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Deutschland / Weltweit Private Pflege-Vorsorge boomt
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21:46 15.11.2013
Von Gabi Stief
Sehr beliebt: Die Pflege-Tagesgeldversicherung, die Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) auf den Weg gebracht hat. Quelle: dpa
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Berlin

Das sind fünfmal mehr als noch vor einem halben Jahr. 1600 Anträge werden laut PKV derzeit (werk-)täglich unterschrieben, überwiegend von jungen Leuten.

Die Pflege-Tagesgeldversicherung, die Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) auf den Weg gebracht hat, wird vom Staat seit Jahresbeginn mit fünf Euro pro Monat gefördert, wenn der Monatsbeitrag mindestens zehn Euro beträgt. PKV-Verbandschef Volker Leienbach äußerte sich zuversichtlich, dass die Nachfrage weiter steigt. Er rechne damit, dass im nächsten Jahr die „Marke von einer Million Verträgen erreicht wird“.

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Der Start des Vorsorgemodells, das sich an der Riester-Rente orientiert, war dagegen alles andere als glücklich verlaufen. Ein Grund war vermutlich die Kritik von Verbraucherschützern. Die Stiftung Warentest sprach Anfang des Jahres nach einer Prüfung verschiedener Tarifangebote von einer „Mogelpackung“, da es nur um eine Teilabsicherung des Pflegerisikos gehe.

Grundsätzlich empfehlen Experten den Verbrauchern, „normale“ Pflegezusatzversicherungen mit dem Pflege-Bahr zu vergleichen. Der Tarif für das staatlich geförderte Angebot ist zwar in der Regel günstiger und beträgt monatlich zehn bis 16 Euro. Es sei jedoch wichtig, vor Vertragsabschluss die versprochene Leistung im Pflegefall zu prüfen. Unterm Strich könnte sich eine ungeförderte Police dann als lukrativer herausstellen als der Pflege-Bahr.

Auch der Bund der Versicherten warnte gestern vor vorschnellen Entscheidungen. Derzeit würden Verträge nach dem Gießkannenprinzip ohne angemessene Beratung verschickt. „Hier werden am Bedarf vorbei billige Produkte verkauft“, kritisierte ein Berater des Verbandes.

Die neue Privatvorsorge ist auch Thema bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin. Karl Lauterbach, SPD-Unterhändler in der Arbeitsgruppe Gesundheit und Pflege, hält den Pflege-Bahr für einen falschen Weg und fordert die Abschaffung. Allerdings wird sich die SPD in den Koalitionsverhandlungen an dieser Stelle nicht verkämpfen.

CDU-Unterhändler Jens Spahn begrüßte dagegen gestern die große Nachfrage als „gute Nachricht“. Die zusätzliche Vorsorge sei wichtig, da die Pflegeversicherung immer nur einen Teil der Kosten erstatte, betonte Spahn. Die Einführung des Pflege-Bahr sei eine richtige Entscheidung gewesen.

Am Sonntag werden die Gesundheitsexperten von SPD und Union weiterverhandeln. Dabei wird es in der Schlussrunde auch um die Einrichtung eines kapitalgedeckten Pflegefonds unter dem Dach der Pflegeversicherung gehen, den die CDU fordert. Er soll vor allem für die Jahre ab 2030, wenn die Zahl der Pflegebedürftigen kräftig steigt, Rücklagen ansparen. Die SPD lehnt diese Form der Vorsorge ab.

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