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Deutschland / Weltweit Premier Brown: „Es war die richtige Entscheidung"
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Premier Brown: „Es war die richtige Entscheidung"
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16:36 05.03.2010
Im Zeugenstand: Gordon Brown bricht am Freitag sein jahrelanges Schweigen.
Im Zeugenstand: Gordon Brown bricht am Freitag sein jahrelanges Schweigen. Quelle: dpa
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Doch dem Irak-Untersuchungsausschuss im Parlament konnte er am Freitag schwerlich fernbleiben, ohne die politischen Gegner zu munitionieren. Es blieb also nur die Flucht nach vorn, statt als „Drückeberger“ in die Wahl zu gehen. Und die jüngsten Umfragen zeigen den politischen Überlebenskünstler im Aufwind. Er konnte den Abstand zu den konservativen Tories von rund 20 Prozentpunkten im Dezember auf aktuell zwei verringern.

Dass der damalige britische Premier Tony Blair an der Seite von US-Präsident George W. Bush in den Irak-Krieg zog, spaltet das Land bis heute. Bei dem Krieg kamen 179 britische Soldaten und rund 100 000 Zivilisten ums Leben.

Im Zeugenstand brach Brown nun sein jahrelanges Schweigen, wie er denn 2003 das Vorgehen im Irak eingeschätzt hatte. Und er rechtfertigte seine damalige Rolle als Schatzkanzler und Nummer Zwei in der Regierung Blair. „Es war die richtige Entscheidung mit den richtigen Argumenten“, sagte Brown. Er sei über Gründe für den Einmarsch laufend informiert worden, habe die Operation aber nicht mitgeführt.

Und auch an Mitgefühl ließ es der Premier nicht fehlen. „Jeder Verlust eines Lebens ist etwas, was uns sehr traurig macht“, sagte der Sohn eines Pastors über die Gefallenen und getöteten Iraker. Dieses Bedauern hatte Blair bei seinem Auftritt im Ausschuss nicht über die Lippen gebracht. Harsche Kritik an seiner Uneinsichtigkeit waren die Folge.

Die vordergründige Loyalitätsbekundung für Blair und Bush verpackte der Premier in vermeintlich staatsmännische Aussagen. „Globale Probleme verlangen nach globalen Lösungen“, sagte Brown. Der Krieg sei ein Test für die Solidarität der Staatengemeinschaft gewesen, nachdem diplomatische Bemühungen ausgeschöpft worden seien. Der Krieg habe dann gezeigt, wie wichtig starke Beziehungen zwischen Europa und Amerika seien. Und ja, im Krieg seien auch Fehler gemacht worden, vor allem in der Frage, wie das Land wiederaufgebaut werden könnte.

Dass Brown als Finanzminister die Armee nur mangelhaft finanziell ausgestattet und damit Verluste in den Reihen der kämpfenden Soldaten riskiert habe, wies er zurück. „Ich wollte keine militärische Option aus Kostengründen ausschließen, im Gegenteil.“ Der Ausschuss hatte zuvor genau die Vorwürfe gehört. Fehlendes Geld habe „ohne Zweifel das Leben von Soldaten gekostet“, wiederholte General Charles Guthrie in der Zeitung „The Times“ am Freitag seine Kritik. Brown sei „wenig mitfühlend“ gewesen.

Für Gegner des Feldzuges ist Brown hingegen der „Zahlmeister des Irakkrieges“. Er sei kein „unbeteiligter Zuschauer“, sagte John Rees, Mitbegründer einer Antikriegsgruppe, der mit anderen vor dem Kongresszentrum protestierte, wo der Ausschuss tagte. „Er hat das politische Stigma, das Tony Blair anhaftet, clever vermieden, aber er trägt dieselbe Verantwortung und muss von diesem Ausschuss zur Rechenschaft gezogen werden.“

dpa