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Deutschland / Weltweit Verbote an Karfreitag: Lasst uns tanzen gehen!
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18:48 19.04.2019
Tanzverbote an Feiertagen sind in Deutschland Ländersache. Quelle: picture alliance / dpa
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Hannover

Dieselverbot, Werbeverbot, Sterbehilfeverbot – in Deutschland herrschen viele Verbote, die immer wieder für angeregte Debatten sorgen. Auch das Tanzverbot an Karfreitag entfacht jedes Jahr an Ostern wieder Diskussionen. Während die christliche Kirche sich um den Schutz des wichtigen Feiertages sorgt, ziehen tanzende Jugendliche protestierend auf die Straße.

Jedes Bundesland bestimmt selbst, an welchen stillen Tagen „themenfremde öffentliche Unterhaltungsveranstaltungen“ untersagt sind. Doch dem Einzelnen bleibt auch im Jahr 2019 die Entscheidung verwehrt, ob er die Tanzschuhe aus dem Regal holt. Die Feiertagsgesetze auf Grundlage religiöser Traditionen verbieten es. Darin sind sich alle Bundesländer einig, obwohl sie Teil eines säkularen Staates sind.

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Vor dem Hintergrund, dass jedes Jahr weniger Menschen in Deutschland einer Konfession angehören, ist das Tanzverbot weder zeitgemäß noch verhältnismäßig. Es basiert auf altertümlichen Moralvorstellungen, aus einer Zeit, zu der Tanzen noch als sittenwidrig und unmoralisch galt. Das eingestaubte Verbot schränkt die persönliche Freiheit ein. Freiheit die einst auch Jesus predigte.

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Vor allem, weil es sich beim Verbotsgegenstand um etwas so Friedliches wie den Tanz handelt. Denn Trauer, Bestürzung in Innehalten – wie von der Kirche erbeten – lassen sich eben auch durch Bewegungen und Musik ausdrücken.

Und wer an diesem Tag nicht traurig sein will, der sollte dies unabhängig von den Vorgaben einer jahrhundertealten Institution auch nicht müssen. Und warum protestiert eigentlich niemand in der Adventszeit, wenn die christliche Nächstenliebe bei Geschenkeschlachten an verkaufsoffenen Sonntagen auf dem Weg zur Kasse liegen bleibt?

Für die knapp 40 Prozent Nicht-Christen in Deutschland und viele Angehörige anderer Konfessionen, die sich nicht als religiös bezeichnen, bleibt der Karfreitag ein Feiertag wie jeder andere. Vor allem bei Sonnenschein, denn das Wetter nimmt nun mal auch keine Rücksicht auf religiöse Feste.

Von Mila Krull/RND