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Deutschland / Weltweit Rösler peilt Bonus für pflegende Angehörige an
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Rösler peilt Bonus für pflegende Angehörige an
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22:34 14.02.2011
Von Gabi Stief
Millionen Menschen pflegen ihre Angehörigen daheim.
Millionen Menschen pflegen ihre Angehörigen daheim. Quelle: dpa
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Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) will Hunderttausende, die ihre Angehörigen zu Hause pflegen, stärker entlasten. Nach einem Treffen mit 25 Vertretern der Branche, Forschungsinstituten und Sozialverbänden kündigte der Minister am Montag in Berlin an, sowohl über Kuren für Pflegende als auch über eine bessere Anerkennung der Pflege bei der Rentenzahlung nachzudenken. „Wir brauchen eine breite Diskussion über die Pflege“, sagte Rösler. „Wenn wir geklärt haben, was wünschenswert ist, müssen wir sehen, was finanzierbar ist.“ Das Treffen war die zweite von insgesamt vier Expertenrunden im Rahmen des vom Ministerium angesetzten „Pflege-Dialogs“. Die Verbände äußerten sich zufrieden über das Gespräch. Mitte des Jahres soll ein in der Koalition abgestimmter Eckpunkte-Katalog für eine Pflegereform vorliegen.

Derzeit werden von den rund 2,3 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland etwa 1,6 Millionen zu Hause betreut. Hinzu kommen nach Schätzung des Sozialverbands VdK weitere 2,5 Millionen alte, gebrechliche und verwirrte Menschen, die ebenfalls von Familienmitgliedern versorgt werden, aber kein Geld aus der Pflegekasse bekommen. Rösler erinnerte nach dem Treffen an die „enorme Belastung“ pflegender Angehörige. Eine Gesellschaft, die die ambulante Pflege stärken wolle, müsse mehr Unterstützung bieten als bislang.

Rösler erneuerte seinen Vorschlag, pflegenden Angehörigen und Pflegebedürftigen eine gemeinsame Auszeit mit professioneller Betreuung nach dem Vorbild von Mutter-Kind-Kuren anzubieten. Reformbedarf sieht die Expertenrunde auch bei der Organisation der Pflege. Bürokratie müsse abgebaut werden, um bestehende Angebote wie die Kurzzeitpflege „gängiger“ zu machen, sagte Rösler. Er wünsche sich, dass der Sachbearbeiter bei der Pflegekasse weitaus flexibler über Hilfen entscheiden könne.

Thema in der Runde war auch der große Wunsch vieler Pflegenden nach seelischer Entlastung. Viele fühlten sich mit den zwischenmenschlichen Problemen alleingelassen. Rösler will prüfen, ob die Pflegekassen künftig zur finanziellen Unterstützung von Selbsthilfegruppen verpflichtet werden sollten. Eine stärkere Berücksichtigung von Pflegezeiten bei der Rente sei wünschenswert, liege aber in der Zuständigkeit von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, sagte der Minister. Bereits heute wird „private“ unbezahlte Pflege bei der Rente angerechnet. Wer beispielsweise seine Mutter mit der Pflegestufe II mindestens 21 Stunden in der Woche pflegt, hat nach einem Jahr einen zusätzlichen Rentenanspruch von rund 14 Euro im Monat.

Claus Fussek, der sich seit Jahren in der Pflegeberatung engagiert, forderte nach dem Treffen einen Rettungsschirm für die Pflege. Alle seien sich einig, dass die Hilfe für pflegende Angehörige nicht ausreiche. Fast jede Familie in Deutschland sei betroffen. „Wir brauchen endlich gesellschaftlichen Druck, der die Politik zum Handeln zwingt.“

Dieser Artikel wurde aktualisiert.