Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Deutschland / Weltweit Plagiatsvorwürfe: Uni Bayreuth gibt Guttenberg 14-Tage-Frist
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Plagiatsvorwürfe: Uni Bayreuth gibt Guttenberg 14-Tage-Frist
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:00 17.02.2011
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat zwei Wochen Zeit, sich zu den Plagiatsvorwürfen zu äußern.
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat zwei Wochen Zeit, sich zu den Plagiatsvorwürfen zu äußern. Quelle: dpa (Archiv)
Anzeige

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenbeg (CSU) hat nach den Schummelvorwürfen bei seiner Doktorarbeit ein Ultimatum bekommen. Die Universität Bayreuth forderte ihn am Donnerstag auf, innerhalb von zwei Wochen dazu Stellung zu nehmen. Die Vorwürfe gegen den beliebten CSU-Politiker weiten sich aus: In seiner Doktorarbeit „Verfassung und Verfassungsvertrag“ soll er die Texte von mindestens 13 Autoren abgeschrieben haben, ohne sie konkret zu kennzeichnen.

Der Präsident der Uni Bayreuth, Rüdiger Bormann, geht davon aus, dass Guttenberg eine ehrenwörtliche Erklärung abgegeben hat, die Arbeit selbstständig verfasst und alle Quellen offengelegt zu haben. „Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst“, sagte Bormann. „Wir haben sehr strenge Qualitätsmaßstäbe. (...) Wir sind gut beraten, diese einzuhalten.“ Es gebe keine Hinweise, dass das Promotionsverfahren nicht ordnungsgemäß verlaufen sei. Zu möglichen Konsequenzen wollte er sich nicht äußern. Die Folgen reichen von der Aufforderung, die Doktorarbeit nachzubessern bis zur Aberkennung des Doktortitels.

Der Bremer Rechtsprofessor Andreas Fischer-Lescano hatte mindestens acht Autoren aufgelistet, nun kamen noch mehrere hinzu. Guttenberg verwendete nach Angaben von „Spiegel Online“ auch einen Absatz von der Webseite der US-Botschaft ohne Fußnote und bediente sich aus dem Beitrag eines CDU-Europaabgeordneten sowie aus einer Rede eines Jura-Professors. Guttenberg hatte am Mittwoch einzelne Fehler nicht ausgeschlossen.

Die Vorwürfe riefen Plagiatsjäger im Internet auf den Plan. Sie dokumentieren in der Wiki-Website GuttenPlag (http://de.guttenplag.wikia.com), wo der Politiker möglicherweise abgeschrieben hat. Bis Donnerstagnachmittag zählten sie rund 30 Fundstellen, von denen ein Großteil aber schon bekannt war.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte auf die Frage, ob Guttenberg wegen der Probleme zurücktreten sollte: „Ich äußere mich nicht zu Dissertationen oder Abiturzeugnissen.“ Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger sagte dem „Hamburger Abendblatt“: „Die Plagiatsvorwürfe gegen den Verteidigungsminister sollten ganz in Ruhe aufgeklärt werden.“ Gleichzeitig warnte sie: „Aufgeregte Kommentare sollten genauso unterbleiben wie Vorverurteilungen.“

Linke-Chefin Gesine Lötzsch geht von einem Rücktritt Guttenbergs aus, falls er den Doktortitel verliert: „Wer seine Doktorarbeit (...) gefälscht hat, indem er ohne Angabe von Quellen abgeschrieben hat, dem wird normalerweise der Doktortitel aberkannt. Und wem der Doktortitel aberkannt wird, der ist auch als Minister nicht mehr haltbar“, sagte sie dem Fernsehsender N24. In dem Fall wäre er auch aus Sicht des SPD-Verteidigungspolitikers Rainer Arnold als Minister nicht mehr zu halten. „Guttenbergs Glaubwürdigkeit wäre dann völlig zerstört“, sagte Arnold der „Mitteldeutschen Zeitung“ aus Halle.

Die Passauer Politikwissenschaftlerin Barbara Zehnpfennig, aus deren Artikel Guttenberg in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ von 1997 abgeschrieben haben soll, wurde in der Zeitung „Die Welt“ mit der Forderung zitiert: „Das muss zur Aberkennung des Doktortitels führen.“ Darin sieht sie sich jedoch falsch wiedergegeben. „Es ist keineswegs eine Forderung von mir“, sagte sie der Nachrichtenagentur dpa. Wenn die Vorwürfe zuträfen, müsse die Universität tätig werden. „Das kann dann zur Aberkennung des Doktortitels führen“, sagte Zehnpfennig.

Unionsfraktionsvize Günter Krings (CDU) warf der Opposition im Bundestag eine „Schmutzkampagne“ vor und bezeichnete die Vorwürfe in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ als „lächerlich“. Der Geschäftsführer des Deutschen Hochschulverbands (DHV), Michael Hartmer, sagte der „Financial Times Deutschland“, bislang gebe es allenfalls Anlass für eine Rüge, aber nicht für eine Aberkennung des Doktortitels. Für den Sprecher des Ombudsgremiums für die Wissenschaft, den Bonner Juristen Professor Wolfgang Löwer, ist entscheidend, ob eine Täuschungsabsicht dahintersteht.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.