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10:12 29.07.2019
Eine NASA-Aufnahme der Erdkugel. In diesem Jahr ist der Erdüberlastungs- oder Welterschöpfungstag auf den 29. Juli vorgerückt. Quelle: -/Nasa/Goddard Space Flight Center/dpa
Berlin

Vor 20 Jahren lag die kritische Grenze noch im Oktober, seither ist sie stetig nach vorne gerückt. Am 29. Juli, diesem Montag, ist nach Berechnungen der Nachhaltigkeitsorganisation „Global Footprint Network“ Welterschöpfungstag. Die Ressourcen der Erde sind statistisch gesehen für dieses Jahr aufgebraucht, durch Verkehr, Abholzung, industrielle Nutzung, Wasserverbrauch, intensive Landwirtschaft und Fischfang. Wald, Wasser, Luft oder Erde, die ab jetzt genutzt werden, erneuern sich nicht mehr.

Das lässt sich laut GFN auch in eine andere Zahl fassen: „Mittlerweile nutzt die Menschheit die Natur derzeit 1,75-mal schneller, als sich Ökosysteme regenerieren können“, erklärt die Organisation. Das heißt: Wir leben, als gebe es nicht eine, sondern 1,75 Erden.

Der Unterschied zwischen USA und Indien

Auf Länder aufgeschlüsselt, sind die Zahlen der GFN noch dramatischer: Fünf Erden bräuchte es demnach, wenn alle Menschen so leben würden wie die Bewohner der USA. Ein weltweites Australien bräuchte vier Erden, Russland und Deutschland je ungefähr drei, China zwei. Indien, das ähnlich viele Einwohner wie China und vier Mal mehr als die USA hat, käme mit 0,7 Welten zurecht.

Würden alle Menschen so leben wie in Deutschland, wäre der Erdüberlastungstag bereits am 3. Mai gewesen.

„Wir leben als gäbe es kein Morgen“, stellt der World Wildlife Fund (WWF) fest.

Der Vorsitzende des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND), Hubert Weiger, fordert: „Umweltpolitik darf nicht länger unter dem Wachstumsvorbehalt der Wirtschaft stehen.“ In Deutschland sei es essenziell schon vor dem Jahr 2030 aus der Kohlekraft auszusteigen. Kurzstreckenflüge müssten über Steuern verteuert, Bahntickets über den Wegfall der Mehrwertsteuer verbilligt werden. Auch die Landwirtschaft müsse umweltfreundlicher werden.

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Wie sich die Erde entlasten ließe

Auch weltweit steht Kohlenstoffreduktion ganz oben auf der Umwelt-Agenda: Würde der Ausstoß halbiert, würde der Erdüberlastungstag dem GFN zufolge über drei Monate Richtung Jahresende verschoben. 15 Entlastungstage gäbe es demnach, wenn der Fleischkonsum weltweit halbiert würde, weitere zehn bei einer Halbierung der Lebensmittelverschwendung.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt forderte: „Wir müssen das Ruder rumreißen, und zwar dringend.“ Die Entwicklung gehe nicht nur auf Kosten zukünftiger Generationen. Schon die heute lebenden Generationen seien betroffen, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Wie viele Warnsignale braucht die Bundesregierung denn noch, bevor sie Klima- und Umweltschutz endlich anpackt?“

Was die Regierung sagt

Die Bundesregierung, die die selbstgesetzten Klimaschutzziele verfehlt und bislang kein Konzept zur CO2-Reduktion verabschiedet hat, reagierte mit Appellen: „Damit auch künftige Generationen einen lebenswerten Planeten vorfinden, müssen wir heute handeln: Klimaschutz verbindlich und konkret machen, natürliche Lebensgrundlagen erhalten, nachhaltiger mit Ressourcen umgehen“, erklärte das Umweltministerium auf Facebook.

Der Nachhaltigkeits-Experte der Unions-Fraktion, Kai Whittaker, verwies auf das Konzept zur Bepreisung von Treibhausgasen, das im Herbst vorgelegt werden soll. „Es ist höchste Zeit, unsere Kräfte zu einen und Maßnahmen zu ergreifen, den Klimawandel einzudämmen“, sagte er.

Von Daniela Vates/RND

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