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Deutschland / Weltweit Wer sich 2018 in Deutschland einbürgern ließ – und was das über die Herkunftsländer aussagt
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16:04 30.05.2019
Im vergangenen Jahr ließen sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 112.300 Menschen in Deutschland einbürgern. Quelle: Britta Pedersen/ZB/dpa
Berlin

Die Zahl der in Deutschland eingebürgerten Türken ist im vergangenen Jahr erstmals seit 2013 wieder gestiegen. Insgesamt erhielten 16.700 Türken die deutsche Staatsangehörigkeit - ein Zuwachs um 11,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Dabei blieb die Zahl der Einbürgerungen insgesamt mit 112.300 Menschen nahezu konstant.

Die türkischen Neudeutschen stellten zwar die größte Einzelgruppe, schöpften aber nach Angaben der Statistiker ihr „Einbürgerungspotenzial“ nur zu 2,19 Prozent aus.

Dieses bezieht die Zahl der Einbürgerungen auf die Zahl derjenigen, die zehn Jahre oder länger in Deutschland leben und damit in der Regel alle Voraussetzungen für eine Einbürgerung erfüllen.

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Viele Türken wären viel eher bereit, sich einbürgern zu lassen, wenn sie die türkische Staatsbürgerschaft behalten könnten, vermutet der Berliner Rechtsanwalt Sükrü Uslucan, der sich unter anderem mit rechtlichen Fragen zur Staatsangehörigkeit befasst.

„Vielleicht spielt auch die Entwicklung der Türkei in den letzten Jahren eine Rolle“, meint er zu dem Anstieg der Einbürgerungen. Unter manchen habe sich da womöglich „eine Art innerer Abkehr entwickelt“.

17.000 Einbürgerungen britischer Staatsangehöriger

Der Bielefelder Soziologe Thomas Faist verweist zudem auf starke emotionale Bindungen vieler Türken in ihr Herkunftsland, auch über Generationen hinweg. „Auch die von Türken wahrgenommene Diskriminierung in Deutschland führt dazu, sich nicht gleich einbürgern zu lassen“, sagt der Migrationsforscher.

Auf Platz zwei der Einbürgerungen lagen die Briten. Allerdings war bei ihnen ein Rückgang von 7500 Einbürgerungen im Jahr 2017 auf 6600 im vergangenen Jahr zu verzeichnen. Dies könne darauf hinweisen, dass sich der Brexit-Effekt abschwäche, hieß es:

Von 2016 bis 2018 gab es insgesamt 17.000 Einbürgerungen britischer Staatsangehöriger. In den 15 Jahren zuvor hatten sich nur 4800 Briten entschieden, die deutsche Staatsangehörigkeit anzunehmen. Die Briten hatten im Juni 2016 für den Austritt aus der EU gestimmt.

4080 Einbürgerungen aus dem Irak

Unter den EU-Staaten mit mehr als 1000 Einbürgerungen lag Großbritannien beim ausgeschöpften Einbürgerungspotenzial mit 8,9 Prozent ganz vorn, gefolgt von Rumänien mit 6,9 Prozent und Bulgarien mit 4,9 Prozent. Traditionell ist das Interesse von EU-Bürgern an einer Einbürgerung relativ gering, da für sie ohnehin Freizügigkeit und Zugang zum Arbeitsmarkt gelten.

Einen besonders hohen prozentualen Zuwachs bei den Einbürgerungen gab es bei den Serben: Zwar erhielten nur 2475 Menschen aus der Balkanrepublik einen deutschen Pass, im Vergleich zum Vorjahr aber war dies ein Plus um 26,9 Prozent.

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Vor allem Angehörige aus Drittstaaten außerhalb der EU nutzten die Möglichkeit der Einbürgerung. Sie schöpften nicht nur ihr Einbürgerungspotenzial deutlich stärker aus, sondern verzeichneten im Vergleich zum Vorjahr eine Zunahme der Menschen mit deutschem Pass.

So gab es bei den Irakern 4080 Einbürgerungen, ein Zuwachs um 17,2 Prozent. 2880 Syrer erhielten die deutsche Staatsbürgerschaft, ein Plus von 16,2 Prozent, während es bei den Iranern mit 3080 Einbürgerungen um 14,5 Prozent nach oben ging.

Sicherer Aufenthaltsstatus und Schutz vor Abschiebung

„Möglichst bald eine abgesicherte Position zu erreichen, hat meines Erachtens sehr viel damit zu tun“, sagt der Soziologe Faist. „Ich denke, dass gerade bei denen, die sich einbürgern lassen, die Einschätzung sehr hoch ist, dass sich die Lage in den ehemaligen Heimatländern in nächster Zeit nicht verbessern wird.“

Die Einbürgerung sei für die Gruppe der Flüchtlinge gewissermaßen auch eine endgültige Abkehr vom Heimatland, sagte Anwalt Uslucan. „Wenn man da rauskommt, hat man nicht vor, so schnell zurückzukehren“, sagt er über Konflikt- und Krisenländer. Hinzu kämen pragmatische Gründe wie ein sicherer Aufenthaltsstatus und Schutz vor Abschiebung.

Und welche Rolle spielt die Einbürgerung für die Integration? „Diejenigen, die sich schon als gut integriert sehen, vollziehen eher den Schritt zur Einbürgerung. Das ist eindeutig so“, sagt Faist.

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Andererseits sei die Einbürgerung „dann noch mal ein Schub im Hinblick auf das Gefühl der Zugehörigkeit, aber auch in Hinblick auf die soziale Interaktion“. In der Regel seien die Eingebürgerten sozial vernetzter mit Kontakten nicht nur zu anderen Migranten.

„Im Zweifelsfall ist Einbürgerung etwas, was den Integrationsstatus verbessert“, sagt Uslucan - auch wenn viele den Eindruck hätten, dass sie auch mit deutschem Pass für manchen deutschen Mitbürger weiter nur „der Türke“ blieben. „Man bekommt ja auch ein gewisses Selbstbewusstsein, weil man sagen kann: Ich bin genauso deutsch wie du. Ich gehör’ auch dazu.“

Von RND/dpa/lf

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