Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Deutschland / Weltweit Was die neuen CO2-Grenzwerte bedeuten
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Was die neuen CO2-Grenzwerte bedeuten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:32 18.12.2018
Die Europäische Union will bis 2030 deutlich klimafreundlichere Autos auf die Straße bringen. Neuwagen sollen dann im Schnitt 37,5 Prozent weniger Kohlendioxid in die Luft blasen als 2021. Quelle: Michael Kappeler/dpa
Frankfurt/Main

Autos in der EU sollen in den nächsten zwölf Jahren deutlich sparsamer und umweltfreundlicher werden. Die Neuwagen-Flotten dürfen 2030 im Schnitt 37,5 Prozent weniger Kohlendioxid in die Luft blasen als 2021: Darauf haben sich am Montagabend Vertreter von EU-Staaten, des Europaparlaments und der EU-Kommission verständigt. Die Autolobby VDA sieht nun Jobs gefährdet. Umweltschützer fordern noch strengere Regeln.

Die 37,5 Prozent sind ein Kompromiss. Die zuständigen Minister der nationalen Regierungen hatten sich Anfang Oktober auf ein 35-Prozent-Ziel verständigt. Deutschland wollte ursprünglich sogar nur eine Minderung um 30 Prozent, was auch von der Automobilindustrie unterstützt wurde. Die Vertreter des Europaparlaments waren mit einer Forderung nach minus 40 Prozent in die Verhandlungen gegangen.

EU-Rat und EU-Parlament müssen noch zustimmen

Es wurde in mehreren Runden um einen Kompromiss gerungen. Dabei kam auch heraus, dass als Zwischenziel eine moderate Minderung von nur 15 Prozent für 2025 angestrebt wird. Bezugsgröße sind immer die 95 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer, die die Neuwagenflotten der Autobauer im Jahr 2021 im Schnitt erreichen müssen – ansonsten fallen empfindliche Strafzahlungen an. Die 15 Prozent gelten auch für Lieferwagen und andere leichte Nutzfahrzeuge. Für diese soll im Jahr 2030 dann ein Grenzwert von nun minus 31 Prozent gelten. Um die Beschlüsse endgültig festzuzurren, müssen der EU-Rat und das Parlament der Union noch zustimmen.

Die österreichische Ratsvorsitzende Elisabeth Köstinger sprach von harten und sehr zähen Verhandlungen. EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete bezeichnete die Vereinbarung als ehrgeizig und ausgewogen.

Lesen Sie hier den Kommentar: Die Entscheidung der EU zu neuen CO2-Grenzwerten ist richtig

Massive Kritik vonseiten der Automobilindustrie

Massive Kritik gab es hingegen vom deutschen Verband der Automobilindustrie: „Diese Regulierung fordert zu viel und fördert zu wenig“, erklärte VDA-Präsident Bernhard Mattes. Und er fügte hinzu: „Niemand weiß heute, wie die beschlossenen Grenzwerte in der vorgegebenen Zeit erreicht werden können.“ Die europäische Autoindustrie werde durch die scharfen CO2-Ziele im internationalen Wettbewerb stark belastet. Das Industriestandort Europa werde geschwächt, Arbeitsplätze würden gefährdet.

Derzeit sind 130 Gramm Kohlendioxid erlaubt. Der europäische Durchschnitt lag zuletzt bei 118,5 Gramm. Die in diesem Jahr neu zugelassenen Pkw in Deutschland blasen aber mehr als 130 Gramm in die Luft – gleichwohl müssen die Autobauer keine Strafen zahlen, weil es für jeden Hersteller eine individuellen Grenzwert gibt, der mit dem Gewicht der verkauften Fahrzeuge steigt. So muss Daimler 2021 rund 100 Gramm erreichen. Die Stuttgarter kündigten aber am Dienstag an, dass es auch in diesem und im nächsten Jahr nach oben gehe. Das habe einerseits mit dem neuen Abgas-Messverfahren WLTP zu tun, das näher als der frühere Standard am realen Verbrauch auf der Straße ist. Hinzu komme aber auch die hohe Nachfrage nach leistungsstarken Fahrzeugen. 2017 war der durchschnittliche Wert der gesamten in Europa verkauften Neuwagenflotte von Daimler bei 125 Gramm CO2 je Kilometer. Es gibt bereits Hochrechnungen von der Unternehmensberatung PA Consulting, die davon ausgeht, dass Daimler die Vorgabe für 2021 nicht erreichen kann und eine Strafe von etwa 200 Millionen Euro aufgebrummt bekommt.

Experten: Autobauer wollen Geschäft mit Plug-in-Hybriden steigern

Bei Volkswagen könnte es mehr als eine Milliarde werden, bei BMW etwa 500 Millionen, wobei in der Münchner Konzernzentrale zu hören ist, dass man Strafzahlungen mit aller Macht vermeiden will. Experten gehen davon aus, dass die Autobauer in naher Zukunft versuchen werden, insbesondere Plug-in-Hybride in großer Zahl zu verkaufen. Die Fahrzeuge mit E- und Verbrennungsmotor kommen auf extrem günstige CO2-Werte bei den offiziellen Abgastests, die können begrenzte Strecken rein elektrisch fahren – das ist vor allem für den Stadtverkehr gedacht.

Die neuen Vorgaben sollen indes helfen, die Klimaschutzziele zu erreichen. Insgesamt stammt rund ein Viertel aller Klimagase der EU aus dem Verkehr, Autos und Lastwagen haben daran wiederum den weitaus größten Anteil. Minus 37,5 Prozent: Das entspricht einem Ausstoß von knapp 60 Gramm pro Kilometer oder einem Verbrauch von gut 2,5 Liter Benzin auf 100 Kilometer. Umweltverbände hatten eine noch deutlich stärkere Reduktion verlangt, und zwar auf zunächst 70 Gramm für 2025 und 40 Gramm für 2030. Nur so könne die Erderwärmung nachhaltig gebremst werden, hieß es.

Hofreiter: Bundesregierung muss Kaufanreize für E-Autos schaffen

Anton Hofreiter, Fraktionschef der Grünen, im Bundestag betonte: „Die hiesigen Autostandorte und hunderttausende Arbeitsplätze können nur mit anspruchsvollen Grenzwerten auf dem Weg zu einer emissionsfreien Mobilität gesichert werden.“ Es sei nun die Aufgabe der Bundesregierung, Kaufanreize setzen, um E-Autos auf dem Markt zu etablieren, ein engmaschiges Ladesäulennetz zu etablieren und Batteriezellenproduktion in Deutschland unterstützen.

„Die Einigung auf EU-Ebene ist ein notwendiger Schritt für den Klimaschutz im Verkehrssektor“, sagte Christian Hochfeld, Direktor der Denkfabrik Agora Verkehrswende, dieser Zeitung. „Jetzt kommt es darauf an, mit einer Reform der Fahrzeugbesteuerung in Deutschland die richtigen Signale zum Kauf von emissionsarmen Verbrennern und von Elektrofahrzeugen zu schaffen.“ Nur dann werde die neue Regulierung auch die gewünschte Wirkung entfalten. Seine Organisation hat eine Reform der Steuern für Fahrzeuge vorgeschlagen. Unter anderem sollen sich Abgaben an den Fiskus stärker am CO2-Ausstoß der Fahrzeuge orientieren.

Von Frank-Thomas Wenzel/RND

Die Staatsanwaltschaft sieht in der Trump Foundation eine leere Hülle, nun wird die Stiftung aufgelöst. Der Grund: illegale Geschäfte.

18.12.2018

Eigentlich sollte an diesem Dienstag das Strafmaß gegen den früheren Sicherheitsberater von Donald Trump verkündet werden. Doch überraschend verschob das Gericht nun die Entscheidung.

18.12.2018

Nett soll es gewesen sein beim Klassentreffen zum 20.Geburtstag der ersten rot-grünen Bundesregierung. In einem Berliner Restaurant feierte in geheimer Runde fast das gesamte Kabinett von damals. Doch über ein Thema gab es in der Runde auch Streit.

18.12.2018