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Deutschland / Weltweit US-Truppen töten Taliban bei Kundus
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08:37 10.11.2009
Mehr als 130 Aufständische sollen bei dem Einsatz im deutschen Befehlsbereich getötet worden sein. Quelle: afp
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Es war der größte Einsatz in der deutschen Zone Afghanistans – und zwar ohne deutsche Beteiligung: US-Spezialtruppen und die afghanische Armee haben bei einem mehrtägigen massiven Einsatz gegen die Taliban im deutschen Befehlsbereich am Hindukusch nach eigenen Angaben mehr als 130 Aufständische getötet. Die Islamisten seien aus mehreren Dörfern im Norden Afghanistans vertrieben worden, sagte Nato-Sprecher Todd Vician am Montag in Kundus. An den fünftägigen Kämpfen seien 700 afghanische und 50 Nato-Soldaten beteiligt wesen. Es seien auch Luftangriffe gegen die Extremisten geflogen worden.

Die Bundeswehr war nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Berlin nicht an den Kämpfen im Norden Afghanistans beteiligt, die von US-Kräften und der afghanischen Armee geführt worden seien.

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Der Gouverneur der Provinz Kundus, Mohammed Omar, gab die Zahl der getöteten Taliban bei den Kämpfen im Distrikt Chahar Darreh und Umgebung mit 133 an. Nach Angaben des Nato-Sprechers waren darunter auch acht Kommandeure der afghanischen Extremisten. Bodentruppen hatten zuvor das Gebiet umstellt und abgeriegelt. Ein Taliban-Sprecher bezeichnete diese Zahlen als Propaganda und sagte, nur fünf Kämpfer aus den Reihen der Islamisten seien gestorben.

Von Toten unter der Zivilbevölkerung ist nach Nato-Angaben nichts bekannt. Auch eigene Soldaten seien bei der Offensive nicht gestorben. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums erklärte, Kräfte der Isaf und damit der Bundeswehr, die in Kundus ein Camp unterhalten, seien nicht an dem Vorgehen beteiligt gewesen. Dies sei auch nicht vorgesehen gewesen. Die Isaf sei aber im Vorfeld von der Nato über den Einsatz informiert worden.

Gouverneur Omar wurde mit den Worten zitiert, beim „ersten richtigen Schlag gegen die Taliban“ in der Region seien rund um die Uhr unzählige Bomben abgeworfen worden. Der Einsatz sei nur möglich gewesen, „weil uns die USA endlich beim Kampf gegen die Taliban geholfen haben“. Angeführt wurde der Einsatz laut „Spiegel online“ von US-Eliteeinheiten, die im Rahmen des Anti-Terror-Einsatzes „Operation Enduring Freedom“ agieren.

Kundus hat sich in den vergangenen Monaten zum mit Abstand gefährlichsten Einsatzort der Bundeswehr entwickelt. Ihr war es dort zuletzt nicht gelungen zu verhindern, dass die Taliban immer mehr Dörfer in der Region unter ihre Kontrolle brachten. Sie patrouillierten die Straßen des Gebiets mit Motorrädern, errichteten Straßensperren und sprachen auch bei der Umsetzung von Straßenbauprojekten ein gewichtiges Wort mit. Mitarbeiter es Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) oder der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) können den Distrikt bereits seit Langem nicht mehr besuchen.

Im Distrikt Chahar Darreh forderte die Bundeswehr auch den umstrittenen Luftangriff gegen zwei von den Taliban entführte Tanklastwagen an, bei dem Anfang September einer afghanischen Untersuchung zufolge neben 69 Extremisten auch 30 Zivilisten ums Leben kamen. Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hatte am Freitag erklärt, auch er gehe davon aus, dass bei dem Angriff Zivilisten getötet worden seien.

von Peter Graff