Obamas langjähriger, enger Berater Peter Rouse (64) wird Interimsstabschef. „Was wir erreicht haben, hätten wir ohne Rahm Emanuel nicht erreichen können“, lobte Obama am Freitag. Er sei ein „großartiger Freund“ und ein „herausragender Stabschef“ gewesen. Rouse nannte der Präsident einen „wiesen und geschickten Ratgeber“.

Emanuels Abgang ist keine Überraschung: Er macht seit langem keinen Hehl daraus, dass es sein Lebenstraum wäre, in seiner Heimatstadt Bürgermeister zu werden. In den vergangenen Tagen hatten sich die Hinweise auf sein Ausscheiden verdichtet. Um bei den Wahlen anzutreten, muss er bestimmte Fristen einhalten.

Jüngst hatte bereits Obamas Top-Wirtschaftsberater Lawrence Summers angekündigt, er wolle bald gehen, um wieder als Professor an der Universität Harvard zu lehren. Erst vor wenigen Wochen musste der Präsident auch Christina Romer, die Leiterin seines ökonomischen Rates, ziehen lassen. Kurz davor hatte schon der oberste Haushalts- Aufseher im Weißen Haus, Peter Orszag, den Job quittiert.
Obama steuert nun mit einem deutlich veränderten Berater-Team auf die Kongresswahlen am 2. November zu, bei denen der Verlust der demokratischen Mehrheit zumindest im Abgeordnetenhaus droht. „Rouse ist ein gewandter Problemlöser - das ist das Gute: Es gibt jede Menge Probleme zu lösen“, sagte der Präsident am Freitag.

Rahm Emanuel ist eine der einflussreichsten und auch schillerndsten Figuren Washingtons. Seine manchmal laute und aggressive Art brachte ihm den Spitznamen „Rahmbo“ ein. Man werde sich an ihn als „kämpferischen Beschützer des Präsidenten“ erinnern, schrieb die „Washington Post“. Er sei ein „unnachgiebiger Manager“ gewesen, dessen tägliche Konferenzen um 7.30 Uhr stets mit scharfen Fragen an ranghohe Obama-Berater gepfeffert waren, was sie bisher erreicht haben und was sie als nächstes zu tun gedenken.

Als Stabschef sollte Emanuel unter anderem rivalisierende Machtzirkel in der Umgebung des Präsidenten unter Kontrolle behalten, widerstreitende Meinungen im Kabinett bändigen und auch für ein funktionierendes Verhältnis des Weißen Hauses zum Kongress sorgen. Dabei kann er auf eine Reihe von Erfolgen blicken, wie etwa die Gesundheits- und Finanzreformen oder das Konjunkturpaket, die alle mit knappen Mehrheiten durchs Parlament kamen. Was ihm derweil nicht gelang, ist eine ursprünglich von Obama angestrebte bessere Zusammenarbeit über die Parteigrenzen hinweg.

Emanuel hatte erst gezögert, den Stabschef-Posten zu übernehmen, weil er dadurch seine eigenen politischen Ambitionen erst einmal zurückstellen musste. Nun zweifelt er, ob er die Seite des Präsidenten kurz vor den wichtigen Kongresswahlen wirklich verlassen sollte, berichten Insider. „Er ist zerrissen. Er fühlt sich schuldig“, zitiert die „Washington Post“ einen hohen Beamten.

Nachfolger Rouse wird in Sachen Persönlichkeit praktisch als Gegenteil Emanuels beschrieben. Ein enger Vertrauter Obamas seit dessen Einzug in den US-Senat Anfang 2005, gilt Peter Rouse als ruhiger Mann im Hintergrund, einer, der Probleme bereinigt, ohne viel Staub aufzuwirbeln. Kollegen berichten, seine Anwesenheit beruhige Situationen, er sei ein „ehrlicher Makler“, der sich auch um ein gutes Verhältnis mit den unteren Rängen der Hierarchie bemüht.

dpa