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Deutschland / Weltweit Russen drehen Ukrainern den Gashahn zu
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Russen drehen Ukrainern den Gashahn zu
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00:15 19.06.2014
Die Gasstation „Bobrovnytska“ in Mryn, etwa 130 Kilometer von der ukrainischen Stadt Kiew entfernt. Quelle: Sergej Dolzhenko/epa
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Kiew

Der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine ist eskaliert: Das russische Staatsunternehmen Gazprom hat dem Nachbarland am Montag den Hahn zugedreht. Bevor die Regierung in Kiew ihre Rechnungen nicht bezahle, werde sie nur noch gegen Vorkasse beliefert, hieß es in Moskau. Die Bundesregierung hält die russischen Gaslieferungen nach Deutschland für nicht gefährdet, obwohl die Hälfte davon durch ukrainische Pipelines fließt. Die Ukraine versicherte, sie werde – anders als beim vorherigen Gasstreit mit Russland – diesmal kein Transitgas für sich abzweigen.

Deutschland und andere EU-Staaten decken ein Drittel ihres Gasverbrauchs mit russischem Gas. Auch Gazprom versicherte, Westeuropa drohten keine Engpässe. Allerdings bestünden „nicht unwesentliche“ Risiken für die Transitlieferungen, erklärte Konzernchef Alexej Miller. Eine Gefahr für die Versorgungssicherheit in Deutschland sei dennoch nicht erkennbar, sagte in Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums. Die 51 heimischen Gasspeicher seien zu drei Viertel voll – im Sommer könne man das Land damit mehr als drei Monate lang versorgen.

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Die Bundesrepublik verfügt mit einer Kapazität von etwa 23 Milliarden Kubikmetern über die weltweit viertgrößten Speichermöglichkeiten. Dies entspricht rechnerisch mehr als einem Viertel des deutschen Jahresbedarfs. Gleichwohl ist die Abhängigkeit von russischem Gas groß: Im vergangenen Jahr kamen rund 38 Prozent der Importe aus Sibirien – in der EU sind es im Schnitt rund 30 Prozent. Die Unterschiede sind allerdings beträchtlich: So kommen die Baltenstaaten, Finnland, Slowakei und Bulgarien auf bis zu 100 Prozent.

Die Unterhändler Russlands und der Ukraine hatten sich zuvor nicht auf die Rückzahlung der Milliarden-Gasschulden und den künftigen Gaspreis einigen können. Russland hatte der Ukraine eine Frist bis gestern gesetzt, um mindestens 1,95 Milliarden Dollar zu begleichen. Insgesamt sitzt Gazprom russischen Angaben zufolge auf mehr als 4 Milliarden Dollar unbezahlter Rechnungen aus der Ukraine. Die Kiewer Regierung will ihre Schulden erst bezahlen, wenn Klarheit über den künftigen Preis besteht. Die Ukraine, die mehr als die Hälfte ihres Gases aus Russland bezieht, hatte ihre Speicher zuvor massiv aufgestockt.

Der Gaspreis sorgt zwischen Russland und der Ukraine schon länger für Unfrieden. Erstmals eskalierte der Konflikt 2006, als Gazprom am Neujahrstag die Exporte ins Nachbarland drosselte. Zuvor hatte der Konzern den Preis von 50 auf 230 Dollar pro 1000 Kubikmeter erhöht. Auf Druck des Westens kam es drei Tage später zu einer Einigung: Die Ukraine erhielt das Gas für 95 Dollar. Die Vereinbarung löste damals in Kiew eine Regierungskrise aus.

2009 entzündete sich der Konflikt erneut: Wieder stoppte Russland Anfang Januar seine Gaslieferungen an die Ukraine – später floss auch kein Gas mehr über das Transitland nach Westeuropa. Diesmal ging es um unbezahlte Rechnungen aus der Vergangenheit. Deutschland kam dank seiner Reserven gut durch die Winterzeit, andere Länder meldeten Totalausfälle. Zwei Wochen später unterzeichneten Russland und die Ukraine neue Abkommen.

Natalia Zinets 
und Vladimir Soldatkin