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Niedersachsen Asse-Streit im Landtag spitzt sich zu
Nachrichten Politik Niedersachsen Asse-Streit im Landtag spitzt sich zu
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19:04 02.09.2009
„Gorleben ist ungeeignet“: Der Geologe Dieter Ortlam vor dem Landtag in Hannover. Quelle: ddp
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Zum anderen möchte die CDU den Geschäftsführer der Asse GmbH, Hans-Albert Lennartz, und zwei seiner Mitarbeiter befragen. Breuel und Kiep sollen erläutern, ob sie Mitte der achtziger Jahre versucht haben, die 1978 stillgelegte Endlager im Schacht Asse II bei Wolfenbüttel zu reaktivieren, um der Industrie eine billigere Entsorgung radioaktiver Abfälle zu ermöglichen.

Die CDU griff am Mittwoch einen Bericht der HAZ auf und warf Lennartz „grüne Vetternwirtschaft auf Steuerzahlerkosten“ vor. Lennartz hat kürzlich zwei ehemalige Mitarbeiter der grünen Landtagsfraktion beauftragt, die Asse-Akten zu sichten, bevor sie dem Untersuchungsausschuss übergeben werden. Die CDU befürchtet, dass die Akten „gefiltert“ werden. In diesem Zusammenhang legt Wolfram König, Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Wert auf die Feststellung, dass er keinen Einfluss auf die Einstellung des Asse-Geschäftsführers Lennartz genommen habe. Auch am Auswahlverfahren sei er nicht beteiligt gewesen.

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Lennartz gehört wie König den Grünen an. Die CDU will auch dies im Untersuchungsausschuss zur Sprache bringen und vermutet „grünen Filz“. König stellte gestern in Hannover ein Info-Mobil vor, mit dessen Hilfe er der Bevölkerung die Stilllegung des Atommülllagers Asse erläutern will. Das Fahrzeug bietet auch Informationen zu den Standorten Schacht Konrad in Salzgitter und Gorleben. Gorleben-Gegner erhalten unterdessen neue Rückendeckung durch einen Experten.

Der Hydrogeologe Prof. Dieter Ortlam, leitender Mitarbeiter des Niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung (NLFB), bekräftigte gestern vor Journalisten in Hannover, dass der Salzstock Gorleben nie als Endlagerstandort hätte ausgewählt werden dürfen. „Gorleben ist ungeeignet“, betonte Ortlam. Der frühere niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht habe sich 1977 über den Rat der Fachleute hinweggesetzt. Die Auswahl von Gorleben habe bei ihm und seinen Kollegen Kopfschütteln ausgelöst, berichtete der 70-jährige Ortlam, der später die NLFB-Außenstelle Bremen leitete. „Das war eine rein politische Entscheidung.“ Der Salzstock kommt nach Ansicht Ortlams nicht als Endlager für hochaktiven Müll in Frage, weil die Deckschichten aus Ton nicht intakt seien. Zudem habe er bei Bohrungen über dem Salzstock Ende der sechziger Jahre aufsteigendes Salzwasser entdeckt.

Im Fall einer Atommülleinlagerung könnte das Grundwasser mit radioaktiven Stoffen verseucht werden. Ortlam brachte seine Bedenken damals auch bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe vor, die Gorleben bewertet hat. Er habe dem zuständigen Abteilungsleiter seine großen Vorbehalte mitgeteilt – ohne Erfolg. Der Sprecher der Bürgerinitiative, Wolfgang Ehmke, warnte davor, den Salzstock weiterzuerkunden. „In Gorleben wird eine Investitionsruine geschaffen“, sagte Ehmke.

kau/vdB