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Deutschland / Weltweit Videos auf Youtube und Twittern reichen nicht
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10:23 20.09.2009
Wahlforscher Thorsten Vaas ist der Ansicht, es reiche nicht aus, auf Plattformen wie Youtube, Facebook oder StudiVZ einfach nur präsent zu sein. Quelle: Handout
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Experten meinen, die Jüngeren seien damit beschäftigt, ihr eigenes Leben auf die Reihe zu bekommen - und die Parteiprogramme sprächen sie zu wenig an.

Bei der Bundestagswahl 2005 gingen von den Jung- und Erstwählern unter 21 Jahren nur 70 Prozent wählen, womit die Beteiligung deutlich unter dem allgemeinen Negativrekord von knapp 78 Prozent lag. Noch dramatischer sah es bei der Altersgruppe 21 bis 25 Jahre aus - hier blieb jeder Dritte zu Hause. Wenn sie wählten, dann vor allem kleine Parteien - die Grünen und die FDP waren verglichen mit dem Gesamtergebnis deutlich überrepräsentiert. Außerdem ist laut Wahlforschern die Zahl der Wechselwähler bei den Jungen am höchsten.

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Die Jungen sind nicht politikverdrossener oder desinteressierter als der Rest der Gesellschaft, sagen Wahlforscher. Zwei Drittel aller Erstwähler interessieren sich laut einer Umfrage der Katholischen Universität Eichstätt generell für Politik. „Aber sie sind schlicht zu sehr mit sich selbst beschäftigt“, stellt die Wahlforscherin Evelyn Bytzek von der Uni Frankfurt fest. Sie spricht von einer ersten politischen Sozialisation im Elternhaus, durch die mancher Erstwähler noch beeinflusst werde - und einer zweiten Politisierung im Berufsleben. „In der Zeit dazwischen versuchen sie erstmal, ihr eigenes Leben auf die Schiene zu setzen“, sagt Bytzek.

Außerdem besitzen die Jungen oftmals noch nicht viel und nehmen keine verantwortungsvolle Position im Beruf oder der Gesellschaft ein. „Viele politische Themen sprechen sie also noch nicht direkt an“, urteilt Bytzek. Überhaupt fällt es den Wahlforschern schwer, „den“ Jungwähler und „die“ Jugendthemen zu charakterisieren. Vom Studenten über den Schulabbrecher bis zum Arbeiter ist in der Gruppe bis 30 Jahre alles vertreten. Die Interessen gehen also weit auseinander, während sie sich mit dem Alter immer weiter angleichen.

Trotzdem gibt es Möglichkeiten, mehr junge Wähler dafür zu begeistern, bei der Bundestagswahl ihr Kreuz zu setzen. 71 Prozent der Erstwähler informieren sich vor allem im Internet. „Der Zugang zu den jungen Wählern kann noch verbessert werden“, sagt Wahlforscher und Juniorprofessor Thorsten Vaas. Die Parteien seien zwar langsam schon präsent auf Plattformen wie Twitter, Facebook oder StudiVZ. „Es ist aber noch viel Luft nach oben, wenn ich mir anschaue, wie die Inhalte vermittelt werden“, sagt Vaas. Einfach präsent zu sein, reiche eben nicht.

Dass die Grünen und die FDP in dieser Gruppe überrepräsentiert sind, ist laut Vaas kein Zufall: „Sie haben jüngere Kandidaten, betonen Themen wie Umwelt und Bildung und sind in der Ansprache lockerer.“ Auch die großen Parteien versuchten das, hätten dabei aber größere Probleme glaubwürdig zu bleiben. Denn am anderen Ende der Altersspanne gäbe es gerade für die großen Volksparteien noch die Rentner - und die Angst, diese zu verschrecken.

Die Wahlstatistiken zeigen, dass es doppelt so viele Wähler über 60 Jahren als Wahlberechtigte unter Dreißig gibt. Dazu kommt: Die Wahlbeteiligung steigt mit dem Alter, die Älteren sind also nicht nur zahlreicher - sie sind auch wahlfreudiger. Das hat auch Einfluss auf die Parteiprogramme. Politikwissenschaftler Eckhard Jesse sieht denn auch den Fokus der Parteien viel stärker auf die Wählergruppe der über 60-Jährigen ausgerichtet. In der „Nordsee-Zeitung“ zog er daher den Schluss: „Die großen Parteien vernachlässigen junge Wähler bewusst, weil sie wissen, dass das eine Gruppierung ist, die nur eine kleine Rolle spielt.“

afp