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Deutschland / Weltweit Somalische Piraten lassen deutschen Frachter frei
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13:25 18.07.2009
Somalische Piraten haben ein deutsches Frachtschiff gegen Lösegeld freigelassen.
Somalische Piraten haben ein deutsches Frachtschiff gegen Lösegeld freigelassen. Quelle: ddp
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Das Schiff gehört der niedersächsischen Reederei Intersee aus Haren an der Ems und fährt unter der Flagge von Antigua & Barbuda. An Bord befanden sich aber laut AA keine deutschen Besatzungsmitglieder.

Berichte, wonach auch das ebenfalls von Piraten entführte deutsche Schiff, die Anfang April gekaperte „Hansa Stavanger“, wieder frei ist, konnte der Sprecher des AA nicht bestätigen. „Der Krisenstab arbeitet weiterhin mit Hochdruck an einer Lösung“, betonte er. Angehörige der 24 Besatzungsmitglieder - darunter fünf Deutsche - und Seefahrerverbände forderten die Hamburger Reederei Leonhardt & Blumberg dazu auf, endlich eine Lösung zu finden.

Der Frachter „MS Victoria“ war 120 Seemeilen nördlich der somalischen Hafenstadt Boosaaso überfallen worden. Es war das siebte deutsche Schiff, das binnen Jahresfrist in die Gewalt der Seeräuber gekommen war. „MS“ steht für Motorschiff, auch die englische Abkürzung „MV“ (motor vessel) ist gebräuchlich. An Bord befand sich laut früheren Angaben des Verteidigungsministeriums eine elfköpfige, ausschließlich rumänische Besatzung. Das Schiff war auf dem Weg von Indien nach Saudi-Arabien. Es hatte 10 000 Tonnen Lebensmittel geladen. Ob für die Freigabe Lösegeld geflossen ist, war zunächst nicht bekannt.

Andrew Mwangura vom Ostafrikanischen Seeleuteverband bestätigte der dpa in Nairobi, dass es sich bei dem frei gekommenen Schiff um die „Victoria“ handelt. „Es gab zunächst widersprüchliche Informationen, es könne sich bei dem freigekommenen Schiff um die Hansa Stavanger handeln“, sagte er. Das Problem bei den Gesprächen um die Freilassung der Hansa Stavanger sei, dass die deutsche Reederei zunächst wohl mit einem „falschen Verhandlungsteam“ gesprochen habe, das im Gegensatz zu den eigenen Angaben nicht im Namen der Piraten über Lösegeld verhandelte.

Erst vor zwei Wochen hatte der Kapitän der „Hansa Stavanger“ in einem dramatischen Appell auf die hoffnungslose Lage aufmerksam gemacht. Ein Einsatz der deutschen Eliteeinheit GSG 9 war Ende April unter anderem am Widerstand der USA gescheitert. Die Informationen über den geplanten GSG-9-Einsatz hätten die Gespräche zurückgeworfen und erschwerten weiterhin die Verhandlungen, sagte Mwangura.

Die im Raum München lebende Ehefrau des Kapitäns der „Hansa Stavanger“ will die Reederei Leonhardt & Blumberg wegen unterlassener Hilfeleistung anzeigen. „Es liegt in der Hand der Reederei, die Geiselnahme zu beenden“, sagt sie laut „Spiegel“. Das Unternehmen feilsche extrem hart um das Lösegeld und bewege sich nicht mehr. Die Reederei wollte sich dazu am Samstag nicht äußern.

Der Verband Deutscher Kapitäne und Schiffsoffiziere (VDKS) kritisierte die Reederei hart. Auf Nachfragen von Verwandten der Besatzungsmitglieder nach konkreten Informationen habe es keine Antwort gegeben - auch von Seiten der Bundesregierung sei nichts zu erfahren gewesen. „Das ist nicht länger zu tolerieren“, sagte der VDKS- Sprecher, Kapitän Christoph Wand. „Die Lage an Bord ist ernst - es gibt Wassermangel und mehrere Besatzungsmitglieder sind krank.“

lni