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Deutschland / Weltweit Terrorzelle hatte ein Netzwerk von Unterstützern
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Terrorzelle hatte ein Netzwerk von Unterstützern
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22:18 11.12.2011
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Karlsruhe/Berlin

Matthias D. sei am frühen Sonntagmorgen an seinem Wohnort im sächsischen Erzgebirgskreis festgenommen worden, teilte die Bundesanwaltschaft am Sonntag mit. Er ist angeblich einer der mutmaßlichen Führer der Neonazi-Gruppe „Brigade Ost“ aus Johanngeorgenstadt. Schon vor Wochen gab es Berichte, dass ehemalige Mitglieder dieser Gruppe zum Unterstützerkreis der mordenden Zwickauer Bande gehörten.

Nach „Spiegel“-Informationen stufen die Ermittler im Fall der Zwickauer Zelle inzwischen sieben Personen als Beschuldigte ein. Festgenommen wurden neben Matthias D. bereits Holger G., Andre E. und der Ex-NPD-Funktionär Ralf Wohlleben. Sie alle sollen die Gruppe in der einen oder anderen Form unterstützt haben – sei es mit Wohnungen, um unentdeckt zu bleiben, oder sogar mit Waffen.

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Die Terrorzelle konnte sich wohl auch bei der konkreten Mordplanung auf Unterstützung verlassen. Wie am Wochenende bekannt wurde, haben die Täter vor den Morden an türkischen und griechischen Geschäftsleuten die Tatorte sorgfältig ausgekundschaftet oder auskundschaften lassen. Fluchtwege und Gewohnheiten der potenziellen Opfer seien notiert worden. Auch bei Neonazis in Westdeutschland seien die Taten bekannt gewesen.

Die Ermittlungen führen inzwischen auch ins Nachbarland Schweiz. Die Mordwaffe soll in den neunziger Jahren in der Schweiz gekauft worden sei. Zudem berichten verschiedene Zeitungen von einer möglichen Verbindung der Terrorzelle zum Mord an einem Rabbi in Zürich im Jahr 2001. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft gibt es aber bislang keine konkreten Anhaltspunkte für eine Verbindung.

Weiter diskutiert wird über mögliche Verstrickungen der rechtsextremen NPD in die verbrecherischen Umtriebe der Terrorzelle und über ein mögliches neues NPD-Verbotsverfahren. Das NPD-Präsidiumsmitglied Patrick Wieschke steht offenbar nach wie vor im Verdacht, die Zwickauer Zelle unterstützt zu haben. Er soll die einzige Überlebende des Trios, Zschäpe, Anfang November für eine Nacht beherbergt haben. Wieschke selbst bestreitet das.

Für ein neues NPD-Verbotsverfahren müssten sich die Verfassungsschutzämter laut „Spiegel“ vermutlich von insgesamt mehr als 100 V-Leuten in der Partei trennen. Nach dem Bericht gibt es in der NPD derzeit mehr als 130 aktive Informanten – aus den Führungsgremien der NPD berichten demnach mehr als zehn V-Leute. Das letzte Verbotsverfahren war 2003 gescheitert, weil Informanten des Verfassungsschutzes auch in der Führungsebene der NPD tätig waren. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sieht die Voraussetzungen für den Erfolg eines Verbotsantrags nach wie vor nicht gegeben.

Jörg Ratzsch

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