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Deutschland / Weltweit Paris kämpft gegen “Anarchie” durch E-Roller
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14:57 11.06.2019
Zwei Touristinnen haben sich E-Scooter gemietet und fahren damit am Seine-Ufer in Paris entlang (Archivfoto). Quelle: Christian Böhmer/dpa
Paris

Isabelle Albertin wurde es zum Verhängnis, zum falschen Zeitpunkt durch einen Pariser Park gegangen zu sein. Vom Nutzer eines E-Rollers wurde die Musikerin, die seit 32 Jahren Ballettschüler der Pariser Oper am Piano begleitet, Mitte Mai von hinten angefahren, sodass sie stürzte und sich den rechten Arm doppelt brach.

“Ich habe Angst, nie wieder so Klavier spielen zu können wie vorher”, sagte sie vor wenigen Tagen einer französischen Zeitung. “Wir Fußgänger befinden uns in totaler Unsicherheit.” Sie wolle gegen den Staat klagen, der ihrer Meinung nach nicht dafür sorge, dass das Straßengesetz respektiert werde.

In der Tat hat dieser damit seine Schwierigkeiten, seit im vergangenen Sommer in mehreren französischen Städten, allen voran in Paris, elektrisch betriebene Roller aufkamen, welche demnächst auch in Deutschland zugelassen werden.

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Zwar plant das französische Verkehrsministerium für Herbst ein Gesetz, das hohe Geldbußen für das Nutzen von E-Rollern zu zweit, mit mehr als 25 Stundenkilometern oder auf Bürgersteigen vorsieht – für letzteres sollen dann 135 Euro fällig werden. Doch so lange will die Bürgermeisterin der Hauptstadt, Anne Hidalgo, nicht mehr warten.

Hidalgo: „Jede Woche gibt es Vorfälle“

Sie versprach nun ein rasches Ende der “Anarchie” auf den Pariser Fuß- und Radwegen durch wild geparkte E-Roller, die kein Durchkommen mehr ermöglichen, und durch rücksichtslose Fahrweisen, die zu Streit und Unfällen führen. Inzwischen wird deren Zahl auf rund 20.000 geschätzt, zwölf Firmen betreiben Leih-Geräte. Viele Bürger haben sich zudem einen eigenen E-Roller zugelegt.

“Jede Woche gibt es Vorfälle”, sagte Hidalgo bei einer Pressekonferenz. “Eine Person im Rollstuhl, der die Fahrt versperrt wird, eine Mutter und ihr Kind, die beim Überqueren der Straße angefahren werden – das ist einfach nicht mehr zu akzeptieren.”

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Die sozialistische Rathauschefin fördert im Kampf gegen das hohe Autoaufkommen und die damit einhergehende Luftverschmutzung eigentlich alle alternativen Fortbewegungsmittel und lässt massiv dafür vorgesehene Radwege ausbauen. Doch den Gebrauch von E-Rollern will sie nun kontrollieren. Die Geschwindigkeit in Paris werde auf 20 Stundenkilometer und sogar auf acht in Fußgängerzonen beschränkt, sagte sie.

Außerdem kündigte die 59-Jährige eine Ausschreibung an, um nur noch zwei oder drei Firmen den Verleih von E-Rollern zu erlauben, welche jeweils höchstens 15.000 Exemplare anbieten dürfen. Das Parken auf den Gehwegen wird verboten, ebenso das Fahren in Parks und Stadtgärten. “Die E-Roller stellen zunächst einen Fortschritt dar, ein sauberes und geräuschloses Fortbewegungsmittel”, sagt der zentristische Stadtrat Thomas Lauret. “Man sollte das nicht verbieten, aber viel besser regulieren.”

Schon 1000 Geldbußen wegen Falschparkens

Laut dem grünen Abgeordneten Christophe Najdovski, der im Rathaus für den Transport zuständig ist, wurden seit Beginn des Frühjahrs bereits 1000 Geldbußen wegen Falschparkens verteilt und 600 Geräte abgeschleppt. Derzeit laufe eine Untersuchung, um 2500 Parkplätze für Elektroroller in der Stadt einzurichten. Betreiber-Firmen sollten die Nutzer künftig über die GPS-Ortsbestimmung dazu zwingen, die Geräte sachgemäß zu parken – ansonsten laufe die Uhr einfach weiter.

Ganz billig ist die Nutzung ohnehin nicht, welche einer Studie zufolge zu 42 Prozent auf Touristen zurückgeht: Zu der Grundgebühr von einem Euro kommt der Preis von 15 Cent pro Minute. Bei einer Fahrt von 19 Minuten, was bislang der Durchschnitt ist, kommen damit 3,85 Euro zusammen. Dafür sind bereits zwei Pariser Metro-Tickets zu haben – wohl aber nicht derselbe Spaß. Und den geben mehr als zwei Drittel als Hauptgrund dafür an, einen E-Roller auszuleihen. Leider geht er mitunter auf Kosten anderer.

Von Birgit Holzer/RND

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