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Deutschland / Weltweit So haben Augenzeugen den Angriff in Straßburg erlebt
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10:59 12.12.2018
Einsatzkräfte der Polizei sichern einen Eingang zur Altstadt und damit zum Weihnachtsmarkt. Quelle: Christoph Schmidt/dpa
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Straßburg

Augenzeugen des tödlichen Anschlags nahe dem Straßburger Weihnachtsmarkt vom Dienstagabend berichten von Schüssen, Schreien und Anweisungen von Polizisten an Passanten und Anwohner. „Ich habe gegen 19.55 Uhr zwei oder drei Schüsse gehört, dann Schreie“, erzählt der 27-jährige Yoann Bazard, der in der Innenstadt von Straßburg lebt. „Dann bin ich ans Fenster gegangen. Ich habe Menschen rennen sehen. Danach habe ich die Fensterläden geschlossen. Dann habe ich mehr Schüsse gehört, diesmal näher.“

„Ich habe gedacht, vielleicht sind es Feuerwerkskörper“, erklärt der Anwohner. „Und dann, als es näher kam, war es wirklich furchtbar. Es gab viele Schreie. Da waren Polizisten oder Soldaten, die riefen: „Geht rein!“ und: „Nehmt eure Hände auf euren Kopf“.“

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Lesen Sie hier: Alle Entwicklungen in Straßburg im Liveblog

„Etwa zwölf bis 15 Schüsse“

Die Journalistin Camille Belsoeur befand sich in der Wohnung einer Freundin, als Schüsse zu hören waren. Zunächst habe sie an Feuerwerkskörper gedacht, sagt auch sie. „Wir haben das Fenster geöffnet. Ich habe gesehen, wie ein Soldat Schüsse abgab, etwa zwölf bis 15 Schüsse“, sagt Belsoeur. Andere Soldaten hätten Menschen zugerufen, im Inneren von Gebäuden zu bleiben. Denen, die draußen unterwegs waren, hätten sie zugerufen: „Geht heim! Geht heim!“, berichtet Belsoeur.

45 Minuten lange Reanimation – vergebens

Ein weiterer Augenzeuge, Peter Fritz, sagte dem Sender BBC, einer der Getöteten sei ein thailändischer Tourist, der eine Schusswunde im Kopf erlitten habe. „Wir haben unser Möglichstes versucht, ihn wiederzubeleben. Wir haben eine Herz-Lungen-Reanimation angewendet. Wir haben ihn in ein nahegelegenes Restaurant gezogen“, sagt Fritz.

Bis ein Krankenwagen eingetroffen sei, habe es mehr als 45 Minuten gedauert. Während dieser Zeit habe ein Notarzt telefonisch erklärt, „dass weitere Bemühungen vergeblich sein würden“.

Zivilisten ins Visier genommen

Militärsprecher Patrik Steiger erklärte, der Schütze habe offenbar nicht auf Soldaten gezielt, die auf dem Markt und in dessen Umgebung patrouillierten, sondern habe Zivilisten ins Visier genommen. Bei dem Anschlag wurden nach offiziellen Angaben mindestens drei Menschen getötet. Mehr als sieben Stunden nach dem Überfall teilte der Präfekt der Region am frühen Mittwochmorgen mit, elf Personen seien verletzt worden, fünf davon schwer. Der mutmaßliche Täter, ein 29-Jähriger, befand sich auf der Flucht, er wurde nach Angaben aus Polizeigewerkschaftskreisen angeschossen. Die Behörden leiteten Terrorermittlungen ein.

Von RND/dpa/lf

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