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Deutschland / Weltweit Unionspolitiker wollen Pässe zu Ausweisen für Organspende machen
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Unionspolitiker wollen Pässe zu Ausweisen für Organspende machen
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21:52 14.09.2010
Wird der Organspenderausweis durch Einträge im Reisepass ersetzt?
Wird der Organspenderausweis durch Einträge im Reisepass ersetzt? Quelle: dpa
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Seit Jahrzehnten wird in Deutschland beklagt, dass es zu wenig Organspender gebe – ebenfalls seit Jahrzehnten werden mögliche Gesetzesänderungen ergebnislos hin und her gewendet.

Die sogenannte Widerspruchslösung, wonach jeder Hirntote, der zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen hat, als Organspender benutzt werden kann, findet wegen ethischer Bedenken keine Mehrheit im Parlament.

Das Prinzip der Freiwilligkeit wiederum ist zwar rechtlich und ethisch sauber, schränkt aber das Organangebot stark ein: Die meisten Deutschen befürworten zwar in der Theorie die Organspende, halten sich aber bedeckt, wenn es konkret um sie selbst geht.

Zwei Rechts- und Gesundheitspolitiker der CDU überraschen nun mit einer neuen Initiative, die aus der Sackgasse führen und zu viel mehr freiwilligen Spenden führen soll: Die Bundestagsabgeordneten Günter Krings und Jens Spahn aus Nordrhein-Westfalen wollen eine Erklärungspflicht in Pässen oder Führerscheinen durchsetzen.

Haben sie Erfolg, wird der Hinweis „Organspender Ja/Nein“ künftig in jedem neu ausgestellten Dokument auftauchen. „Wir wollen jeden Menschen dazu bringen, über eine Organspende neu nachzudenken“, sagt Krings. Die Regierung solle keinen Zwang ausüben, aber sie könne von jedem Bürger verlangen, sich mit dem heiklen Thema ernsthaft auseinanderzusetzen.

Dass es Handlungsbedarf gibt, bestreiten die wenigsten: Rund 12 000 Menschen warteten im vergangenen Jahr auf eine Organspende – aber es gab nur 1217 Spenden. Die Widerspruchsregelung, die jüngst als Ausweg diskutiert wurde, kommt für Krings nicht infrage. „Das entspricht nicht unserem Menschenbild“, sagt der Jurist. Eine solche Lösung verunsichere die Menschen. Die Erklärungspflicht im Pass oder Führerschein sieht Krings als Mittelweg.

Aus seiner Partei bekommt Krings „viele positive Signale“. Doch es gibt auch Skeptiker. Die niedersächsische Sozialministerin Aygül Ökzan (CDU) gehört dazu. „Ein verbindlicher Vermerk auf einem Ausweisdokument könnte problematisch sein, weil sich der Wille zur Organspende ja durchaus im Laufe der Zeit auch ändern kann“, sagt die Ministerin. Mehr Werbung in Bürgerbüros für Organspenden hat Niedersachsen allerdings bereits beschlossen. Wer dort einen Pass beantragt, wird mit Informationsbroschüren versorgt – in verschiedenen Sprachen.

Als „Widerspruchslösung durch die kalte Küche“ tadeln Gesundheitspolitiker der Grünen den Vorschlag aus der CDU. Eine Behörde sei der falsche Ort, dort werde moralischer Druck aufgebaut, der eine freie Entscheidung behindere, sagt Grünen-Gesundheitsexpertin Elisabeth Scharfenberg. „Absolut positiv“ sieht hingegen die Deutsche Stiftung Organspende (DSO) den Vorschlag.

Margit Kautenburger