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Deutschland / Weltweit Schulprojekt probt Bremer Bürgerschaftswahl
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10:24 08.05.2011
In Bremen dürfen 16- und 17-Jährige bei einer Landtagswahl mitwählen. Quelle: dpa
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Bennett könnte am 22. Mai Teil einer Premiere sein: Bei der Bremer Bürgerschaftswahl dürfen erstmals in einem Bundesland 16- und 17-Jährige mitwählen. Doch der Zehntklässler des Schulverbundes Bremen-Lesum weiß noch nicht, ob er dieses Recht nutzen will. „Vielleicht habe ich keine Zeit und Briefwahl ist zu viel Arbeit“, lautet seine knappe Erklärung. Junge Erstwähler zu überzeugen, ihre Stimmen abzugeben - das ist Ziel eines Schulprojektes des Vereins „Mehr Demokratie“. In dem 90-minütigen Unterricht erklärt er den Jugendlichen zudem das neue Wahlrecht: Denn man darf nicht mehr zwei, sondern fünf Kreuzchen machen. Der Verein wird bis zur Bürgerschaftswahl rund 100 Bremer Klassen besuchen.

In einem großen Stuhlkreis sitzen Bennett und seine Mitschüler zusammen. Erst machen sich die Jugendlichen Gedanken, was der Begriff Demokratie genau bedeutet. Dann probt der „Mehr Demokratie“-Landesgeschäftsführer Tim Weber mit ihnen den Urnengang. In den Händen hält jeder Schüler das Muster eines DIN-A4-Hefts mit Kandidatenlisten. „Das Stimmheft löst den Wahlzettel ab“, erklärt der 40-Jährige. Mit den fünf Stimmen können nicht nur Parteien, sondern auch Politiker direkt gewählt werden. „Das neue Wahlsystem nennt sich Panaschieren und Kumulieren“, sagt der Politikwissenschaftler. Die 16-jährige Jana findet das System gut: „So kann man Personen stärken, die man sympathisch findet“, sagt sie und vertieft sich wieder in die Listen.

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Nach Angaben des Landeswahlleiters Jürgen Wayand sind unter den rund 500.000 Wahlberechtigten fast 10.000 Jugendliche. Der Bremer Wahlforscher Lothar Probst rechnet mit einer unterdurchschnittlichen Wahlbeteiligung der 16- bis 17-Jährigen von etwas mehr als 40 Prozent. Trotzdem sei diese Gruppe für die Parteien interessant und diese hätten einiges getan, um die Jugendlichen zu umwerben. Auf einem Wahlplakat der Grünen etwa heißt es unter einem putzigen Biber-Foto in Anspielung auf den jungen Popstar Justin Bieber: „Wir waren schon Biber-Fans, bevor es Justin gab.“ Nach Erfahrung von Probst werden vor allem die Grünen und die SPD von den Stimmen der Erstwähler profitieren.

„Wem ist es denn noch unklar, welche Partei er wählen will?“, fragt Weber die Klasse. Fast alle Finger gehen nach oben. Jana ist eine der wenigen, die sich schon sicher ist: Sie will ihre Kreuze bei den Kandidaten der Linken machen. Ihr Mitschüler Florian findet es richtig, dass das Wahlalter auf 16 Jahre gesenkt wurde: „Je jünger, desto besser. Dann wird das Interesse für das Wählen früh gestärkt“, meint er. Für Jana und Florian ist bei dieser Bürgerschaftswahl vor allem die Haltung der Politiker zu zwei Themen wichtig: Atomkraft und Afghanistan.

Geduldig beantwortet Weber die vielen Fragen der Schüler: „Gilt mein Stimmzettel auch, wenn ich nur vier statt fünf Kreuze mache?“, will Bennett wissen. Ob er aber überhaupt wählen gehen wird - das lässt er auch am Ende des Schulprojektes offen.

dpa