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Deutschland / Weltweit Vatikan geht auf Homosexuelle zu
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Vatikan geht auf Homosexuelle zu
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19:32 14.10.2014
Von Reinhard Urschel
Die gegenwärtig in Rom tagende Familiensynode hat jetzt ein bemerkenswert liberales Zwischendokument vorgelegt. Quelle: dpa
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Berlin

Ein eigenes Kapitel widmet der Zwischenbericht Homosexuellen. Diese verfügten über „Gaben und Qualitäten“, die sie in die Kirche einbringen könnten, heißt es darin. Dabei wird die Frage aufgeworfen, ob die Kirche in der Lage sei, diese aufzunehmen und ihre sexuelle Ausrichtung anzuerkennen, „ohne die katholische Lehre über Ehe und Familie zu beeinträchtigen“. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften könnten zwar nicht mit der Ehe gleichgestellt werden, heißt es in dem Zwischenbericht. Es existierten jedoch auch Fälle, „in denen die gegenseitige Hilfe bis zur Aufopferung eine wertvolle Stütze für das Leben der Partner darstellt“.

Unter Verweis auf das Zweite Vatikanische Konzil unter den Päpsten Johannes XXIII. und Paul VI. (1962 bis 1965) forderte die Synode, positive Elemente in Lebenspartnerschaften und bei wiederverheirateten Geschiedenen zu würdigen. „Im Hinblick auf Lebenspartnerschaften, Zivilehen und wiederverheiratete Geschiedene muss die Kirche jene Samen des Evangeliums erkennen, die jenseits ihrer sichtbaren und sakramentalen Grenzen liegen.“ Etliche Synodenteilnehmer sprachen sich für eine Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zum Abendmahl aus. Dies dürfe jedoch keine allgemeingültige Lösung sein, sondern könne nur nach der Prüfung eines jeden einzelnen Falles möglich werden, heißt es weiter in dem Kirchendokument.

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Der Budapester Kardinal Peter Erdö verlangte bei der Vorlage des Zwischenberichts von der römischen Kurie im kommenden Jahr „mutige Entscheidungen“. Menschen mit gescheiterten Beziehungen, Paare ohne Trauschein sowie Lesben und Schwule müssten „in ihrer konkreten Existenz“ angenommen und in ihrem Wunsch ermutigt werden, sich uneingeschränkt als Teil der Kirche zu fühlen, forderte der Kardinal.

Als „bedeutsamen Wandel“ hat das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) den Zwischenbericht zur vatikanischen Familiensynode gewürdigt. Papst Franziskus sei ein „Eisbrecher für angstfreie Kommunikation“, sagte ZdK-Präsident Alois Glück, früherer bayerischer CSU-Politiker, am Dienstag in Bonn. Aus diesem Geist heraus entwickelten sich in der katholischen Kirche starke Tendenzen, vom Menschen her zu denken, nicht von den Lehrgebäuden. Die Kirche befinde sich in einem Prozess starker Veränderungen, dies müsse berücksichtigt werden.

Dass in dem Bericht etwa von „Gaben und Qualitäten“ die Rede sei, die Homosexuelle in die Kirche einbringen könnten, sei für die Betroffenen sehr wichtig, betonte Alois Glück. Dies gehe auch über das Gebot der Nichtdiskriminierung hinaus, das im katholischen Katechismus von 1983 festgeschrieben sei. Im Gegensatz zu dieser defensiven Haltung werde nun wesentlich offensiver formuliert, erläuterte der Präsident des Katholikenkomitees.