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Deutschland / Weltweit Streiks in Griechenland - Verhandlungen über Nothilfen
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11:25 21.04.2010
Plakat mit Aufruf zum Streik
Plakat mit Aufruf zum Streik Quelle: dpa
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In Athen haben am Mittwoch nach einer längeren Ruhephase wieder Streiks begonnen. Betroffen sind vor allem die Bereiche Fährverkehr, die Krankenhäuser und Ministerien und andere staatliche Behörden. Die Streikenden protestieren gegen Lohnkürzungen und Sparmaßnahmen der sozialistischen Regierung unter Ministerpräsident Giorgos Papandreou.

Er versucht mit einem Schock-Sparprogramm das mit mehr als 300 Milliarden Euro verschuldete Land vom Bankrott zu retten. Der Umfang der Streiks hielt sich jedoch in Grenzen. Zahlreiche Arbeitnehmer hätten nach einer Reihe von Streiks im vergangenen Monat so viele Tageslöhne verloren, dass sie sich es nicht leisten können erneut zu streiken, werteten griechische Medien.

Am Mittwochmorgen ist keine Fähre aus Piräus zu den Inseln der Ägäis ausgelaufen. Mitglieder der kommunistischen Gewerkschaft PAME blockierten die Einfahrten. Sie protestieren gegen die hohe Arbeitslosigkeit, die in den vergangenen zwölf Monaten von 9,4 Prozent auf 11,3 Prozent gestiegen ist und riefen zum „Aufstand“ auf, wie das Fernsehen berichtete.

Ärzte behandelten wegen nicht gezahlter Überstunden in staatlichen Krankenhäusern nur Notfälle. Am Donnerstag wollen die Beamten und andere Staatsbedienstete wie Lehrer streiken. Dagegen sagten die griechischen Fluglotsen einen geplanten 48-stündigen Streik wegen des Chaos im europäischen Flugverkehr ab. Wir wollen helfen, das Chaos zu beenden“, hieß es in einer Erklärung ihrer Gewerkschaft.

Griechenland verhandelt mit EU-Kommission, EZB und IWF über Hilfen

Griechenland hat am Mittwoch die Verhandlungen über mögliche Nothilfen für das hochverschuldete Land aufgenommen. Vertreter der Regierung trafen in Athen mit Gesandten der Europäischen Kommission, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) zusammen, um über die technischen Details möglicher Kredite zu verhandeln. Ziel sei „ein dreijähriges wirtschaftspolitisches Programm, das von Finanzhilfen der Staaten der Euro-Zone und dem Internationalen Währungsfonds unterstützt werden kann, falls die griechischen Behörden die Aktivierung des Hilfsmechanismus beantragen“, erklärte das Finanzministerium in Athen. Die Gespräche sollen nach Angaben der Regierung etwa zehn Tage dauern.

Griechenland ist hoch verschuldet und muss im Mai neue Kredite über zehn Milliarden Euro aufnehmen. Die Zinsen, die das Land dafür zahlen muss, liegen derzeit deutlich über dem Durchschnitt der europäischen Staaten. Erst am Dienstag waren die Kosten auf ein neues Rekordniveau seit Einführung des Euro gestiegen. Die EU hatte sich vor fast vier Wochen darauf geeinigt, Griechenland bilaterale Kredite zu günstigeren Konditionen zu gewähren, falls die Kosten für neue Staatsschulden des Landes auf den Finanzmärkten zu hoch werden sollten.

In diesem Jahr soll sich Griechenland auf diese Weise bis zu 30 Milliarden Euro für einen Zinssatz von rund fünf Prozent leihen können; hinzu kämen der Vereinbarung zufolge Hilfen des IWF von bis zu 15 Milliarden Euro. Griechenlands Finanzminister Giorgos Papakonstantinou betonte am Dienstag, sein Land könnte schon im Mai Hilfen von EU und IWF beantragen.

dpa / afp

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