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Deutschland / Weltweit Die Uhr für den Weltklimavertrag tickt
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16:00 11.11.2013
Foto: Treibhausgase erwärmen das Klima. In Paris soll 2015 endlich ein weltweiter Klimavertrag vereinbart werden. Das Gerüst für das Abkommen soll von diesem Montag an die 19. UN-Klimakonferenz in Warschau aufbauen.
Treibhausgase erwärmen das Klima. In Paris soll 2015 endlich ein weltweiter Klimavertrag vereinbart werden. Das Gerüst für das Abkommen soll von diesem Montag an die 19. UN-Klimakonferenz in Warschau aufbauen. Quelle: dpa
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Berlin

Es bleiben nur noch zwei Jahre. In Paris soll 2015 endlich ein weltweiter Klimavertrag vereinbart werden. So hat es die Staatengemeinschaft schon 2011 im südafrikanischen Durban beschlossen. Das Gerüst für das Abkommen soll von diesem Montag an die 19. UN-Klimakonferenz in Warschau aufbauen. Klimaschützer hoffen, dass der zweite Anlauf für ein solch komplexes Vertragswerk nicht zu einem solchen Reinfall wird wie der erste Versuch 2009 im dänischen Kopenhagen. Damals endete das Ringen um ein globales Klimaabkommen in einem Desaster.

Eine wichtige Vermittlerrolle kommt dabei auch Deutschland zu: Angela Merkel (CDU) könnte in ihrer dritten Amtszeit versuchen, wieder mehr die Klimakanzlerin zu geben, ist in Regierungskreisen zu hören. Eines ist klar: Ohne Vorkämpfer sind die Blockaden nicht aufzulösen, ohne Gegensteuern droht künftigen Generationen ein anderer Planet.

Das Paris-Protokoll soll Ziele für alle 194 Mitgliedsstaaten der UN-Klimarahmenkonvention beinhalten und von 2020 an in Kraft treten. Beim bisher einzigen verbindlichen Instrument, dem Kyoto-Protokoll, machen außer den EU-Ländern nur wenige Staaten mit. Doch werden sich auch China, Indien, Russland und die USA in die Pflicht nehmen lassen? Wie sollen Klimaschutzziele verbindlich festgelegt werden? Und wer überprüft am Ende die Einhaltung von CO2-Minderungszielen? Ausgerechnet im Kohleland Polen sollen auf der Klimakonferenz bis zum 22. November nun einige Antworten darauf gefunden werden.

Seit 1880 ist die Temperatur schon um 0,85 Grad gestiegen

Wegen der weiterhin enormen Öl- und Kohle-Vorkommen ist eine Trendwende bisher kaum zu erkennen, um die Erderwärmung auf noch beherrschbare zwei Grad zu begrenzen. Gastgeber Polen etwa hat sich bislang erfolgreich dagegen ausgesprochen, dass die Europäische Union als Vorreiter ihr Klimaschutzziel von minus 20 Prozent beim Ausstoß von Kohlendioxid bis 2020 auf 30 Prozent im Vergleich zu 1990 erhöht.

Seit 1880 ist die Temperatur schon um 0,85 Grad gestiegen, Klimaforscher warnen vor vier Grad und mehr. Sie haben ihre Arbeit im Wesentlichen getan. Im Grunde hatte der Weltklimarat mit seinem vierten Report 2007 schon alles gesagt, was er Ende September im ersten Teil seines fünften Reports zum Großteil bestätigt und in Teilen sogar verschärft hat. Dass der Mensch Hauptursache für den Klimawandel ist, steht nun zu 95 bis 100 Prozent fest. Meeresspiegel steigen schneller als erwartet, es drohen weltweite Verwerfungen.

Aber es gibt auch Lichtblicke. In den USA sinkt der CO2-Ausstoß unter anderem wegen der vermehrten Gas- statt Kohlenutzung, vor allem dank der Fracking-Techologie. China führt im südchinesischen Shenzhen einen Emissionshandel ein, so ein Kauf von Verschmutzungsrechten soll landesweit Schule machen.

Der amtierende Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) will trotz der Verhandlungen über eine große Koalition am Ende in Polen dabei sein. Immer wieder wird die Klimabilanz solcher Konferenzen - gemessen am verbrauchten Kerosin und der Energie zur Versorgung eines zweiwöchigen Gipfels mit tausenden Teilnehmern - im Vergleich zu den überschaubaren Ergebnissen kritisiert. Aber was wäre die Alternative, um solch ein globales Problem anzugehen und zu bekämpfen?

CO2-Ausstoß 2012 wieder erhöht

Für Warschau erwartet die Bundesregierung, dass möglichst viele Länder klare Minderungszusagen vorlegen, die in das Paris-Protokoll hineingeschrieben werden sollen. Aber die Realität ist trübe: Selbst in Deutschland hat sich trotz eines Ökostromanteils von inzwischen 25 Prozent der CO2-Ausstoß 2012 wieder erhöht, auch weil es bei viel Wind und Sonne billiger ist, alte Kohlemeiler durchlaufen statt sie abkühlen zu lassen.

Gerade die schmutzige Braunkohleverstromung ist billig, da der Preis für CO2-Verschmutzungsrechte massiv gefallen ist. Daher sollen 900 Millionen Zertifikate im EU-Emissionshandel vom Markt zurückgehalten werden, um den Preis je ausgestoßener Tonne CO2 wieder zu steigern. Inzwischen sind die EU-Staaten bereit, den CO2-Handel zu reformieren - auch Merkel unterstützt den Plan inzwischen.

Aber: Auf EU-Ebene stemmt sich Deutschland bisher gegen schärfere CO2-Werte für Autos. Das stellt das Selbstverständnis als Vorreiter infrage. In der vergangenen großen Koalition setzten Merkel und der damalige Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) den Klimaschutz ganz oben auf die Agenda. EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard machte in den vergangenen Jahren besonders die FDP als Bremser aus - und setzt nun wieder auf Deutschland. Union und SPD wollen bei einer großen Koalition eine bessere Gestaltung der Energiewende zum zentralen Projekt machen - das Projekt hin zu einer Versorgung überwiegend mit Sonne, Wind und Biomasse soll weltweit zum Exportschlager werden.

dpa

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