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Deutschland / Weltweit Wladimir Putin wehrt sich gegen Schmutzkampagne
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14:04 11.03.2011
Wladimir Putin gibt sich gerne als Naturbursche. Im Wahlkampf muss er nun massive Kritik einstecken. Quelle: dpa
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Regierungschef Wladimir Putin weht ein für Moskauer Verhältnisse ungewöhnlich starker Wind ins Gesicht. Erst kamen beim Internetportal Wikileaks diplomatische Depeschen ans Licht, wonach Putin einen korrupten Staat mit mafiösen Strukturen regiere. Dann legte die russische Variante Ruleaks nach mit Fotos von einem „Putin-Palast“ am Schwarzen Meer. Nun gibt es noch einen Skandal um einen Auftritt des 58-Jährigen bei einer Spendengala für todkranke Kinder. Putins Anhänger tun aber ein Jahr vor der Präsidentenwahl alles, damit ihm der Weg in den Kreml 2012 geöffnet bleibt.

Eine derart geballte Kritik an Putin, der als „nationaler Führer“ von seiner Partei Geeintes Russland gepriesen wird, kommt einem Tabubruch gleich. Vor allem im Internet sorgen die Skandale für Wirbel. Und ein Auftritt von Putins Sprecher Dmitri Peskow unlängst im englischsprachigen Staatsfernsehen Russia Today zeigt, wie ernst die Regierung einen möglichen Rufschaden nimmt. Peskow kommentierte sogar die Kritik des sonst in Moskau kaum beachteten Friedensnobelpreisträgers Michail Gorbatschow, wonach Putin „selbstherrlich“ sei. Er habe ein Machtmonopol geschaffen, das schlimmer als die frühere Kommunistische Partei sei, wetterte der Ex-Sowjetpräsident.

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Ungewöhnlich ausführlich reagierte Peskow zudem auf Vorwürfe, für Putin sei mit Schmiergeld in Milliardenhöhe eine Luxusresidenz am Schwarzen Meer gebaut worden. Mit diesem Privatgeschäft habe der Regierungschef überhaupt nichts zu tun, beteuerte er. Offen ließ Peskow aber, weshalb der Palast vom staatlichen Wachdienst gesichert werde. Auch die Frage, warum ein hoher Kremlbeamter Dokumente zum Nobelanwesen unterzeichnete, steht wie vieles andere weiter im Raum.

Putin sei Kritik gewohnt und hart im Nehmen, ließ Peskow wissen. Nichts allerdings erhitzt die Gemüter so sehr wie Putins Entertainer-Einlage bei einem Wohltätigkeitskonzert in St. Petersburg mit Sharon Stone und anderen Stars im vergangenen Dezember. Der Regierungschef hatte bei der Spendengala für krebskranke Kinder an einem Flügel in die Tasten gegriffen und auch gesungen. Doch die zugesagte Hilfe kam bisher nicht an.

Nach beißender Kritik betroffener Eltern sicherte Peskow jetzt zwar zu, dass die Fragen geklärt würden. Doch etwa das Boulevardblatt „Moskowski Komsomolez“ ist fassungslos über den „Spendenskandal“. Karitative Organisationen, die über Behördenschikane und scharfe Registrierungsregeln klagen, kritisieren, dass ein nicht registrierter Fonds und ein mit Putin befreundeter Organisator die Wohltätigkeitsbranche in Misskredit brächten.

Verbreitet ist in Blogs im Internet die Meinung, die Gala sei nur wieder ein PR-Trick gewesen - diesmal, um Putin vor der Präsidentenwahl im Kreis von Hollywood-Stars zu präsentieren. Immer wieder hat er sich in spektakulären Aktionen gezeigt: Als Tigerbändiger, Bomberpilot, Judoka und Biker in Lederkluft.

Allerdings häufen sich nun erstmals die Negativ-Schlagzeilen. Es gab zuletzt auch Spekulationen, Putin habe die Wahl des Maskottchens für die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi manipuliert. Dort wurde überraschend ein Schneeleopard als Sieger vorgestellt, nachdem Putin sich für das Tier eingesetzt hatte.

Längst schon kämpft nicht mehr nur die außerparlamentarische und vom Kreml als „radikal“ beschimpfte Opposition gegen Putins Rückkehr in den Kreml. Auch der Chef des Föderationsrates, Sergej Mironow, machte deutlich, dass er Putins von Korruption, Behördenwillkür und Einschüchterung geprägtes Machtmonopol brechen wolle.

Dass dem Lager um Medwedew mit Blick auf die Präsidentenwahl 2012 eine Schmutzkampagne gegen Putin nicht ungelegen kommt, gilt als offenes Geheimnis. Das Führungstandem Putin/Medwedew will in diesem Jahr darüber entscheiden, wer von ihnen beiden antritt. In den Umfragen ist Putin immer noch beliebter als Medwedew. Vor allem aber wird Putin, darauf weisen Kommentatoren hin, von Oligarchen und Freunden gestützt, die das Öl- und Gasgeschäft des Landes führen.

dpa