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Deutschland / Weltweit Greta und der Protest vor dem Weißen Haus: Marsch für die Medien
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10:38 14.09.2019
Greta Thunberg nimmt an einem Schulstreik für mehr Klimaschutz vor dem Weißen Haus teil. Quelle: Susan Walsh/AP/dpa
Washington

Als die zierliche, kleine Person nach zwei Stunden endlich das Megafon vor dem Weißen Haus ergreift, kann man ihre Worte kaum verstehen. Irgendwie passend zum Ereignis donnert gerade ein Flugzeug tief unter dem Washingtoner Himmel dahin. Doch die Botschaft der Umweltaktivistin Greta Thunberg löst auch so Begeisterung aus. „Normalerweise sind wir hier freitags zehn oder zwölf Teilnehmer beim Klimastreik“, sagt eine Organisatorin, „und jetzt das!“

Der Auftrieb ist tatsächlich gewaltig. Allerdings weniger bei den jugendlichen Protestlern, deren Zahl im Laufe der Demonstration von gerade mal 50 auf etwa 300 anschwillt, als bei den Fernsehteams und Reportern. Mindestens drei Dutzend Kameras verfolgen den 16-jährigen Ehrengast aus Schweden bei jedem Schritt. So groß ist der Andrang der Medien, dass der Protestmarsch rund um den President’s Park südlich des Amtssitzes von Donald Trump zunächst gar nicht in Gang kommt. Statt „Nicht mehr Kohle, nicht mehr Öl, lasst den Kohlenstoff in der Erde“ skandieren die Jugendlichen plötzlich: „Presse, geh weg!“

Überfordert vom Presserummel

Das klingt sehr ähnlich wie die unfreundlichen Anwürfe des Präsidenten gegen die Medien, ist aber natürlich ganz anders gemeint. Die Organisatoren sind offensichtlich ein bisschen überfordert von dem internationalen Presserummel. Die Schülerstreiks für das Klima sind in den USA bei Weitem nicht so verbreitet wie in Deutschland oder Schweden. Die Fridays-for-Future-Bewegung hat in ganz Amerika bei Twitter rund 5000 Follower – halb so viele wie allein in Berlin.

Trotzdem wird Greta Thunbergs Besuch in den USA registriert. Vor ein paar Tagen saß die Aktivistin bei Trevor Noah in der „Daily Show“ und bemerkte, der größte Unterschied zwischen ihrer Heimat und den USA sei, dass der Klimawandel in Amerika als Glaubenssache aufgefasst werde. Dagegen setzt sie eine Fülle von Zahlen und Daten, die klarmachen sollen, dass der Menschheit nur noch eine sehr kurze Zeit zum Umsteuern bleibt.

In den USA ist es ein weiter Weg zu einer Massenbewegung

Bei Donald Trump, der das Pariser Klimaschutzabkommen aufgekündigt hat und gerade Stück für Stück Obamas Umweltschutzgesetze zerschießt, dürfte der Alarm wenig Eindruck machen. Mehr Zuhörer könnte Thunberg bei Kongressabgeordneten und vor der UN-Vollversammlung in New York finden, wo sie am 23. September sprechen will, obwohl ihr Manhattan bei ihrer Ankunft vor zwei Wochen vor allem „sehr massiv, sehr groß und sehr laut“ erschienen ist. Thunberg hingegen ist stets konzentriert und leise. Während die anderen Protestler laut ihre Parolen rufen, bewegt sie nur leicht die Lippen.

„Ich bin sehr stolz auf euch“, ruft sie ihren Mitdemonstranten in Washington zu, gebt nicht auf! Wir machen weiter!“ Die Gruppe jubelt. Doch bis der Schülerprotest in den USA zu einer Massenbewegung wird, ist es noch ein weiter Weg.

Greta Thunberg demonstriert vor dem Weißen Haus in Washington. Quelle: Karl Doemens

Mehr lesen: Greta Thunberg und der Friedensnobelpreis – das sagen Politiker

Von Karl Doemens/RND

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