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Deutschland / Weltweit Sicherheitsexperten sind besorgt
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14:36 26.09.2009
IntelCenter: Im Taliban-Drohvideo spricht vermutlich ein US-Bürger. Quelle: afp
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Nach einer ersten Analyse der Terrorbotschaften lautet die Frage der Geheimdienstexperten: „Wann, wo und wie könnten die Extremisten zuschlagen?“ Es wird vermutet, dass sich islamistische „Kämpfer“ bereits in der Bundesrepublik aufhalten.

Es könnte sich bei den Terrorbotschaften auch um ein Verwirrspiel handeln. Die Geheimdienste befürchten, dass die Islamisten letztlich nach völlig verdeckten Vorbereitungen an ganz anderen Orten zuschlagen und ihre Angriffe gegen ganz andere Persönlichkeiten richten, als jene, die sie in ihren Drohbotschaften genannt haben. Auch in der letzten Phase vor der Bundestagwahl „stochern wir im Nebel“, sagte ein hoher Geheimdienstexperte.

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Zuerst drohte Osama Bin Laden Deutschland allgemein mit Vergeltung, wenn es seine Truppen nicht aus Afghanistan abziehe. Nur wenig später wurde im Internet ein deutschsprachiger Taliban-Kämpfer, der sich „Ajjub“ nennt, sehr präzise. Sicherheitsbeamte sprechen von dem bisher „konkretesten Drohvideo“, das sich je gegen Deutschland gerichtet habe. Darin werden als Anschlagziele das Brandenburger Tor in Berlin, der Hamburger Hauptbahnhof, das Münchner Oktoberfest, der Kölner Dom und die Frankfurter Skyline eingeblendet. Auch Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) werden gezeigt. Jung wird als „Kriegsminister“ vorgestellt.

Das könnte „alles Ablenkung sein“, war auch aus US-Geheimdienstkreisen in Washington zu hören. Die CIA-Leute zeigten sich überzeugt, dass sich die Islamisten ein „hochkarätiges Ziel“ in Deutschland ausgesucht haben, das die Bedeutung der Terroranschläge des 11. September 2001 in New York und Washington hätte. Das wäre für sie der „Supergau“.

Der „Dritte im Bunde“ der jüngsten Terrordroher gegen Deutschland ist der Deutsch-Marokkaner Bekkay Harrach, der sich in letzter Zeit sogar mit mehreren Terrorbotschaften hervorgetan hat. Er wird als besonders gefährlich eingeschätzt, weil er zum inneren Zirkel von Al Qaida gehören soll. In seinem neuen Internetauftritt verweist er unter anderem auf Videos von Selbstmordattentätern, „die in ihrer Autobombe sitzen und ins Paradies losfahren wollen“. Nach diesen Ausführungen schließen die Geheimdienstler nicht mehr aus, dass die Islamisten in der Bundesrepublik auch Selbstmordattentäter einsetzen könnten.

Für die „Sache Allahs“ ist Harrach bereit, „alles auf sich zu nehmen“. Zuletzt hatte er betont, Deutschland würde nur dann von Anschlägen verschont, wenn es seine Truppen aus Afghanistan abziehe. Harrach rief die Deutschen auf, am Sonntag Parteien zu wählen, die für den Abzug der Soldaten aus Afghanistan eintreten.

Osama Bin Laden und die Taliban sowie Harrach und die anderen Terroristen haben sich nach Einschätzung der Geheimdienstler mit ihren massiven Drohungen selbst in „Zugzwang“ gebracht. Sollte es sich nämlich nur um einen „Propagandafeldzug“ gegen die Deutschen handeln, um sie vor der Bundestagswahl zu verunsichern und umzustimmen, würden sich die Islamisten dem Vorwurf der „Schwachheit und Unglaubwürdigkeit“ ausliefern, analysierten die Geheimdienstler. Sie würden sich sogar der „Lächerlichkeit“ preisgeben, weil ihre Drohungen ausschließlich als „Worthülsen“ gewertet werden könnten, sagte ein Verfassungsschützer in Berlin. Diese Überlegungen würde das Anschlagsrisiko noch erhöhen.

IntelCenter: Im Taliban-Drohvideo spricht ein US-Bürger

In dem kurz vor der Bundestagswahl im Internet veröffentlichten Drohvideo der Taliban gegen Deutschland spricht offenbar ein Extremist aus den USA. Die Aufnahme zeige den US-Bürger Abu Ibrahim Amriki, erklärte das auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Unternehmen IntelCenter am Samstag. In dem Video nennt sich der Mann „Ajjub Almani“. Das Bundesinnenministerium und das Bundeskriminalamt wollten sich dazu zunächst nicht äußern. Die Experten werteten das Video derzeit noch aus, sagten Sprecher am Sonnabend.

In dem Drohvideo spricht der maskierte Mann deutsch. „Erst durch euren Einsatz hier gegen den Islam wird ein Angriff auf Deutschland für uns Mudschahedin verlockend“, sagt er. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis „der Dschihad die deutschen Mauern einreißt.“ Dazu werden Fotos vom Brandenburger Tor, dem Hauptbahnhof in Hamburg, dem Oktoberfest, dem Kölner Dom, der Frankfurter Skyline und aus Hannover eingeblendet. Auch sollen Innenminister Wolfgang Schäuble und Verteidigungsminister Franz Josef Jung (beide CDU) ebenso wie Ex-Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) zu sehen sein.

Das Video war schon die fünfte Drohbotschaft in den vergangenen Tagen: Kurz vorher tauchte eine dem Extremistenführer Osama bin Laden zugeschriebene Audiobotschaft mit deutschen Untertiteln auf. Zuvor war ein weiteres Video des aus Bonn stammenden Islamisten Bekkay Harrach aufgetaucht. Am Freitag vergangener Woche hatte Harrach den Deutschen in einem ersten Video mit einem „bösen Erwachen“ gedroht, sollten sich die Wähler bei der Bundestagswahl nicht für einen Politikwechsel entscheiden. Am Sonntag folgte ein weiteres Video Harrachs.

Der Islamrat lobte unterdessen die Reaktion Schäubles auf die Videos. „Die Bundesregierung hat sich in diesem Zusammenhang äußerst verantwortungsbewusst verhalten und zurecht vor Panikmache gewarnt“, erklärte der Vorsitzende des Islamrats für Deutschland, Ali Kizilkaya, am Sonnabend. Es sei erfreulich, dass „gerade auch in der heißen Phase des Wahlkampfs alle Demokraten davon Abstand genommen haben, das Drohvideo zu instrumentalisieren“.

ddp / afp

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