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Deutschland / Weltweit Republikaner suchen den „echten“ Konservativen
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09:38 12.02.2012
Mitt Romney ist der Favorit im Vorwahlkampf der Republikaner.
Mitt Romney ist der Favorit im Vorwahlkampf der Republikaner. Quelle: dpa
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Washington

„Mitt, Mitt, Mitt!“, skandierte eine Gruppe junger Republikaner vor dem Hotelsaal in Washington. Doch ihre Begeisterung für Mitt Romney im US-Vorwahlkampf teilten bei weitem nicht alle Anwesenden. Prompt wurde auch heftiger Protest gegen den früheren Gouverneur von Massachusetts laut: „Nein zu den Rinos!“, schrien seine Kritiker. „Rino“ steht für „Republicans in name only“, also für Republikaner, die sich zwar so nennen, dies nach Meinung ultrakonservativer Parteianhänger aber nur auf dem Papier sind.

Die Szene am Rande des jährlichen CPAC-Treffens konservativer Aktivisten in Washington verdeutlicht den ideologischen Kampf im Rennen um die republikanische US-Präsidentschaftskandidatur: Welcher der Bewerber verkörpert die wahren Werte der Partei, die hartgesottenen Konservativen Rick Santorum und Newt Gingrich oder der eher moderate Mitt Romney? Siege haben sie schon alle bei den Vorwahlen eingefahren. Doch die Blicke richten sich nun auf den „Super Tuesday“ (Super Dienstag) am 6. März, an dem die Republikaner in elf Bundesstaaten gleichzeitig abstimmen.

In seiner Rede legte sich Romney ins Zeug, um die tausenden Teilnehmer von seiner konservativen Einstellung zu überzeugen. Der 64-jährige Multimillionär bezeichnete sich als „streng konservativ“ und präsentierte sich als erfolgreicher Geschäftsmann und Familienvater, der im liberalen Massachusetts als Gouverneur stets gegen schwierige Umstände zu kämpfen hatte. Romney führt das Rennen um die Nominierung zwar weiter an. Die konservative Basis, die die Mehrheit der Vorwähler stellt, hat er bislang aber nicht begeistern können. Seine Kritiker kreiden ihm etwa an, dass er in Massachusetts eine Gesundheitsreform durchsetzte, die der Obamas sehr ähnelt.

„Ich weiß nicht, ob Romney ein Konservativer oder ein Liberaler ist“, sagte Jason Jones, ein Konferenzteilnehmer aus Hawaii, der Santorum unterstützt. „Romney lebt bloß vom Mythos, ein Gewinner zu sein.“ Dass er mit Blick auf moderate und parteiunabhängige Wähler der bessere Herausforderer von US-Präsident Barack Obama sei, wies Jones zurück. Vielmehr sei Romney ein Wolf im Schafspelz, der naive Konservative getäuscht habe und deshalb gefährlich sei.

Der überraschende Dreifachsieg hat Santorum Auftrieb gegeben

Das zeige sich etwa beim Thema Abtreibung. Romney habe früher das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche befürwortet, jetzt sei er dagegen. Seine Haltung habe er wohl nur geändert, um bessere Chancen auf die Nominierung zu haben. Dagegen tritt Santorum seit jeher gegen Abtreibung ein. Der erzkonservative Ex-Senator aus Pennsylvania hat mit seiner Frau sieben Kinder. Seine kleine Tochter, die mit einer seltenen Erbkrankheit zur Welt kam, ist nach den Worten des 53-Jährigen seine Inspiration, wenn es darum geht, den Schutz des ungeborenen Lebens zu verteidigen.

Sein überraschender Dreifachsieg in Colorado, Minnesota und Missouri am vergangenen Dienstag hat Santorum Auftrieb gegeben - und seine Anhänger darin bestärkt, dass er sich am Ende auch durchsetzen können werde. Die altmodischen Pullunder, die er gerne trägt, fanden bei der Konferenz reißenden Absatz - für 50 Dollar (38 Euro) als Wahlkampfspende waren sie zu haben. Auch Newt Gingrich konnte seine Anhänger in Washington mitreißen. Der frühere Parlamentspräsident hat versprochen, bis zum Parteitag im August in Florida gegen Romney zu kämpfen.

Das Treffen in Washington hat aber auch gezeigt, dass sich nicht wenige konservative Wähler für keinen der Bewerber so recht begeistern können. An den vergötterten Präsidenten Ronald Reagan (1981-1989) reiche eben keiner von ihnen heran, meinen sie. Romney erscheint vielen als ein Kompromisskandidat. Man müsse sich anpassen, meinte etwa Ron George, ein Teilnehmer aus Maryland. Eigentlich finde er den radikalliberalen Kongressabgeordneten Ron Paul besser. Doch für dessen Idee, den Staat und die Behörden auf ein Minimum zu reduzieren, seien die USA noch nicht reif. Deshalb werde er Romney unterstützen. „Unser Hauptziel ist es schließlich, den loszuwerden, der jetzt im Weißen Haus sitzt.“ 

jhf/dpa