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Deutschland / Weltweit Sauerland-Gruppe vor Gericht
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Sauerland-Gruppe vor Gericht
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16:56 10.08.2009
Die Männer sollen mit Wasserstoffperoxidlösung Sprengsätze vorbereitet haben.
Hinter einer schusssicheren Scheibe: Der Angeklagte Atilla Selek. Quelle: Augstein, Pool
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Vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht schilderte der deutsche Konvertit und mutmaßliche Rädelsführer Fritz G. zunächst seinen Einstieg in die islamistische Szene und seine Terrorausbildung in Pakistan. Die insgesamt vier Angeklagten sollen laut Anklage Autobombenanschläge in Deutschland geplant haben.

Die Terrorverdächtigen hatten Anfang Juni überraschend Geständnisse angekündigt und in den darauffolgenden Wochen ausführliche Angaben zu den Anklagevorwürfen beim Bundeskriminalamt (BKA) gemacht. „Die Angeklagten haben bestätigt, dass es ihr Vorhaben war, hier möglichst viele amerikanische Soldaten zu töten“, sagte Bundesanwalt Volker Brinkmann am Montag vor Beginn der Verhandlung in Düsseldorf.

Am Montag begann zunächst Fritz G. mit einer umfassenden Aussage zu den Vorwürfen der Bundesanwaltschaft. Er schilderte vor dem Terrorismussenat, wie er im Januar 2005 auf einer Pilgerreise nach Mekka die mitangeklagten Atilla S. und Adem Y. kennenlernte. „Wir haben uns gut verstanden. Wir hatten die gleichen Ansichten zum Dschihad“, sagte G. Bei einem späteren Treffen in Deutschland sei dann die Entscheidung gefallen, in den Heiligen Krieg zu ziehen.

G. berichtete zudem von einer Reise, die ihn und Y. 2006 nach Iran und von dort nach Pakistan führte. Der Student aus Ulm schilderte, er und Y. seien dort von einer islamistischen Gruppe ausgebildet worden unter anderem im Umgang mit Maschinengewehren, Sprengstoff und der Herstellung von Zündern. Bereits frühzeitig hätten Mitglieder der islamistischen Ausbildergruppe die Meinung vertreten, mit einem Anschlag gegen Amerikaner in Deutschland könne ein bedeutend größerer Schaden angerichtet werden als in Afghanistan oder im Irak. „Das hat mich überzeugt“, sagte Fritz G.. „Ich war auch dieser Ansicht.“

Der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling zeigte sich zum Auftakt der Verhandlung überzeugt, dass die in rund einmonatigen Vernehmungen abgelegten Geständnisse der vier Angeklagten zu einem schnelleren Abschluss des Verfahrens und zur Klärung der Hintergründe der Attentatspläne beitragen. „Wir sind beeindruckt zum einem von dem Umfang der Aussagen, zum anderen von der Offenheit“, sagte der Richter. Nach seinen Angaben umfassen die Aussagen der Beschuldigten einschließlich Anlagen insgesamt 1584 Seiten.

Breitling vertrat zugleich die Auffassung, aufgrund der Aussagen der Terrorverdächtigen sei die Existenz der Terrorgruppe „Islamische Dschihad-Union“ (IJU) nicht zu bezweifeln. Es könne nicht zweifelhaft sein, „dass es diese Vereinigung gibt“. Fritz G. und die drei weiteren Angeklagten im Sauerlandprozess sollen als Mitglieder der IJU mindestens drei verheerende Autobombenanschläge auf US-Bürger und amerikanische Einrichtungen in Deutschland vorbereitet haben.

Nach Angaben von Bundesanwalt Brinkmann prüft die Bundesanwaltschaft derzeit auch, ob sie einen Haftbefehl gegen den Türken Mevlüt K. aus Ludwigshafen beantragen wird. Dabei gehe es um dessen Rolle bei der Beschaffung der Zünder für die von der Sauerland-Gruppe vorbereiteten Attentate. Mit Blick auf Berichte über eine angebliche Tätigkeit von K. für den Geheimdienst in Ankara fügte Brinkmann allerdings hinzu: „Wir haben keine Erkenntnisse darüber, dass Mevlüt. K. in den Diensten des türkischen Geheimdienstes steht.“

afp