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Deutschland / Weltweit Juncker und Schulz im Fernsehduell
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Juncker und Schulz im Fernsehduell
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21:51 07.05.2014
Von Reinhard Urschel
Foto: Der Präsident des Europäischen Parlaments und Spitzenkandidat der europäischen Sozialdemokraten, Martin Schulz (rechts) und der ehemalige Regierungschef von Luxemburg und EVP-Spitzenkandidat, Jean-Claude Juncker, treten an zum Fernseh-Duell.
Der Präsident des Europäischen Parlaments und Spitzenkandidat der europäischen Sozialdemokraten, Martin Schulz (rechts) und der ehemalige Regierungschef von Luxemburg und EVP-Spitzenkandidat, Jean-Claude Juncker, treten an zum Fernseh-Duell. Quelle: dpa
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Berlin

Es soll der Höhe- und Wendepunkt eines bislang ereignislosen und reizfreien Wahlkampfes werden, der auch noch weitgehend ohne Anteilnahme der Öffentlichkeit stattgefunden hat. Zum ersten Mal in einem Europa-Wahlkampf treten die Spitzenkandidaten der großen Parteien in einem Fernsehduell gegeneinander an. Nach ihren Nominierungen hatten der Präsident des Europäischen Parlaments und Spitzenkandidat der europäischen Sozialdemokraten, Martin Schulz, sowie der ehemalige Regierungschef von Luxemburg und EVP-Spitzenkandidat, Jean-Claude Juncker, ihre Bereitschaft zu einem solchen Aufeinandertreffen angekündigt. Die beiden gelten als befreundete Politiker und alte Weggefährten.

Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) und der Österreichische Rundfunk (ORF) produzieren die Sendung gemeinsam in Berlin und strahlen sie zeitgleich heute um 20.15 Uhr aus dem Hauptstadtstudio des ZDF aus. Die Fragen vor einem Livepublikum in Berlin stellen Peter Frey (ZDF) und Ingrid Thurnher (ORF). Schulz und Juncker sollen aber auch Zuschauerfragen aus Deutschland und Österreich beantworten.

Um die Breitenwirkung noch zu steigern, bietet die SPD zudem an verschiedenen Orten in Deutschland ein Public Viewing an, jedoch nicht auf der Straße, sondern in Cafés und Gaststätten. Die Sendung dauert genauso lange wie ein Fußballspiel: neunzig Minuten.

Freilich steht das historische Rededuell der beiden Spitzen-Europäer am Abend in einem scharfen Quotenwettbewerb, Heidi Klum und Wolfgang Joop küren zeitgleich wieder einmal ein nächstes Topmodel für Deutschland. Das Erste sendet einen Kriminalfilm, bei einem Privatsender startet die „Air Force One“.

Der Wahlkampf unter Ausschluss der Öffentlichkeit könnte das Motto sein, das zum gesamten Europawahlkampf 2014 passt, nicht nur zum TV-Duell. An den Straßenlaternen hängen Plakate, die irgendwie so aussehen, als seien sie bei der letzten Bundestagswahl vergessen worden. Es ist nicht bekannt, dass Angela Merkel für die CDU nach Brüssel gehen möchte, aber sie ist es doch, die uns überall entgegenlächelt. Wie heißt noch mal der deutsche Spitzenkandidat der Union? Wer jetzt weiß, dass es sich um den ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister handelt, darf sich schon als Europa-Experte fühlen.

Das mag heiter klingen, ist es aber nicht. Die Werbung für die Europawahl erweist sich für die Europa-freundlichen Parteien als ein Fiasko. Gehör verschaffen sich vornehmlich Euro-kritische Kandidaten. Bislang ist keineswegs deutlich geworden, wie bedeutsam Europa als politische Institution ist und wie schludrig die politischen Parteien damit umgehen. In der Ukraine-Krise sollte die EU geschlossener auftreten, als sie das tut. Die Finanzkrise im Euro-Land ist noch keineswegs ausgestanden. Bei den Verhandlungen mit den USA um ein Freihandelsabkommen kann nur etwas Vernünftiges herauskommen, wenn die Europäische Union als Einheit gegenüber dem transatlantischen Partner auftritt.

Sowohl der Konservative Juncker als auch der Sozialdemokrat Schulz müssen bei der Europawahl am 25. Mai eine Mehrheit der europäischen Wähler hinter sich bringen, um sich für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten empfehlen zu können. In den meisten Umfragen liegt Schulz derzeit leicht vorn.