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Niedersachsen AKW Grohnde bleibt abgeschaltet
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00:17 22.06.2014
Von Michael B. Berger
Demonstranten fordern schon seit Längerem ein endgültiges Abschalten des AKW Grohnde. Quelle: dpa (Archiv)
Hameln

Nach einem Schreiben, das die Initiative „ausgestrahlt“ auch an das Landesumweltministerium gesandt hatte, soll es vor Kurzem im nuklearen Teil der Anlage einen Riss an einer 30 Jahre alten Armatur gegeben haben. Dieser Schaden sei von einer externen Firma „unter großem Zeitdruck“ geschweißt worden, um nicht das für den 20. Juni geplante Wiederanfahren des Atomreaktors zu gefährden.

„Es geht offensichtlich um eine wichtige Armatur, vermutlich für die Kühlung“, schrieb der Kernkraftgegner Andreas Röhrmann. Wenzel leitete das Schreiben am Donnerstagabend an die Staatsanwaltschaft weiter – mit der Bitte um Stellungnahme. Der Übersender des Schreibens schildere einen Vorgang, der den Verdacht einer Straftat gemäß Paragraf 312 StGB nahelege, schrieb Wenzel an die Staatsanwaltschaft. Der Paragraf ahndet die „fehlerhafte Herstellung einer kerntechnischen Anlage“.

„Von einem abstrusen und völlig konstruierten Vorwurf“ spricht demgegenüber e.on-Sprecherin Petra Uhlmann. Sie bestätigt, dass es Schweißarbeiten gegeben habe, aber keinesfalls im nuklearen Bereich. „Die Reparatur wurde im Mai vorgenommen während der normalen Revision. Sie ist dem Umweltministerium ordnungsgemäß angezeigt worden und geschah gleichsam unter den Augen der Aufsicht.“ Die Reparatur sei mehrfach dokumentiert. Es habe sich um überhaupt nichts Ungewöhnliches gehandelt, beteuerte Uhlmann.

Vor Wenzels überraschender Wende war den gesamten Donnerstag im Umweltministerium heftig überlegt worden, ob man den Reaktor nun wieder anfahren sollte oder ob nicht. Denn Betreiber e.on hatte beantragt, sein Kraftwerk nach der zwei Monate langen Revisionspause nun wieder ans Netz gehen zu lassen. „Aus technischer Sicht steht dem Wiederanfahren des Meilers nichts im Wege“, sagte e.on-Sprecherin Uhlmann noch am Donnerstagmittag. Die Unternehmenssprecherin wies die von Atomkraftgegnern immer wieder geäußerte Behauptung, bei Grohnde handele es sich um einen „Pannen-“ oder „Störfallreaktor“ als „völlig neben der Realität liegend“ zurück. In dem Atomkraftwerk habe es während der gesamten Laufzeit keinen einzigen meldepflichtigen Störfall gegeben. Viele Meldungen, die es gegeben habe, hätten unter dem sicherheitsrelevanten Bereich gelegen und seien geradezu ein Indiz für die hohe Sicherheitskultur.

e.on hat das Umweltministerium wohl auch darauf hingewiesen, dass eine willkürliche Verweigerung der Anfahrgenehmigung rechtliche Konsequenzen für das Land haben könne – bis hin zu Schadensersatz. Am Mittag hatte Minister Wenzel noch 4000 Unterschriften von Menschen überreicht bekommen, die die sofortige Stilllegung des Reaktors verlangen. Auch Hamelns Landrat Tjark Bartels (SPD) erklärte: „Es gibt sicherlich nur wenige Menschen im Landkreis Hameln-Pyrmont, die nicht mit Jubel darauf reagieren würden.“     

Politisches Spiel

Es gibt kaum abgeschirmtere Bereiche als Kernkraftwerke. Gott sei Dank. Es gibt kaum (für den Laien) undurchsichtigere Bereiche als die Atomwirtschaft. Schon deshalb gehört sie zu den unbeliebtesten Branchen in Deutschland. Aber traut man dem Energieerzeuger
e.on tatsächlich eine solche Räuberpistole zu, dass er ein paar Tage vor dem geplanten Wiederanfahren eines Reaktors mal eben mir nichts, dir nichts eine Armatur im nuklearen Bereich schweißen lässt? Zu schön – für Kernkraftgegner. Landesumweltminister Wenzel, der als Grüner wegen Grohnde ganz besonders unter Druck steht, hat den ominösen Vorgang genutzt, Zeit zu gewinnen. Wer weiß, wie langsam manchmal Staatsanwälte in Gang kommen, ahnt, dass Grohnde noch einige Zeit abgeschaltet bleibt. Oder klären die Staatsanwälte die Sache rasch? Das wäre für alle schön – vor allem für das staunende und verunsicherte Publikum.

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