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Deutschland / Weltweit Schweinegrippe ist in Deutschland auf dem Vormarsch
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17:19 02.11.2009
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Die Zahl der neu infizierten Menschen habe sich binnen zwei Wochen fast verdoppelt, sagte RKI-Präsident Jörg Hacker am Montag in Berlin. Ende Oktober seien mehr als 3000 Neuinfektionen pro Kalenderwoche registriert worden, Mitte des Monats waren es knapp 1600. Aufgrund der kalten Jahreszeit und der Tatsache, dass sich viele Bürger bislang nicht impfen ließen, sei mit einer steigenden Zahl an Erkrankungen zu rechnen, sagte der Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit des Uni-Klinikums Bonn, Martin Exner. Dort war am Freitag bundesweit der erste Fall aufgetreten, wo ein Mensch ohne bekannte Vorerkrankungen an der Neuen Grippe gestorben war.

Hacker zufolge haben sich seit April rund 30.000 Menschen angesteckt. Bisher gibt es nach RKI-Angaben sechs Todesfälle. „Im Großen und Ganzen verlaufen die Erkrankungen mild“, sagte der RKI-Chef. Auch in Deutschland sei in den kommenden Wochen mit einer „steigenden Zahl schwerer und tödlicher Krankheitsverläufe zu rechnen.“ Angesichts des Umstandes, dass der „aktuell rasche Anstieg der Fallzahlen deutlich früher als sonst bei der saisonalen Influenza statfindet, halten die Experten das Impfen für die beste Prävention.

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„Die Länge der Welle ist aber schwer vorauszusagen“, sagte Hacker. Ein starker, kontinuierlicher Anstieg der Erkrankungen werde aus Bayern und Mecklenburg-Vorpommern gemeldet. Gründe hierfür konnte Hacker nicht nennen. Der Freistaat ist mit fast 7500 Fällen Spitzenreiter unter den Bundesländern, gefolgt von Nordrhein-Westfalen (rund 7000). Im Nordosten wie im Südosten leben die meisten Infizierten je 100.000 Einwohner.

Der RKI-Chef warnte zugleich vor Panikmache. Die jetzige Situation sei bereits im Sommer prognostiziert worden. Es gebe bisher auch keine Mutation des Virus. „Das ist erfreulich“, sagte er, obwohl diese Entwicklung künftig nicht ausgeschlossen werde könne. Bei der saisonalen Grippe werden pro Jahr durchschnittlich 8000 bis 11.000 Tote in Deutschland registriert, wie Hacker erläuterte.

Bei der in Bonn verstorbenen 48-Jährigen sei noch unklar, ob sie möglicherweise auch eine bakterielle Erkrankung hatte, sagte Exner in Bonn. Die Frau war zur intensivmedizinischen Behandlung in das Universitätsklinikum verlegt und an eine künstliche Lunge angeschlossen worden. Dennoch konnte der Zustand der Frau nicht stabilisiert werden.

Unterdessen wurden am Montag in Nordrhein-Westfalen weitere Schulen wegen des Auftretens der sogenannten Schweinegrippe geschlossen. Nach Angaben eines Behördensprechers wurden in den Schulen jeweils ein bis zwei Erkrankungen an der Neuen Grippe nachgewiesen. Der Unterricht soll für rund eine Woche ausfallen. RKI-Chef Hacker befürwortet solche Maßnahmen. Die jüngsten Fälle hätten gezeigt, dass damit eine weitere Ausbreitung eingedämmt werden könne.

Die sogenannte Schweinegrippe grassiert auch in anderen Teilen Europas. Nach RKI-Angaben wurden 62 neue Todesfälle gemeldet, damit gibt es insgesamt mehr als 290. Weltweit sind bislang mehr als 6000 Menschen an der Grippe gestorben.

ddp